Buch: Melanie Raabe – Die Wälder


Nina erfährt, dass ihr bester Freund Tim plötzlich verstorben ist. Nun bereut sie, nicht ans Telefon gegangen zu sein, als er kurz vor seinem Tod angerufen hatte. Aber er hat ihr eine geheimnisvolle Nachricht hinterlassen und Nina muss zurück an die Schauplätze ihrer Kindheit und eines schrecklichen Verbrechens, um ein Versprechen einzulösen …

Freunde aus Kindertagen erleben die größten, spannendsten Abenteuer, manchmal grausam, manchmal zusammenschweißend. Manchmal sind die Erlebnisse auch so schrecklich, dass sich die Freunde danach gar nicht wiedersehen wollen, obwohl sie durch die Ereignisse für immer miteinander verbunden sind. Das klingt vertraut? Ist es auch. Es von Horrorlegende Stephen King ist ein berühmtes Beispiel dafür. Auch Stand by me – Geheimnis eines Sommers geht in die gleiche Richtung. Schnell bemerkt man große Parallelen zwischen diesen Werken und dem vorliegenden. Das irritiert zuweilen und man schwankt zwischen Faszination und Geringschätzung: Die hat doch nur geklaut. Raabe hat das aber keineswegs, wie bald klar wird. Parallelen gibt es, keine Frage, aber ihre Geschichte geht in eine andere Richtung. Abwechselnd erzählt sie von damals, als die muntere Truppe noch Schulkinder waren und gemeinsam die Ferien verbrachte, und der Jetztzeit, in der sie verstreut sind und wenig Kontakt zueinander halten. Nicht zuletzt wegen der Ereignisse, die ihre Kindheit beendeten.

Die Spannung ist greifbar. Man erfährt nach und nach, was damals geschehen ist und in welche Situationen sich Protagonistin Nina aktuell begibt, um das Versprechen einzulösen, dass sich die Clique vor vielen Jahren gegeben hatte. Nun, da einer von ihnen, Tim, verstorben ist, fühlt sie sich verpflichtet, seinen letzten Wunsch zu erfüllen.

Die Wälder ist mehr als nur ein spannungsgeladener Thriller: Gespickt mit feinen Beschreibungen, eigensinnigen Charakteren und voller Zwischenmenschlichkeit, beschreibt Raabe vor allem Freundschaft – und wie sie sich im Laufe der Zeit wandelt, wie wenig man eigentlich voneinander weiß, wie zerstörerisch Vorurteile und Gerüchte sein können und dass am Ende alles gut werden kann, auch ohne richtiges Happy End.

Das Hörbuch wird von Anna Schudt gelesen, die vor allem aus diversen Fernsehfilmen bekannt ist und ihre Rolle als Kommissarin Bönisch im Dortmunder Tatort. Lediglich der Prolog wird von der Autorin selbst gelesen und ist meiner Meinung nach absolut misslungen. Raabe hat eine pastorale Art, die überhaupt nicht zum Text passen mag. Lieber auf’s Schreiben konzentrieren und weniger auf das Vorlesen der eigenen Geschichten, scheint hier ein guter Rat zu sein, denn spannend schreiben kann Raabe.

5/5

Melanie Raabe – Die Wälder
btb Verlag, 2019
432 Seiten
Taschenbuch: 16,00 €

der Hörverlag, 2019
9 Stunden, 54 Minuten
CD: 11,42 €

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