Buch: Angel Gelique – Die Geschichte der Hillary. Buch 2


Die 13-jährige Hillary ist ein ganz normaler amerikanischer Teenager, bis ihr dominanter Vater beginnt, sie sexuell zu missbrauchen. Monatelang verändert sich das Kind und frisst den Kummer in sich hinein, bis sie endlich den Mut aufbringt, mit ihrer Mutter zu sprechen, doch die will von den Lügen der Tochter nichts hören.

Hillary ist bereits aus Buch 1 den Lesern bekannt. Ist sie dort noch der Teenager, der ausrastet, weil Experimente mit ihr durchgeführt werden, wird hier die Vorgeschichte erzählt. Tragisch und schonungslos beschreibt Gelique, wie ihre Protagonistin monatelang von ihrem eigenen Vater sexuell missbraucht wird und daran zerbricht. Die Hilflosigkeit des Mädchens wird spürbar und der Leser findet sich schnell in einer ausweglosen Situation wieder, leidet mit Hillary mit und hofft auf ein gutes Ende – wohl wissend, dass es keines gibt. Die Ohnmacht, die Hillary empfindet, als ihr die eigene Mutter nicht glaubt, ist nachvollziehbar. Als Außenstehender kann man sich zwar immer wieder mal fragen, warum Hillary sich nicht an die Polizei oder einen Vertrauenslehrer gewandt hat, man kann sich fragen, warum ihr früher nie aufgefallen ist, wie brutal der Vater und wie devot die Mutter stets gewesen sein mussten. Aber das sagt sich so leicht.

Gelique hat eine einfühlsame Geschichte geschrieben, die sich langsam aufbaut, bis sie schließlich in einen brutalen Höhepunkt mündet. Dann wird es blutig, eklig und irgendwann ein bisschen unrealistisch. Warum die Mutter nicht vorher aktiv wird und sich mal gegen die aufmüpfige Tochter durchsetzt, ist nicht ganz nachvollziehbar, auch wenn versucht wird, sie mit ihrem Vater gleichzusetzen, um dadurch die Angst zu erklären. Die Frage nach der Polizei wird laut, die Sozialarbeiterin, die da ist, wieder geht, nichts tut … nett, passend zur Geschichte, aber wenig nachvollziehbar. Die Leiden der Schwester, das lange Überleben, das scheint nicht ganz koscher zu sein, ein bisschen konstruiert, auch wenn ich der Autorin zugestehen muss, als Biologin und Juristin nicht blind etwas erfunden zu haben. Dennoch, ein fader Beigeschmack bleibt und irgendwann wird es langweilig, ein ewiges, tristes Wiederholen an: Es stinkt, Hillary tickt mittlerweile grundlos aus, Hillary ist sauer auf alle. Sicherlich zerbricht etwas in ihr, so dramatisch ist es aber etwas überzogen, scheinbar nur um mehr und mehr Brutalität niederschreiben zu können. Etwas weniger hätte der Geschichte gut getan.

Das zweite Buch hätte am Anfang stehen müssen. So weiß man schon wie es ausgeht und ist irgendwann gelangweilt, was der Geschichte nicht ganz gerecht wird. Auch wenn Buch drei dann dort einsetzen wird, wo der erste Teil aufhörte, ist die Leselust drastisch gesunken.

3/5

Angel Gelique – Die Geschichte der Hillary. Buch 2
Festa Verlag, 2019
400 Seiten
Paperback: 12,99 €

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