Buch: Monika Buttler – Die Schwarze Witwe von Wien


Elfriede Blauensteiner hatte es nicht immer leicht. In ärmliches Verhältnissen geboren, lernte sie früh, auf eigenen Beinen zu stehen, sich um andere zu kümmern und immer zu arbeiten. Sie will etwas erreichen, sie selbst und später auch ihrer Tochter etwas ermöglichen, was ihr bisher immer verwehrt wurde. Sie verdient Geld, verliert es, heiratet,  verwitwet, verliebt sich erneut und lernt die Schattenseiten einer gewaltvollen Ehe kennen.

Blauensteiner hat in Wien gelebt und gemordet. Die Presse hatte schnell den Namen Schwarze Witwe für sie gefunden und sie mit harten Worten verurteilt. Monika Buttler hat sich auf die Spuren einer Frau begeben, die sich nichts mehr bieten lassen wollte. Man muss dazu sagen, dass sich die Autorin hauptsächlich auf Memoiren der Täterin beruft. Diese hatte während ihrer Inhaftierung ihre Sicht der Dinge zu Papier gebracht. Eine freudlose und lieblose Kindheit war darin beschrieben, später triste und qualvolle Ehen und Liebschaften voller Gewalt und Unterdrückung. Mittendrin Elfriede, die sich liebevoll und aufopfernd um ihre Männer und geliebten Menschen kümmert, doch auch sie kann den Tod nicht aufhalten und stellt sich letzten Endes als Opfer eines Lügenkonstrukts dar, da sie doch immer nur das Beste wollte. Die Autorin lässt einen fiktiven Journalisten aus den Memoiren heraus einen Artikel schreiben. Im Grunde tut sie aber nichts anderes, als die Erinnerungen abzuschreiben, neu zu formulieren und zu bewerten.

Die Geschichte ist langweilig erzählt, weder neutral noch sonderlich spannend. Ein Abhaken der Ereignisse, zwischendrin ein anscheinend alkoholabhängiger Journalist, der gerne Cappuccino und Wein trinkt und immer wieder den Moralapostel spielt und den Zeigefinger hebt: Aufgemerkt, so kann das aber nicht stimmen, aber Blauensteiner war doch böse, aber sie hat doch, aber warum hat man denn nicht?

Man hätte aus den Memoiren, den Polizeiakten und den Presseberichten eine lebendige Story verfassen können, die durchaus auch das Handeln der Täterin hinterfragt, ohne die sinnlose Journalistenfigur zu erfinden und die Vorlagen umformuliert abzuschreiben. Ein langweiliges Buch, das der sonst anspruchsvollen und spannenden Reihe über wahre Verbrechen aus dem Gmeiner Verlag nicht gerecht wird.

2/5

Monika Buttler – Die Schwarze Witwe von Wien
Gmeiner Verlag, 2018
249 Seiten
Taschenbuch: 14,00 €

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