Buch: Achim Reichel – Ich hab das Paradies gesehen – Mein Leben


Achim Reichel, seit fast 60 Jahren auf der Bühne zuhause, blickt zurück auf sein Leben. 2019 feierte er zu seiner größten Verwunderung seinen 75. Geburtstag – und es ist viel passiert, was sich zu erzählen lohnt: In den Sechzigern feiert er als Frontmann der Rattles Erfolge, wird in den Siebzigern Vorreiter des Krautrocks, veröffentlicht ein Album mit Shantys und Seefahrersongs, vertont Balladen von Goethe und Fontane, arbeitet mit Jörg Fauser und veröffentlicht seine großen Hits „Aloha Heja He“ und „Kuddel Daddel Du“. Und jetzt? Auf einem Containerschiff reiste Reichel nach Namibia und nutzte diese Auszeit, um sein Leben aufzuschreiben – von den Anfängen auf St. Pauli über die wilden Jahre on the road bis heute. Bunt, nachdenklich und faszinierend. (Quelle: Rowohlt/Amazon)

Wir befinden uns in den Anfängen der Sechziger Jahre. Spätere Mega-Bands wie die Beatles und die Rolling Stones gab es noch nicht, oder befanden sich erst in den Startlöchern ihrer Karriere. In Hamburg gab es eine Band, die die alten verstaubten Rhythmen der damals vorherrschenden Musik im deutschen Wirtschaftswunderland ad acta warfen, und stattdessen eine wilde Musik hörten und spielten, die den Zeitgeist der damaligen Jugend traf. Popmusik und Beat waren schwer angesagt und die Rattles starteten 1961 mit ihren ersten Konzerten.

Einer ihrer Gitarristen und Sänger, ein blonder Jüngling namens Achim Reichel war ein Aushängeschild der Rattles. So begann die Karriere von einem der wandelbarsten Musiker die Deutschland hervorbrachte. Über seinen Werdegang nach den Rattles, bei der ersten deutschen Supergroup Wonderland, sein elektronisches Projekt A.R. & Machines aus der Krautrocksparte, seine vertonten Shantys und Gedichte aus der Feder weltberühmter deutscher Dichter. Über modernen Pop bis hin zur Verrockung deutscher Volxlieder. Es gibt fast keine Sparte, in der Achim Reichel nicht erfolgreich gewesen ist, trotz vieler Bedenken, einerseits von ihm selber bis hin zu den Chefs der Musikfirmen.

Ein Musiker, der aus den fast 60 Jahren seiner Karriere soviel zu erzählen hat, hat uns nun seine Sicht auf sein vergangenes Leben in eigenen Worten in Buchform geschenkt. Eins gleich vorweg … das Buch macht Spaß es zu lesen. In seiner typischen norddeutschen Art die sich im Geschriebenen manifestiert erzählt uns Achim Reichel sein Leben. Vieles mag sicherlich längst bekannt sein, aber es aus der Feder von Achim selbst zu lesen, zeigt einem so manchen Blickwinkel auf, der vorher nicht so im Fokus stand. Ich konnte das Buch fast nicht weglegen, und hab die über 400 Seiten in zwei Tagen durchgemacht. Zum Schreiben hat sich Achim einen Urlaub gegönnt. Wäre an sich nichts Besonderes, wenn es nicht ein Frachtschiff gewesen wäre, auf dem er spartanisch unterbracht, nur wenig Kommunikation mit der fremdländischen Mannschaft hatte … mangels gegenseitiger Sprachkenntnisse. Langsamreisen nennt sich diese Art der Entschleunigung und die oftmals nicht vorhandenen Möglichkeiten zu telefonieren mangels Netzempfang taten ein Übriges, um Achim die Ruhe zu geben, seine Gedanken und Erinnerungen zu sortieren und festzuhalten. Viele Fakten, die sehr viele Reichel-Fans noch nicht wissen, werden angesprochen. Ein guter Teil seiner Fans kennt Achim Reichel erst seit seinen deutschsprachigen Alben. Woher sollte ein etwas jüngerer Fan, der Reichel erst mit „Der Spieler“ oder „Aloha He“ kennengelernt hat, auch wissen, warum Achim sein Projekt A.R. & Machines ins Leben gerufen hatte und wie der Name entstand. All das wurde von Achim Reichel in einer sehr amüsant zu lesenden Art niedergeschrieben.

Eine Biografie über eine deutsche Rocklegende, auf die nicht wenige Anhänger deutscher Musik schon längst gewartet hatten. Für Interessierte der deutschen Musikszene ein unverzichtbares Werk, welches zurecht die Höchstnote verdient.

5 / 5

Achim Reichel – Ich hab das Paradies gesehen – Mein Leben
Rowohlt Verlag, 2020
416 Seiten
Gebundenes Buch: 24,00 €

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