Portrait: Fall and rise of Jeff Hardy – … the rise


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Sechs Monate lang ist Jeff Hardy verschwunden. Nach der Enttäuschung und der verbrannten Erde, die er zurückgelassen hatte, kümmert das auch nicht viele. Natürlich machen sich einige Gerüchte breit, natürlich möchte man auch wissen, was nach Victory Road mit dem einstigen Superstar passiert ist. Aber dass er nicht da ist, nicht erwähnt wird, nicht auftaucht, tut auch ganz gut. Nach sechs Monaten ertönt bei TNA die altbekannte Musik von Jeff Hardy, die Menge schreit und klatscht, man freut sich einerseits auf das Wiedersehen, andererseits hat man diesem Mann noch nicht verziehen, was bei Victory Road geschehen ist. Wir wissen, wie viel beim Wrestling gestellt, arrangiert und auf gutes Schauspieltalent zurückzuführen ist – und Hardy ist ein verdammt guter Schauspieler -, aber dieses Ding ist ziemlich echt. Wer hätte den Mut, sich vor ein urteilendes Publikum zu begeben, vor die Kameras, nachdem er alle – einmal mehr – dermaßen enttäuscht hat? Seien wir ehrlich, so klar, dass Hardy zurückkommt, war es nicht und es war ein Risiko, ihn überhaupt auftreten zu lassen, allerdings hätte man ihn sofort entlassen können und darauf hatte vermutlich auch so mancher gewartet. Ein Wrestler ist ein Sportler, ein Star und damit ein verdammtes Vorbild, das sich entsprechend zu verhalten hat und nicht immer wieder Suchtverhalten herunterspielen darf und sich dermaßen zugedröhnt zeigen sollte – auch ein verdammter Jeffrey Nero Hardy kann sich das nicht erlauben – oder doch? Auf dem Weg zum Ring wirkt er zerknirscht und verdammt alleine, lange steht er schweigend im Ring, den Blick gesenkt, nachdenklich, Pfiffe werden laut. Hardy beginnt mit seinem Versagen, alle sind schlecht auf ihn zu sprechen und haben dazu jedes Recht, er gibt zu, seinen absoluten Tiefpunkt erreicht zu haben. Es ist schwer zu glauben, dass die Sprachlosigkeit zwischen all den Buhrufen und Pfiffen komplett gespielt sein soll, daran ist mehr echt, als die meisten glauben mögen. „I can’t expect you to forgive me and give me another chance […] all I can do is ask: Give me one more shot.“ Zwischen all den Buhrufen macht sich ein Sprechchor bemerkbar, der schnell anschwillt und die Halle ausfüllt. „One more shot“.

Jeff Hardy wird überall geliebt und die Fans geben ihm die Chance, die er verdient. Bei den kommenden Auftritten wird er gefeiert, sein Weg zurück ins Leben avanciert zum Paradebeispiel. Es ist die große Läuterung. Natürlich muss die TNA reagieren, dreht kurze Auseinandersetzungen im Backstage ab, die das Pro und Kontra zeigen sollen. Manche sind für Jeff, andere deutlich gegen ihn, das ganze verlagert sich in den Ring, erst durch Promos, die teilweise sehr unter die Gürtellinie gehen und sogar Beth einbinden, dann durch Matches. Aber der Champ ist zurück. In zweierlei Hinsicht spielt Sting auch hier eine wichtige Rolle. Zum einen steht er neben Jeff, schlägt sich auf seine Seite, kämpft schließlich als Tag Team mit ihm. Zum anderen weiß Sting ziemlich genau, was in Jeff vorgegangen sein muss und gegen welche Dämonen er zu kämpfen hat. Sting litt selbst unter Depressionen, war alkohol- und schmerzmittelsüchtig. Viele Wrestler nehmen Steroide, um ihren Muskelaufbau entsprechend zu begünstigen. Downers, um abends schlafen zu können nach den Shows, Uppers, Speed, Koks, um tagsüber durchzuhalten, Vicodin, um die Schmerzen für Augenblicke zu vergessen und die aufhellende Wirkung wenigstens kurz zu spüren und die Depressionen zu vergessen. Sie trinken, weil der Alkohol betäubt und man damit durch die Drogentests der Promotionen kommt. Früher war das anders. Während der Attitude Ära schmiss man sich ein, was ging, aber die WWE verbot Steroide und Kokain, was gut war und für viele auch sicherer. Schließlich verbot man Marihuana, was viele zu Pillen und Alkohol drängte. Wer das ganze Jahr über unterwegs ist und fern von der Heimat, der Familie, wer keine Ruhe hat, keine Pause, zwischen Städten und Ländern herumschlingert, trainieren und dann Kämpfe vorbereiten muss, abends kämpft, um seine Rechnungen bezahlen zu können, um zu begeistern, eine perfekte Entertainment-Show abzuliefern, die neben schauspielerischem Talent extremen körperlichen Einsatz erfordert, der verliert sich irgendwann. Jeff Hardy ist kein Einzelfall. Auch wenn sich Wrestling ein bisschen gewandelt hat, er war zu viel unterwegs. Für einen Menschen, der seine Mutter zu früh verloren hat und so fest mit Zuhause verbunden ist wie Jeff, ist dieses Leben zermürbend. Es bringt ihn an seine Grenzen – dazu kommen die körperlichen Schmerzen. Jeff Hardy ist ein Opfer der WWE, der Wrestlingwelt mit all ihren Schattenseiten, dessen Suchtprobleme vorauszusehen waren von dem Moment an, als er seinen Vertrag bei der Promotion unterschrieb. Dennoch ist er verantwortlich für seine Sucht und streitet das selbst auch gar nicht ab. Man weiß von vielen Wrestlern, dass es Missbrauch von Steroiden oder Suchtstoffen gab bzw. gibt, doch Jeff Hardy ist das Paradebeispiel.

Im September 2011 kommt es endlich zur Verhandlung, nachdem diese seit 2009 mehrfach verschoben worden war. Dem Beschuldigten werden neben dem Besitz von Rauschmitteln auch der Handel damit zur Last gelegt. Den Wrestler erwartet eine saftige Strafe, der er aber entgeht durch einen nicht näher bekannten Deal. Fast drei Jahre lang darf er nur reisen, wenn es sein Beruf erfordert, 100.000 $ Geldstrafe werden bezahlt, er muss eine Therapie machen und eine zehntägige Haftstrafe absitzen. Das ist der Deal, der ihm entweder den Arsch rettet, oder ihn endgültig verdammt, denn Jeff weiß zwar, dass er nicht mehr in der Knast will, aber die Sucht lässt ihn nicht los. Den Entzug, den er macht, nutzt er allerdings, kommt immerhin von den Tabletten los. In den folgenden Jahren hat man immer mehr den Eindruck, dass die Schmerzen zu seiner Strafe werden. Sie betäuben alles, was in ihm tobt, die Angst, die Sehnsucht, das Vermissen, ein bisschen auch die Liebe, die Wut, die sich in Ermangelung eines greifbaren Feindbildes gegen sich selbst richtet, die Einsamkeit – nur die Dämonen werden durch den Schmerz noch mehr gefüttert.

Jeff Hardy zieht sich zurück, Gerüchten zufolge spielt Beth eine große Rolle dabei, setzt ihrem Ehemann den Kopf zurecht und bringt ihn schließlich dazu, sich zu ändern. Er selbst erzählt Jahre später in einem Interview, dass er sich das Match selbst angesehen hat und schockiert war, dass er ganz unten gewesen sei und ihn das aufgeweckt hätte. Dass er selbst nicht mehr fähig gewesen war zu wrestlen, ist für ihn ein Schock und das heilsame Aufschlagen auf dem harten Boden der Suchtrealität. In dieser Zeit kämpft er bei TNA, absolviert extreme Matches, die den armen Körper noch mehr schinden, er springt, er fällt aus großen Höhen, wird blutig geschlagen und landet in Reißnägeln. Dagegen ist die WWE ein absolut harmloser Kindergarten. Aber Hardy zieht es durch, bringt Willow the Wisp in den Ring, nennt sich – bereits davor – Charismatic Enigma, Brother Nero und mehr. Man ist etwas kreativer als bei der WWE, lässt dem Wrestler ein bisschen mehr künstlerische Freiheit. 2015 wird er zum zweiten Mal Vater einer bezaubernden Tochter, die stolzen Eltern kündigen die Geburt Nera Quinns an mit „Then we were four“ und einem herzerwärmenden Bild, auf dem die große Schwester neugierig den Säugling im Arm des Vaters beäugt, der seine Tochter auf die Stirn küsst. Ein Bild voller Liebe, Ruhe und Frieden, ein Moment, den man für Hardy gerne als Zeitschleife für immer festhalten würde, weil genau in diesem kurzen Moment seine Dämonen zu schweigen scheinen. Jeff kann Jahre später wieder einen Vertrag bei der WWE ergattern und erlebt ein fulminantes Comeback gemeinsam mit seinem Bruder Matt, der zwischenzeitlich selbst Suchterfahrungen gesammelt hat. Beide geben alles, werden gefeiert, es gibt denkwürdige Augenblicke, etwa ein Tag Team Match, bei dem Jeff ein Zahn ausgetreten wird. Er kämpft unbeirrt weiter, nachdem er dem Referee klar gemacht hat, dieser solle den Zahn einsammeln, und zeigt nach dem Sieg stolz die Zahnlücke. Für einen kleinen Lacher sorgen die Aufnahmen beim Arzt, die von der WWE später veröffentlicht werden. Hardy redet die ganze Zeit, bis der Arzt ihn fragt: Warum redest Du, wenn ich gerade Deinen Mund untersuchen will? Die Freude währt nicht lange, Jeff stürzt mit seinem Motorcrossrad und fällt monatelang aus, da er sich das Schienbein bricht. Matt verlässt währenddessen die WWE, Jeff verlängert später, hat aber seit dem Sturz Probleme mit dem Bein. Kurz darauf folgt eine Schulterverletzung, die ihn wieder für einige Zeit außer Gefecht setzt. Als er zurückkommt, fehlen die Fans, es ist das Coronajahr. Hardy wirkt dankbar und demütig, nicht unglücklich und ist der einzige Wrestler der WWE, der vor den aufgebauten Screens Stimmung macht und mit den Fans interagiert, als säßen sie in der Halle. Er ist für diese Show geboren – bis zu seinem letzten Kampf. Die Fans sind enttäuscht, dass er erneut mit seiner Sucht konfrontiert wird, dieses Mal geht es um Alkohol, denn Hardy wird 2018 und 2019 erneut verhaftet. Einmal wird er dabei erwischt, wie er vormittags in der Öffentlichkeit Alkohol trinkt – in North Carolina stört nicht die Uhrzeit, sondern die Öffentlichkeit. Das zweite Mal rauscht er betrunken mit seinem Wagen in eine Leitplanke. Es folgen ein Entzug und ein bitterer Familienstreit zwischen den Ehefrauen der Brüder, den diese teilweise auf Twitter austragen, scheinbar irgendwann eingebremst von den Brüdern, denn die angefangene Schmutzwäsche bleibt liegen. 2020 gibt es einen Barfight zwischen Sheamus und Hardy, immer wieder wird auf den Alkoholismus eingegangen, Hardy muss sich in den Ring stellen, vor ihm diverser Alkohol, ein Glas – scheinbar mit Sekt gefüllt – in der Hand. Er trinkt nicht. Später wird ihm ein Kampf in einer Bar vorgeschlagen. Fans sind bestürzt und erzürnt, Hardy liebt die Idee und zieht es durch. Er will damit Mut machen und zeigen, dass man seine Sucht besiegen kann. Jeff Hardy existiert, um zu inspirieren. Und dann beginnt das Warten. Jeder weiß, dass Hardys Entrancesong „No more words“ zurückkommen wird, das ist vertraglich geregelt, aber wann? Jeder wartet darauf, dass Hardy endlich wieder eine Titelchance erhält, aber wann? Hardy ist 43 Jahre alt, sein Körper geschunden, nicht nur das Knie, die Schulter, vor allem der Rücken, auf dem er nun seit über der Hälfte seines Leben landet, machen ihm Probleme, er scheint die Verletzungen und die Anstrengungen der letzten 20 Jahre zu spüren. Irgendwann ist Schluss und vermutlich wird das nicht mehr allzu lange dauern. Hardy wird seinen Song bekommen, wenn die Fans zurück in die Hallen dürfen – was bereits bei Wrestlemania im April 2021 geschehen wird -, er kriegt eine letzte große Storyline, einen Titel und geht – so vermute ich. Der Goldesel muss noch einmal Quoten ziehen, um die WWE steht es nicht gut, viel Kritik seitens der Fans, langweilige Storys, kein Esprit. Stars wandern ab zum Konkurrenten AEW, vielleicht gibt es doch dort ein Revival der Hardy Brüder, aber steht Jeff das weiterhin durch?

Die 2010er Jahre sind allerdings auch stark von der Kunst geprägt. Hardy, der ohnehin jeden Tag zeichnet, stürzt sich noch stärker in seine Kunst. Der Rasen im Vorgarten wird nach seinen Vorstellungen getrimmt, der schneidet das Gras in unterschiedlichen Längen ab und zeigt mittels Drohnenaufnahmen das Ergebnis. „Obsolete“ ist da mal zu lesen, umrahmt von den Hardygesichtern, die ein Markenzeichen sind. Es gibt mannshohe Figuren zweier Dackel auf dem Grundstück, Erinnerungen an treue Weggefährten und auch wenn sie im leichten Comicstil sind, man erkennt sofort den Künstler. Die Facepaints und Leinwände stellen das dar, was er in seinem Kopf sieht, gibt Hardy an. Vielfach erinnern die Gesichter – für mich meistens Dämonen, manchmal erkennt man Hardy, Beth und andere Personen deutlich – an Holzschnitte, etwa an Karl Schmidt-Rottluff und die Emmaus-Jünger. Neben der Malerei nimmt auch die Musik einen immer größeren Stellenwert in seinem Leben ein. Bereits Anfang der 2000er Jahre hatte sich Jeff einen alten Trailer von seinem Vater gekauft und ihn zu einem Tonstudio umfunktioniert, außerdem brachte er sich autodidaktisch das Gitarrespielen bei. Während er sich, dem Vater nacheifernd, in Country versuchte, merkte er bald, dass er seinen Ansprüchen nicht genügte. Dabei gibt es tolle Aufnahmen, die vor allem in manchen Folgen der Hardyshow zu sehen sind, auf denen er dieses Genre ziemlich gut hinkriegt. Jeff lernt Junior Merrill kennen und die Band Burnside6, damals ziemliche Metal-Kracher. Burnside6 haben es gerade mal zu einer Platte geschafft, die nicht zu bekommen ist. Zuerst macht man gemeinsam mit einigen Bandmitgliedern und dem langjährigen Freund Shannon Moore Musik und jamt sich durch die Nächte. Moore möchte sich dann jedoch mehr auf seine Wrestlingkarriere konzentrieren. Bruder Matt hält nicht viel von Jeffs Stil und nennt diesen „Alternative Alternative“, was den kleinen Bruder verletzt, da er sich nicht ernstgenommen fühlt und Matts Meinung großes Gewicht für ihn hat. Bereits in diesen Jahren beginnt Jeff damit, eigene Songs zu schreiben und zahlreiche „Emoetry“ (eine Kombination aus „emotion“ und „poetry“, wie Jeff seine Gedichte bezeichnet) wird in Songtexte umgewandelt. Doch es dauert zehn Jahre, bis daraus eine Platte entsteht.

Und hier fängt es an. Jeff Hardy macht als Künstler so ziemlich jeden Fehler, den ein Künstler vor allem in den 2010er Jahren nur machen kann. Klar, man kennt den Wrestler, weiß, dass er etwas eigen ist, anders, ein Künstler, Maler, Spraypainter, Dichter, Musiker, aber wir alle haben Hobbies, schließlich ist Jeff auch ein sehr guter Schauspieler und kreativer Kopf, kann seine Stimme genial verstellen und andere Personen darstellen, kreiert wirre Charaktere, beispielsweise Itchweeed. Außerdem hat er, wenn er clean ist, eine wundervolle Stimme und klare Aussprache, so dass er Radiomoderator werden oder Hörbücher einlesen könnte. Wenn ich seine Tochter wäre und er würde mir abends vor dem Schlafengehen etwas vorlesen, würde ich versuchen, die ganze Nacht wachzubleiben, damit er niemals aufhört, vorzulesen und diese Stimme nie verstummt. Aber was nutzt es, wenn man etwas kann und keiner wird drauf aufmerksam? Nicht viel. Ich kenne Jeff Hardy seit 1996, dass der Mann ein paar CDs rausgebracht hat, weiß ich seit November 2020. Ich kenne seine Band nicht und hab von seinem Soloprojekt keine Ahnung. Durch einen dummen Zufall komme ich drauf, dass es da Aufnahmen gibt, digital, nicht mal physisch, und da ich gerade Umzugskisten packen muss, kann das gut nebenbei laufen. Als ich den ersten Song höre, atme ich mal tief durch. Beim zweiten denke ich mir, naja, aha. Beim dritten reiße ich die Augen weit auf und bewundere Hardy für seinen verdammten Mut, sowas auf Platte zu pressen. Long story short: Vier Monate lang habe ich nichts anderes als Jeff Hardys Musik gehört, habe Mitschnitte von Konzerten angesehen, seine Instagramvideos verfolgt, lange über ihn diskutiert. Es gab zu Beginn genau einen Song, den ich nach dem ersten Mal anhören sowohl geliebt, als auch sofort wiedererkannt habe: „Talent“. Aber wir reden gerade noch von einem nahezu unverzeihlichen Fehler Hardys und wollen der Kritik der Silberlinge nicht vorgreifen. Es gibt keine funktionierende Website, es gibt nirgends eine vollständige und korrekte Diskografie – auch wenn ich verbissen daran arbeite, wenigstens Discogs damit zu füttern -, es ist schwer bis unmöglich, die Tonträger zu kaufen, man bekommt mit viel Glück über Umwege ein Exemplar, die Dinger sind unterschiedlich teuer, für Deutschland kommen exorbitante Zoll- und Versandkosten dazu, es gibt weder auf Amazon noch auf Spotify ein komplettes Künstlerprofil, das alle verfügbaren Stücke enthält – weder für Jeff Hardy noch für seine Band PeroxWhy?Gen. Angaben über Label, Mitwirkende, Musiker, Songwriter und weiteres muss man sich sehr mühsam zusammenkratzen, oftmals stimmen die Informationen nicht oder sind nicht vollständig, teilweise widersprüchlich. Auf Spotify gibt es drei verschiedene Profile, die man einfach mal verknüpfen müsste, bei keinem ist eine kurze Band- oder Künstlerinfo hinterlegt. Social Media Accounts gibt es, die werden allerdings so schlecht gepflegt, dass sie keine Wirkung haben. Bei 1,3 Millionen Followern auf Instagram lädt man nicht einmal einen Flyer oder ein kurzes Video mit der Ankündigung der Konzerte Mitte März 2021 hoch. Das Verrückte: Jeff hat Videos erstellt, in denen er die vier Termine ankündigt, hochgeladen wurden sie allerdings nicht in seinen Profilen. Warum? Immerhin stellt ein wenige Tage später kurze verwackelte Handyvideos auf Instagram, dafür muss man ihn ja mal loben. Auch wenn der gute Mann wenig von solchen Dingen hält, er schadet sich damit selbst. Kunst muss gehört und gesehen werden, sie muss nach außen getragen und erfahrbar gemacht werden. Man steht doch zu dem, was man da kreiert und es ist schade, dass Jeff immer nur der Wrestler ist, der nebenbei irgendwelche Kunst erschafft – hierauf komme ich später noch einmal zurück. Jeff Hardy ist viel mehr – und ich gehe sogar so weit, dass er mit seiner Malerei und seiner Musik einen eigenen Stil erfunden hat, den Hardyismus. Also trage das verdammt noch mal in die Welt raus, außerhalb des Wrestlings, werde Dir bewusst, welche Talente in Dir schlummern und was und wen Du damit erreichen kannst, Jeff!

2012 erscheint eine EP mit neun Songs unter dem Titel Similar Creatures. Es gibt keinerlei Information darüber, was man findet, geht weit auseinander. Label, Veröffentlichungsdatum und sogar die Mitwirkenden sind unklar. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Sammlung diverser Entrance Songs, unter denen Hardy in seinen TNA-Zeiten eingelaufen ist. Problematisch dabei ist, wer singt, wer die Lyrics und die Musik geschrieben hat und wann diese Songs den Einzug des Wrestlers untermalten, denn auch hier gehen die Meinungen im World Wide Web weit auseinander. Die CD selbst beinhaltet neun Songs, das Booklet ist schwarz, ohne Informationen, dafür mit 16 verschiedenen Facepaints des Wrestlers. Kann man doch eine CD finden, steht neben dem Barcode als einzige Information „Manufactured by Amazon.com“. Anderweitig kann man ein Label finden, nämlich TNAKO, was insofern Sinn macht, als dass die Songs allesamt als Entrancemusik während Hardys TNA-Zeit gedient haben und das Label vermutlich als Produzent in Person von Dale Oliver fungiert hat und auch die Rechte an den Songs hat. Ob die TNAKO allerdings wirklich die CD auf den Markt gebracht hat, bleibt unklar. Erscheinungsdatum zwischen 2011 und 2013, wir versteifen uns mal auf 2012, früher auf gar keinen Fall, da der erste Song ein Remix aus genau diesem Jahr ist. „Modest“ war mal so ein Einzugslied von Hardy, 2004 bis 2006 und später noch einmal, 2010 bis etwa 2012, auch hier gibt es widersprüchliche Angaben. Der Song wird Hardy oder auch PeroyWhy?Gen zugeschrieben. Glaubt man dem offiziellen TNA Music Account auf YouTube, stimmt die letzte Information sogar. Demnach singt Hardy die Originalversion von 2004 und den Remix von 2012 selbst. Das Original ist eine schwache Elektroversion, die ich nicht mal als Eingangsnummer sonderlich spannend finde, hört man den ganzen Song, ist er total langweilig. Der Remix hingegen ist etwas rockiger, hat mehr Power, aber gut ist halt auch was anderes. „Another me“ soll ebenfalls aus seiner Feder stammen, die Aufnahme ist – wie alle anderen auch – zusammen mit Dale Oliver entstanden. Der Song unterstrich den Eingang des Wrestlers 2011. Diese Nummern werden ja immer nur angespielt, nie komplett ausgespielt, daher muss eigentlich der Anfang richtig reinbrettern. Wenn man sich Jeff Hardy vorstellt, der eigentlich immer einen sehr agilen Auftritt hinlegt, passt das Lied nicht. Und sorry, aber kein Mensch hört dabei auf den Text. Hatte ich erwähnt, dass es bei „Modest“ um Bescheidenheit geht und den Weg, den Hardy bis dato zurückgelegt hat? Kriegt man nicht so mit. „Another me“, ist da der Name Programm? Übrigens gibt es in der letzten Minute etwas mehr Power, aber die Gitarren reißen es da auch nicht mehr raus. Das Lied soll aber den neuen Jeff Hardy beschreiben, der dankbar ist für seine zurückerlangte Gesundheit und den Weg, den er hinter sich halt. Etwas platt, hätte man da nicht mehr Wums reinschmeißen können? 2011 kommt die nächste Nummer von PeroxWhy?Gen, „Resurrected“. Für jemanden, der Pearl Jam und Marilyn Manson hört oder die Musik von Burnside6 gemacht hat, ist das schlecht. Einfach nur schlecht. Man sollte sich diese Entrancesongs niemals ganz anhören, außer sie wurden für TripleH geschrieben – das machte nämlich Motörhead und die Nummern sind geil. Aber „Resurrected“ hat eigentlich einen ziemlich wichtigen Sinn: One more shot! Hardy bittet hier nach Victory Road um eine neue Chance. Insofern sind die Lyrics wichtig und aussagekräftig. „Similar Creatures“ gab es auch auf Single – die anderen Songs irgendwie auch oder zumindest noch auf anderen Samplern. Angeblich war der Song 2013 die Entrance Musik. Ist ganz nett, hat ein bisschen Kraft, kann was, aber gut ist auch was anderes. Es ist langweilig – und das ist schon der vierte Song! Der Gesang ist gleich, immer leicht verzerrt, immer gleichbleibend einschläfernd. Da möchte man Hardy schon mal packen, wie es einst TripleH tat, und ihm eine schallende Ohrfeige geben und schreien: Geh doch mal aus Dir raus! Lassen wir das. „Soul tied in a knot“. Der Titel ist schon sehr philosophisch. Es kommt auch recht schnell ein schönes Gitarrenriff rein – und dann singt halt der Hardy wieder, kann man machen, kann man auch lassen. Doch textlich wird es gut. Es geht darum, dass das lyrische Ich mehr sein und sehen, neugierig bleiben will. Das hier ist ein typischer Hardy-Song, der sich aber nur entfaltet, wenn man den Text kennt. Wäre an sich ein sehr schönes Gedicht. „Humanomoly“ ist ein Kunstwort und Zungenbrecher. Eine ganz typische PeroxWhy?Gen Nummer und die erste, die mir auf dem Sampler wirklich gefällt. Netter Text, der auch viel Raum für Interpretation lässt, zwischendurch wird es mal etwas härter. Darauf kann man aufbauen, aber besser wird die Scheibe nicht dadurch. Angeblich wurde das Lied niemals verwendet. „Enshrine“ beginnt mit gesprochenem Wort, das wird man später ab und an als Stilmittel in Songs von Hardy hören. Die Strophe ist eine Katastrophe, fast schon möchte ich von einer Kakophonie sprechen, das wird erst besser, wenn man sich die Nummer drei-, viermal angehört hat. Aber was wird hier eigentlich besungen, wer? Ein Liebeslied an die viel zu früh verstorbene Mutter? Es würde passen und stimmt traurig, wenn aufgezählt wird, was alles vermisst wird, alltägliche Dinge wie die Stimme, die personeneigenen Geräusche, der Herzschlag. Doch dann wird schnell klar, es könnte auch eine Liebeserklärung an die TNA sein, die den gefallenen Engel nicht verstoßen hat, ihm Kraft gab, ihm neue Inspiration verlieh. Wieder einmal ist der Text um Längen besser als die Musik. „Reptilian“ ist ebenfalls ein ungenutzter Entrancesong. Beschreibt einmal mehr den harten und dunklen Weg, den Hardy hinter sich hat. Irgendwann kommt ein pseudoschweres Instrumentalstück mit nettem Gitarrenpart, aber auch hier fehlt es – vor allem an Biss. Aber hier wird das deutlich, was der Wrestler später immer sagen wird: Er bereut nichts – und das ist nach diesem Lebensweg wohl sehr wichtig. Die letzte Nummer noch einmal „Similar Creatures“, allerdings leicht verändert. Macht’s aber auch nicht mehr besser. Eine schwierige Scheibe, zu gleich, zu lahm, zu langweilig, nichtssagend. Die Songs leben von Erinnerungen an Matches, die man vielleicht nicht mal gesehen hat, an Gefühle, die nur Hardy selber verspürt hat. Sie sind zu gleich, der Gesang ist mittelmäßig bis schlecht, immer dieses Verzerrte, elektronisch Bearbeitete, das man gar nicht will. Kein Song zieht wirklich mit und lässt einen mal ausrasten. Das ist doch nicht der Wrestler mit seinen halsbrecherischen Sprüngen, mit den krassen Kämpfen, mit der Leidenschaft und dem Selbstvertrauen eines Monsters im Ring. Keine Musik zum Anhören und jegliche Anstrengung, an die Scheibe zu kommen, lohnt sich nur, wenn man das Geld wirklich übrig hat und ein großer Jeff Hardy Fan ist. Ansonsten einfach mal auf YouTube anhören, bestenfalls lieber ein Match anschauen, davon hat man mehr. Denn genau das ist es eigentlich, wovon jeder einzelne Song lebt. Vom Hardy-Einzug in die Halle. Er erscheint mit neuem Facepaint oder auch mal ohne, tanzt, klatscht die Fans ab, schreitet zum Ring, da ist Stimmung, da ist diese Aufregung und Nervosität vor dem Fight, das Aufgeheizte, die Anspannung, der Song ist da, aber er steht im Hintergrund, er begleitet eher leise den Einzug – genau dann wirkt der Song, genau diese ersten Takte sind entscheidend, wenn sie angespielt werden, weiß man, wer da kommt, dann geht der Jubel los, dann kommt Jeff Hardy, dann interessiert der Song nicht mehr und auf den Text hört auch niemand. Und genau dann – und nur dann – machen diese Lieder und macht diese Scheibe Sinn. Ein kleines Aber gibt es dennoch: Die Lyrics sind teilweise richtig gut und auf die sollte man mehr Wert legen als auf den Rest in diesem Fall. Einfach mal raussuchen, lesen und sich anschauen, wo Hardy zum Zeitpunkt des Songs in seiner Karriere stand.
Bewertung: 2/5 (Musik: 1/5; Lyrics: 3/5)

2013 kommt das erste Mini-Album auf den Markt. Plurality of Worlds von Jeff Hardy. Junior Merrill ist nur als „guest starring“ angegeben und das wirft Fragen auf. Seit über zehn Jahren machen die beiden Musik, haben eine Band – PeroxWhy?Gen -, die seit dem Ausstieg von Shannon Moore nur aus ihnen beiden besteht, die Songs sind von beiden geschrieben, Junior darf eine Danksagung loswerden im Booklet, das voll von „PWG“ oder dem Bandlogo ist. Warum also hat man die Scheibe nicht unter PeroxWhy?Gen rausgebracht. Möglicherweise hat das was mit dem Label zu tun, TNA Knockout Music, eben jenes TNA-eigene Label, das für die ganzen Entrancesongs von Hardy verantwortlich ist und mittlerweile aufgelöst wurde. Das Cover ist schwarz-silber, die Hauptfarben des Albums, ein Bild von Hardy hinter dem Bandlogo, auf dem er aussieht wie irgendwas zwischen 16 und 24 – das Bild ist allerdings für die damalige Zeit aktuell, erkennbar an den Eartunnels (anhand derer man übrigens Bilder von Jeff sehr gut datieren kann). Wie sich das für ein schönes Booklet gehört, sind die Lyrics abgedruckt, aber nicht irgendwie abgetippt, sondern handschriftlich von Hardy inklusive kleiner Zeichnungen und künstlerischer Elemente kreiert – überall wird PeroxWhy?Gen erwähnt. Die Zeichnungen sollte man sich genauer anschauen, sich Zeit dafür nehmen, vielleicht, wenn man die Songs dazu hört. Da steckt viel drin, was man auf den ersten Blick gar nicht sieht. Interessant ist das immer wieder auftauchende Geburtsjahr: „1977 – ?“ Hardy ist sich seiner Sterblichkeit deutlich bewusst, fast scheint es, als würde er manchmal darauf warten, um von seiner Mutter umarmt zu werden, aber da sind ja noch Beth und die Mädchen. Um gleich mal alle Spannung vorweg zu nehmen: Die CD bekommt man genauso schwer wie die anderen – seltsamerweise bekommt man sie aber auch kaum in digitaler Form. Findet man sie doch, muss man tiefer in die Tasche greifen. Eine Danksagung gibt es auch – und die ist seltsam. Was erwartet man? Klar, Hardy dankt seinen Eltern, seiner Frau, seiner Familie, ein paar Freunden, den Mitstreitern – könnte man meinen, ist auch so, mit einer Ausnahme: Matt Hardy wird mit keinem Wort erwähnt. Das erscheint 2013 seltsam, heutzutage gibt es zwar Gerüchte, die Brüder würden sich nicht mehr ganz so nahe stehen, 2013 schien das aber noch anders zu sein, wenn man mal von möglichen Differenzen bezüglich des Missbrauchs von Drogen absieht, in dem sich aber beide in recht wenig nachstehen. Kurz und gut, die Musik. Beim ersten Anhören haben sich meine Zehennägel teilweise ein bisschen aufgerollt, das vernichtende Urteil hieß: Die Kids haben Instrumente zu Weihnachten bekommen und nehmen ihre Songs selbst auf – und sollten das noch eine ganze Weile im Keller ohne Publikum tun, auch wenn Potential da ist. Ich gebe jedem, der sich an Hardys Musik heranwagt, einen sehr guten Tipp: Hört euch die Songs zweimal, dreimal an, beim ersten Mal wirkt der Stoff so gut wie nie. Zugegeben, ich Vinylkind habe keinen CD-Player mehr und muss auf mein Laptop zurückgreifen, das natürlich etwas begrenzt ist in der Soundqualität, daher Kopfhörer für Feinheiten, das macht auch was aus.

Der erste Song „Envelope“ lässt einen sehr an die Bloodhound Gang denken, der Gesang erinnerte mich sofort an Evil Jared. Langsame Nummer, bricht nicht aus, so gefällig und dahingesungen, dahingespielt, das kann man machen, aber das ist eher so eine Zwischengeschichte. Der Text jedoch spricht davon, dass es dem Lyrischen Ich – sorry, bei Hardy fällt es sehr schwer und ist es vermutlich auch total falsch, davon auszugehen, dass es nicht autobiografisch ist – nun besser geht und ein Brief ihm sehr geholfen hat. Wir wissen, dass Beth ihm deutlich die Meinung gesagt haben muss, damit er von den Drogen die Finger lässt, vielleicht gab es da auch diesen Brief, der heute sicherlich etwas zerfleddert an einem besonderen Ort liegt und immer noch Liebe und Kraft ausstrahlt. „Anxious“ beschreibt vermutlich ebenfalls den Weg Hardys durch die Abhängigkeit mit einer sehr schönen Botschaft gegen Ende, dass wir alle mal ängstlich sind. Das Lyrische Ich könnte sowohl die Sucht sein, als auch ein Dämon, der ein bisschen mehr umfasst, diese Sucht, die Gefühle, der wild tanzt und das Lyrische Ich mitzieht, der weint und das Ich genauso zum Weinen bringt, der Angst macht, weil er immer da ist, dunkel und unberechenbar. Nächster Song, „Reveal“, Gitarrenintro. Mann, das ist depressiv und der Text macht es ja nicht fröhlicher. Da geht es genau um diese Emotionen, Stunden fühlen sich wie Tage an, Fröhlichkeit scheint unerreichbar fern zu sein, das kennt jeder Depressive. Die Wende kommt nur textlich, es hat Worte gegeben, die Aufschwung gaben, die aus der Dunkelheit herauszogen. Die Zeichnung hat etwas von einem Grabkreuz, Hardy in der Mitte, Blumen und Bäume im Hintergrund. Ehrlich gesagt kann man sich den Song nicht anhören, wenn man gerade ein bisschen niedergeschlagen ist, da kämpft man schon mit den Tränen. Weitermachen. „Every other day“ singt er immer noch gerne. Irgendwo auf Instagram habe ich eine Version gefunden, wo er a capella ziemlich nachdrücklich genau diesen Song singt. Die Studioversion bringt zum ersten Mal etwas Power und Schnelligkeit. Was soll ich sagen? Die Nummer ist gut, die zieht mit, die singt man schnell mit, sie ist repetitiv, man wippt mit, da bekommt man Aufschwung, jetzt geht es los, jetzt passiert was, aufstehen, Krone richten – oder scheiß auf die Krone, Hauptsache es geht los – und anpacken. Da will man auch gar nicht mehr viel interpretieren von wegen: Die Sucht ist überwunden, jetzt ist Hardy klar und erlebt endlich mit, was um ihn herum passiert, schließlich hat er so vieles verpasst. Verpassen ist ein gutes Stichwort, denn „Apparent“ berichtet auch ein bisschen von dem, was man verpasst, wenn man sich heillos besäuft. Moment, Mr. Hardy, wann haben Sie diesen Text geschrieben? 2013 erscheint er auf einer Platte und Sie haben 2018 ein Alkoholproblem? F***! Diese Tatsache macht Hardys Suchtkarriere noch etwas tragischer. Um ehrlich zu sein, tut es ein bisschen weh, diese Erkenntnis zu hören und dann zu wissen, dass er einige Jahre später genau dort ist. Der Song ist gut, beschreibt diese Routine und wenn man anfängt, darüber nachzudenken, trinkt man lieber noch einen. Gegen Ende wird es musikalisch grob, ein starker Chor singt den Refrain. Ich möchte diesen einen Song live hören auf einem großen Festival mit ein paar tausend Leuten, die diesen Refrain singen, wenn die Musik verstummt – und ich schwöre, das ist Gänsehaut- und Tränengarantie. Das ist der Stoff, aus dem die unvergesslichen Festivalmomente sind! Schnell weiter, denn ich hab schon wieder Tränen in den Augen. „Indigo“. Da geht es um fehlendes Selbstwertgefühl. Gesanglich eher schwach, das bringt er nicht so rüber. Textlich weiß jeder mit angekratztem Selbstwertgefühl, zerfressen von Selbstzweifeln, wie sich das anfühlt und dass genau dieses Gefühl ziemlich gut beschrieben wird. „Blue Tomorrow“ hat zu einer kleinen Diskussion geführt. Ich bin der Meinung, dass der Anfang deutlich von einem älteren Song übernommen wurde, muss mich da aber eines Besseres belehren lassen und darf das nicht so eng sehen. Egal, er ist gut, das ist ja die Hauptsache. Hier wird den Depressionen der Kampf angesagt. Wäre vielleicht besser gewesen, wenn es ein bisschen aggressiver geschehen wäre, aber jeder Depressive weiß, dass genau das hier die Stimmung und die Power ist, die man dann hat. Am Ende gibt es einen (zu) kurzen, guten instrumentellen Part. „None of a kind“ – wir sind wieder bei Selbstzweifeln, die den armen Kerl zerfressen haben müssen über Jahre, vielleicht sein ganzes Leben lang bis in die 2010er Jahre hinein. Es ist, als würde er sich selbst Mut machen, dass er einzigartig ist, gerade weil er anders ist, dass er so, wie er ist, gut ist. Ganz ehrlich, man möchte Hardy hier nur in den Arm nehmen, um ihn genau das zu sagen und zu zeigen: Du bist genug, Du warst immer genug und Du bist total perfekt, so wie Du bist. Ich lehne mich weit aus dem Fenster, aber hier fehlt die Mutter, die einfach mal bedingungslos den Sohn annimmt und ihm genau das sagt und spüren lässt. Väter drücken das gar nicht oder ganz anders aus und das mag für den sensiblen Jeff nicht ausgereicht haben. „Time & Fade“ wirft die interessante Frage auf, an wen es gerichtet ist. Jedenfalls schließt Jeff hier mit jemandem ab, der ihm nicht gut tut, der immer noch auf dem falschen Weg ist und daran nichts Schlimmes erkennt. Aufgrund der fehlenden Danksagung im Booklet, drängt sich der Gedanke an Matt auf, der hatte so ca. 2011 / 2012 seine bekannten Drogenprobleme, das könnte passen. Weiterhin könnte man in die Bookletzeichnung hineininterpretieren, welche Bedeutung „12:24 pwmo“ hat, die 12 ist klar, der Rest nicht ganz. Könnte sich aber auch an Jugendfreund und den langjährigen Weggefährten Shannon Moore richten, der jahrelang mit Drogenproblemen zu kämpfen hatte. Die Nummer an sich erinnert an bisschen an die Red Hot Chili Peppers, bricht aber auch nicht aus. Der letzte Song, „Explanation“ – ist genau das. Eine Erklärung, der Mann möchte, dass man ihm zuhört und versteht, was er zu sagen hat. Theoretisch könnte der Text aus dem Jahr 2004 oder 2005 stammen und darum bitten, dass man ihm glaubt, ihm etwas zutraut, ihn mehr bei TNA einsetzt, wo er damals nach dem Rauswurf aus der WWE unter Vertrag stand. Aber der Text passt ähnlich auch in das 2011, in die zweite Jahreshälfte nach dem desaströsen Auftritt bei Victory Road.

Puh, das Debutalbum ist zu Ende. Schwere Kost. Musikalisch keine Glanzleistung, Merrill hat daran mitgearbeitet, stellt sich aber sehr in den Hintergrund, ein Begleitmusiker, was ein bisschen schade ist, weil er doch erheblich mehr kann – andererseits ist auch gerade das eine Kunst, sich selbst zurückzunehmen und zu begleiten. Es ist ein depressives Album, den Abschluss einer schweren Zeit markierend, zu Tränen rührend. Man muss die Texte kennen, man muss sie verstehen, sie fühlen – und es hilft ungemein, wenn man ein bisschen die Geschichte von Jeff Hardy kennt und damit die Intention dahinter. Vieles kann man auf sich und sein Leben beziehen, für sich annehmen, es ist eine gesungene Therapie, teilweise schon eine Form der Lebensbeichte. Und ein bisschen hat man ein schlechtes Gewissen, als hätte man sich das Tagebuch des Sängers geklaut und heimlich darin geblättert und gelesen. Nach dem ersten mal Hören – obwohl ich Hardys Geschichte kenne – fand ich das Album schlecht. Nach dem zweiten, sehr intensiven Hören, hat es mich echt mitgenommen. Es ist nicht nur Musik, nur ein Album, nur Texte, die dafür geschrieben wurden. Hardy vertont seine Notizen, seine Tagebucheinträge und das rührt zu Tränen. Man kann seine Verzweiflung, seine Zweifel und Ängste spüren, den Mut, die Hoffnung, das Flehen darin. Davon lebt dieses Album und daher fällt die Bewertung auch besser aus:
3,5 / 5 (Musik: 2/5; Lyrics: 5/5)

Zwei Jahre später, also 2015, erschien das erste Album, auf dem auch der Bandname steht: Jeff Hardy & PeroxWhy?GenWithin the Cygnus Rift. Obwohl die physische CD über eine bestimmte Website vertrieben werden sollte, funktioniert diese nicht, wie wir bereits erwähnt haben, die CD ist auch kaum zu finden. Nach langer Suche habe ich endlich eine in den USA gefunden, teuer und mit langer Versandzeit. Man darf sich auch nicht verwirren lassen vom Label oder von den Angaben auf der physischen CD. Oliver Twist Music existiert anscheinend seit 2017 nicht mehr, zumindest wurde die Facebookseite gelöscht und aus diesem Jahr stammt die letzte Aktualisierung auf der Website, die mittlerweile auch nur noch als Unterdomain zu finden ist. Dale Oliver soll immer noch die Musik für Impact Wrestling machen und in zwei Bands aktiv sein, aber man findet kaum Informationen über ihn oder das Label. Es gibt aber eine digitale Version der Scheibe. Der Titel lässt viele Mutmaßungen zu. Cygnus ist Lateinisch und steht für den Schwan, das gleichnamige Sternbild und für einige Personen in der griechischen Mythologie. Außerdem gibt es im Sternbild des Schwans ein schwarzes Loch, Cygnus X-1 und es ist auch die Bezeichnung für einen Raumtransporter zur ISS. Gehen wir kurz auf die griechische Mythologie ein. Hier wird vom Gott Zeus die Gestalt des Schwanes angenommen, um Frauen zu becircen. Beim Dichter Ovid ist Cygnus ein ebenfalls unverwundbarer Mensch, der im trojanischen Krieg eine Rolle spielte und von Achilles ermordet wurde, woraufhin der Tote die Gestalt eines Schwanes mit Hilfe des Meergottes Neptun (sein Vater) annahm. Cygnus ist auch einer der Stymphalischen Vögel, wobei man davon ausgeht, dass es sich nicht um Vögel, sondern um Frauen handelte, die im Artemistempel mit Vogelfüßen dargestellt wurden. Interessant ist allerdings noch eine andere Sage aus der griechischen Mythologie: Der Halbgott Phaeton. Dieser war Sohn des Sonnengottes Helios und borgte sich gerne – wie Teenies das so tun – den Sonnenwagen seines Vaters aus, um damit übermütig über den Himmel zu kutschieren. Es passierte, was heutzutage ebenfalls passiert, der Junge verlor die Kontrolle über den Wagen und die Welt drohte zu verbrennen. Diese Geschichte wurde gerne dazu verwendet, schwarze Hautfarbe zu begründen. Phaeton musste bestraft werden, Zeus tötet ihn mit einem Blitz, die Leiche stürzt in einen Fluss und sein bester Freund Kyknos ist zutiefst betrübt über den Tod und wanderte seitdem am Ufer des Flusses entlang – bis er schließlich in der Gestalt eines Schwanes an den Himmel gesetzt wurde. Schöne Geschichten, viele lassen sich auf Hardy ummünzen; ich vermute stark, dass der Titel etwas mit einem Riss im Sternbild zu tun hat – man kann davon ausgehen, dass der naturverbundene Wrestler Sternbilder kennt.

Das Album beginnt mit ganz schwerer Kost. Elektronisch verzerrt mit sphärischen Klängen im Hintergrund erzählt Jeff von einem alten Mann, der immer noch auf der Erde wandelt und nichts mehr vermisst als seine verstorbene Frau, mit der er hofft, nach seinem Tod wieder vereint zu sein. Der alte Mann stirbt schließlich, findet zwar keinen Gott, an den er immer geglaubt hatte, aber seine Frau. Das ist die Story. Wenn man das Stück hört, sieht man allerdings den Film dazu: Gilbert Hardy auf einer Veranda in einem Schaukelstuhl, alt, verhärmt, die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepresst, die Augenbrauen wie in Wut zusammengezogen, der Blick traurig, sehnsüchtig, fast leer. Die Mutter seiner Söhne vermissend, wartet er auf den Tag, an dem er wieder mit ihr vereint sein kann – und Jeff steht etwas abseits und beobachtet seinen Vater und schreibt diese Worte, nimmt den Hörer mit in diese Szene, Streicher setzen kurz ein, danach zirpen Grillen, der Blick richtet sich gegen den Nachthimmel – zum Sternbild des Schwans? Ich skippe diese Nummer immer, weil die richtig, richtig wehtut. Es ist beeindruckend, wie Hardy dieses Bild einfängt und erzählt. Ganz große Kunst! „Submission“ ist dann der erste richtige Song. Textlich rückt der Vater seinem Sohn mal den Kopf zurecht und sagt ihm, dass er kein Recht dazu hat, seinen Lieben den ganzen Mist anzutun und alles wegzuschmeißen, was er haben könnte – und dass er manches verpasst hat. Musikalisch ist der Beginn wie ein Marsch, die stampfenden Schritte eines strengen Vaters, der richtend vor seinem Gegenüber steht. Mehr Härte, gute Gitarre, keine Hookline, aber nicht schlecht. „Obtuse“ mag ich ja. Das haut mal richtig rein, schnellere Nummer, ein bisschen aggressiver, Gitarre, Bass, Schlagzeug, dazu steht man auch mal headbangend in der Küche. Eine Kampfansage an die Stumpfsinnigkeit, die Sucht, all die Dämonen, die Besitz ergriffen hatten und nun bekämpft werden, um den Liebsten, die man belogen hatte, nicht weiter wehzutun. Könnte aus der Zeit der Rehabilitation stammen und könnte ein bisschen zeigen, was Beth alles ausgehalten hat. Vom Sound her könnte es bitte mehr solcher Nummern geben – und sie zeigt ein bisschen den Unterschied zwischen Jeff Hardy solo und PeroxWhy?Gen, denn härtere Sachen gibt es beim Soloscheiben nicht. Was Hardy richtig kann, sind Liebeslieder. Mag daran liegen, dass er sie für die Liebe seines Lebens schreibt und man Liebe nur versteht, wenn man einmal so geliebt hat, wie er seine Beth. „Presence“ ist eines dieser Liebeslieder, wunderbar allumfassend, ihre Anwesenheit als Heilmittel beschreibend und sich am Ende bewusst sein, dass es Worte sind, die doch dieser Liebe niemals gerecht werden können. Wie erbarmungslos und bedingungslos Hardy liebt, wird man an mehreren Stellen noch hören können. Gegen Ende wird dieser Song weit, anders kann ich es gar nicht beschreiben, er wird hell und laut, würde in einem Film über die Schlussszene passen, wenn die Liebenden sich in den Armen halten und den Sonnenuntergang über dem Meer an einer Klippe stehend betrachten. Vielleicht abgedroschen, aber einfach wunderschön. Kleiner Tipp: Wenn ihr einen Heiratsantrag machen wollt, das ist euer Song, das sind eure Worte! Wenn Du den Song hörst, nimmst Du Dein Handy in die Hand und schreibst Deinem Liebsten, dass Du ihn liebst, wenn Du ihn gerade nicht in den Arm nehmen kannst. Ein dunkles Kapitel wird in „Rebelyes“ angeschnitten: Die Hausdurchsuchung 2009. Hardy bittet ein bisschen um Vergebung, singt sehr gefasst davon, dass er stur war, Fehler gemacht hat, sich nicht helfen lassen wollte, rebellisch war und verloren für Jahre, mit der Reue muss er selber klarkommen – und Reue ist ein fieser Dämon. Auch eine ruhige Nummer. Es gibt einen instrumentalen Part, gitarrenlastig, der passt nicht so rein, wirkt fremd und komisch. Danach kommt eine düstere Nummer, den Sound finde ich ganz gut, passend. „Metalbed“ ist eindeutig geschrieben worden, als Hardy im Gefängnis war – oder in Erinnerung daran kurz danach. Beginnend mit „Locked away in a human hell, the cell“ gibt es einen krassen Einstieg, der die Härte spürbar macht, gefolgt von „Missing home on a metal bed, this bed“. Selbst die ganz harten Kerle werden im Knast weich, die erste Nacht ist die schlimmste, wenn es still wird, die Türe geschlossen sind und dieses harte, kalte Bett unter einem liegt, vermisst man alles, das Zuhause, geliebte Menschen, eine Umarmung, ein bisschen Wärme. Nachts, wenn sich die Zellentüren schließen, ist man alleine mit sich und seinen Dämonen, dann tanzen sie, dann wird klar, wo man ist, eingesperrt, alleine, es ist kalt, innen und außen – und dann hört man das Weinen. Hardy ist emotional und sensibel, es müssen furchtbare zehn Tage für ihn gewesen sein und mit Sicherheit ist noch ganz andere Emoetry dazu entstanden. Theoretisch könnte man „Metalbed“ aber mit den ewig fremden Hotelbetten gleichsetzen, während der Wrestler 350 Tage im Jahr auf Tour ist – oder mit dem Leben selbst, aber das würde zu weit führen. Etwas schneller geht es in „Metaphors“ zur Sache. Die Power tut ganz gut, passt auch zum Text, der sich deutlich gegen die Sucht, die Dämonen stellt und sagt: Hey, ich bin nicht länger schwach, Du kannst mich nicht mehr kaputtmachen. „Scenario“ habe ich bisher immer auf die Geburt der ersten Tochter bezogen, weil bei mir nichts weiter hängengeblieben ist als: „Day in October, welcome you“. Nachdem ich jetzt den Text doch mal angeschaut habe, muss ich gestehen, ich habe mich verdammt geirrt und es geht wohl eher um den Tod der Mutter. Ein bisschen sehnsüchtig fast, den Himmel ebenfalls zu betreten. Entweder nimmt man die Nummer, die eine sehr einlullende Melodie hat, wie sie ist und genießt sie, oder man achtet auf den Text und lässt sich von diesem komischen Gefühl zwischen Abschiednehmen und Sehnsucht vereinnahmen. Danach geht es aber recht positiv weiter. „Obsolete“ ist ein Song, den Hardy immer singt, im Ring, auf Konzerten, irgendwo auf der Straße. Er ist besonders für den Wrestler, weil er einen Abschluss und einen Neubeginn markiert, weg mit dem Alten, mit allem, was beeinflusst und geschwächt hat und her mit dem Neuen. Es ist ein bisschen eine Umschreibung des Phoenix aus der Asche, eine Umschreibung des Weges aus der Sucht, die er nun hinter sich gelassen hat. Übrigens ist die Studioversion recht ruhig und tragend, fast schon zahm, wenn Hardy das Ding sonst singt, liegt mehr Kraft drin, mehr Ausdruck, mehr Stärke, mehr Nachdruck, einmal schreit er den Refrain fast in die Welt hinaus, zu sehen auf seinem Instagramaccount. Aber bei allem Guten kommt auch gleich wieder die Trauer. „Humansgone“ ist das Lied für eine Beerdigung – und bitte, seid ehrlich zu euch selbst, ihr habt auch Tränen in den Augen, wenn ihr ihn hört. Es könnte ein Cello sein, das beginnt und dann singt Jeff einfach mal vom Tod der Mutter, von diesem Menschen, der doch nie gesündigt hat, aber viel zu früh sterben musste, weil der Himmel das schon immer für sie vorgesehen hatte, so beeindruckt war er von ihr. Scheiße, klingt der Kerl da einsam und verletzt, und er kann das so gut rüberbringen, so intensiv singen, den Hörer so in seinen Schmerz hineinziehen. Da gehen mehrere Taschentücher drauf. Ich hasse diese Nummer für ihre Emotionalität und ihren Schmerz, und gleichzeitig halte ich sie für eine der besten von Hardy. Wenn es der letzte Song auf dem Album wäre, wäre das ein schöner Bogen zu „Reflection“. Aber das ist nicht so. Weiter geht es mit „Physicalelse“ [sic!]. Da kann man sich nun fragen, was war zuerst da, der Text, die Melodie, eine ferne Idee? Thematisch wieder in die Richtung gehend: Raus aus der Sucht, aus dem Tief, aus der Fremdbestimmtheit. Gesanglich mit kleinen Tricks, denn einfach mal runtersingen ist hier nicht. Künstlerische Pausen wurden eingearbeitet und das macht mal ziemlich Spaß. Trotzdem ist alles so tragend und schwer, so langsam und träge. „Distance“, wieder eine traurige Ballade, Vermissen, Tod und Krankheit ist nie fair – und auch wenn ich als Theologin sehr gut weiß, dass vor allem die katholische Kirche Krankheit als Strafe ansah, unterstütze ich diese Ansicht nicht. Krankheit ist nicht fair und hier wird deutlich, wie brutal sie eingreift und Liebende auseinanderreißt – und damit beginnt das Warten auf die Wiedervereinigung. Kurzzeitig flammt ein Bild im Kopf auf: Jeff steht in der Dunkelheit und blickt zu den Sternen, wartet auf ein Zeichen der Mutter, die ihn grüßt – und flüstert ihr zu: Wir sehen uns wieder. Und in diesem kurzen Moment ist die Entfernung zwischen beiden nicht mehr so unüberwindbar riesig.

Exkurs. Traut man einem Jeff Hardy zu, in (antiker) Philosophie belesen zu sein? Es gibt irgendwo ein Zitat, dass er nicht gerne liest, daher würde man sagen, schwere Kost nimmt er erst recht nicht in die Hand. Hat er aber eine gewachsene, tröstende, vielleicht inspiriert durch seelsorgerliche Gespräche und den Trostversuchen nach dem Tod der Mutter, eigene Vorstellung, die sich erstaunlich mit (antiker) Philosophie deckt? Der Gedanke kam deutlich auf bei „Distance“, wobei gerade das gesamte Within the Cygnus Rift Album den Verdacht bestärkt, aber auch andere Songs diesen untermauern. Hardy geht viel von Geistwesen aus, von einer Verbindung zwischen den Toten und den Lebenden – klar, mag man denken, was soll ein Kind, das seine Mutter vermisst, auch anderes fühlen? In Verbindung mit dem Titel des Albums und dem möglichen Hinweis auf das Sternbild des Schwans, kommt einem jedoch sofort Platon und schließlich Plotin in den Sinn. Zur kurzen Erläuterung: Bei Platon gibt es einen Demiurg, eine Art Gott, der als Handwerker und Baumeister des Kosmos fungiert. Aristoteles nennt ihn den Unbewegten Beweger. Beide gehen davon aus, dass er ein erhabenes Wesen ist, das nur das Bestmögliche erschafft, Marcion geht später in die gleiche Richtung und sieht ihn als Schöpfer und Ordner von Materie und Welt an, der allerdings unabhängig von dem guten Gott ist, den Christus angekündigt hatte. Gnostiker stehen dem Demiurg, den sie übrigens gar nicht mal komplett ablehnen, negativ gegenüber und verweisen auf das Übel in der Welt, auf die mangelhafte Schöpfung, die ja auch auf den Demiurg zurückgehen müsste, wenn er alles erschaffen hätte. Dieser Demiurg, um wieder zu Platon zurückzukehren, hat jeder Seele einen Stern und somit ein Fahrzeug zugeteilt, um den Kosmos zu erkunden. Eine andere Richtung geht davon aus, dass es extra Fahrzeuge sind, die den Seelen helfen auf die irdische Welt hinabzufahren. Daraus ergibt sich ein schönes Bild: Die menschliche Vernunftseele (ein wichtiger Begriff, denn Platon legt großen Wert auf die Vernunft) lenkt also den Wagen, der von zwei Pferden gezogen wird, die Platon mit dem Gemüt und der Begierde gleichsetzt. Beides muss der Wagenlenker im Zaum halten. Zu anderer Zeit setzte Herakleides Pontikos die Seele mit den Gestirnen gleich, sah sie also als eine Art Lichtwesen an, die am Sternenhimmel ihren festen Platz haben. Um den kurzen Ausflug in die Philosophie abzukürzen: In der neueren Theosophie und Anthroposophie verwendet man den Begriff Astralleib und stellt Platons Idee etwas vereinfachter dar. Dabei wird „astral“ vom lateinischen Wort für „sternenartig“, „astralis“ abgeleitet. Vergleicht man diese Philosophie mit Hardys Texten und Ansichten zu Verstorbenen, etwa der Gleichsetzung der Mutter mit einer Göttin, der tiefe Glaube an sie als fast schon omnipotente Existenz, der immer wieder erwähnten Verbindung zwischen Lebenden und Toten und der Kommunikation zwischen beiden Reichen, kann man bei Hardy von einer platonisch angelehnten Denkweise sprechen – was man einem einem Wrestler aus North Carolina vermutlich weniger zutraut, die Texte aber umso interessanter macht. Man könnte einige seiner Lyrics auf philosophische Spuren untersuchen, aber das hier ist ja keine Doktorarbeit und das Thema würde auch leider nicht angenommen werden.

Zurück zum Album. „Placate“ ist der letzte reguläre Song und schon ein rechtes Brett – das dann zwar etwas nachlässt in seiner Härte, aber doch ordentlich Power hat. Textlich sind wir wieder beim alten Thema, großartige Gedanken und Vorstellungen sind darin zu finden und diese untermauern ein bisschen den Exkurs zu Platon. Der Song endet mit „To Placate within the Cygnus rift“. Wenn man Placate mit einem Planeten, einem Stern gleichsetzt, der sich im Cygnus Riss befindet, den man wiederum mit dem schwarzen Loch im gleichnamigen Sternbild gleichsetzen könnte, wäre hier die ultimative Sehnsucht und das letzte Ziel, der Stern der Mutter und die Hoffnung auf eine letzte, endgültige Vereinigung mit ihr nach dem Ende des irdischen Daseins dargestellt. Krasse Nummer, die auch einen kleinen Bogen zum ersten Titel schlägt, denn irgendwie wollen doch der Vater und seine beiden Söhne nur eines: Zurück zur geliebten, verstorbenen Ruby Moore Hardy. Es folgen zwei EDM Remixes von „Distance“ und „Presence“, noch langsamer, noch schwerer.

Fazit? Puh, ganz schön harter Stoff, anstrengend, emotional, philosophisch, das Album legt man nicht auf und macht Party, das legt man auf und setzt sich hin, schweigt, hört zu, reflektiert das Leben und weint ein bisschen – vielleicht auch ein bisschen mehr. Hier stecken Philosophie und Schmerz drinnen, Trauer, Tod, eine gewisse Ruhe, Sanftheit, eine Depression, die man von PeroxWhy?Gen nicht ganz erwartet hätte – man ist aber vielleicht zu sehr verhaftet in der Vorstellung: Merrill ist bei Burnside6. Es ist keine Unterhaltungsmusik, es ist ernste Musik, seltsamerweise steckt doch Abwechslung darin und – was ich zu Beginn abgestritten hätte – sogar ein roter Faden. Es ist ein Bogen vom Vater über den Sohn zur Mutter hin, der hier geschlagen wird – eine leichte Abwandlung der biblischen Reihenfolge oder eine Analogie zur Trinität, also zu Gott Vater, Sohn und dem Heiligen Geist, der hier die Mutter ist. Die Betonung der Mutterfigur lässt sich in der Literatur auch bei Hermann Hesse finden, etwa in Goldmund und Narziss oder Demian. Klasse gemacht.
Bewertung: 3,75/5 (Musik: 2,5/5, Lyrics: 5/5)

Ende 2016 oder Anfang 2017, auch hier gehen die Meinungen auseinander, kam mit Spawn of me das zweite Solo-Album auf den Markt – vorausgesetzt man sieht Similar Creatures nicht als Soloalbum und Plurality of Worlds nicht als Bandalbum an. Darauf befindet sich mit der ersten Nummer „Bypass“ ein Song, der endlich mal richtig rockt. Schnell, hart, laut, den kann man aufdrehen und in diesem Stil hätte ich gerne viel mehr! Großartig finde ich den Refrain: „And here we go again, bypassing the troubles of our lives, and this is how we live to be“, da steckt viel drinnen. Guter Einstieg in die Scheibe und da kann man doch auch eine musikalische Entwicklung sehen. Zieht Hardy das durch? Auch „Equivalent“ ist ein bisschen härter und schneller als das, was man bisher von ihm kannte. Darin verbirgt sich ein ziemlich guter Instrumentalteil und man beginnt, mal nicht nur auf den Text zu achten – der es aber auch wert ist, gelesen zu werden. Ein bisschen erinnert er an das indianische Sprichwort: „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.“. Hier geht es mal wieder um Sucht, Lügen, Selbstbetrug und natürlich Rehabilitation. Man singt schnell mit, das ist gut, das ist Musik. Danach wird es irgendwie ernst, allerdings kann es auch sein, dass ich den Text komplett falsch interpretiere. „Irreversible“ dreht sich um Erinnerungen, Kurzzeitgedächtnis, Gehirnerschütterungen und die Hoffnung, dass Ärzte nichts übersehen. Es geht um C.T.E., chronisch-traumatische Enzephalopathie, eine typische Sportverletzung im Boxen, Rugby, MMA, die nach häufigen Schlägen auf den Kopf auftritt. Davor sind auch Wrestler nicht gefeit, die öfter mal eine Gehirnerschütterung wegstecken und gar nicht ernst nehmen. Unter anderem Chris Benoit ist hier ein bekanntes Opfer. Gibt Hardy hier zu, Angst zu haben, die Gefahren einer Kopfverletzung, die ihn geistig beeinträchtigt wirklich scheut? Das klingt nur seltsam, wenn man ihn als Wrestler kennt und weiß, dass er von sämtlichen Traversen, Trucks und ähnlichem gesprungen ist, Stühle auf den Schädel bekommen hat, mit dem Kopf in Reißzwecken gelandet ist und nicht zuletzt 2020 bei einer missglückten Swanton Bomb mit dem Hinterkopf auf der Treppe aufschlug – danach hat er angegeben, er habe keine Gehirnerschütterung erlitten, was ihm niemand je geglaubt hat, Gerüchten zufolge war er dazu gedrängt worden, dies im Interview nach dem Match zu sagen. Der Song selbst hat Ohrwurmpotential, man singt sofort mit, ist ganz in diesem Rhythmus drinnen, eigentlich keine schlechte Nummer, wenn man nicht an den draufgängerischen Wrestler denkt. „Nefarious“ mal ordentlich ins Mikro zu, naja, brüllen nicht, aber doch mit Nachdruck reinzudonnern, das hat schon was. Übrigens brüllt Hardy nie, es gibt nur eine Handvoll Aufnahmen aus dem Ring, in denen er das mal tut, also um ehrlich zu sein, ich kenne gerade mal eine einzige. Die Lyrics könnte man ein bisschen auf das desaströse Main Event bei Victory Road 2011 beziehen, aber auch auf anderes. Es ist mal eine dunklere Nummer, die neben den elektronischen Elementen eine Art Nachdruck in sich birgt, wenn man das ein bisschen dunkler machen würde, könnte man fast eine nette Gothic-Nummer draus machen, was Hardy in eine ganz andere musikalische Richtung bringt. Beim folgenden „Oblivious“ ist interessant, dass man nirgends den kompletten Songtext findet. Nur die erste Strophe wird erwähnt und der erste Refrain. Das ist schade, denn der Song birgt da doch noch etwas mehr. Als Wrestlingfan denkt man kurz an Nexus, einer Gruppierung, die zwischen 2010 und 2011 auftrat, aber nichts mit Hardy zu tun hatte, der zu dieser Zeit kein Teil der WWE war und auch irgendwie andere Probleme hatte. Nein, es geht um etwas anderes und man kann hier wieder viel über den Begriff Nexus philosophieren, ihn teleologisch betrachten oder ihn als den Nexus ansehen, der ein Zusammenhang innerer Beziehungen von Ereignissen ist. Schwierig. Damit kann es sowohl auf eine Liebesbeziehung hinauslaufen oder reflektierend gemeint sein. Beides würde passen. Damit sind wir mal wieder bei den Lyrics, die ein so starkes Gewicht haben, dass man sie verschieden betrachten kann und ihnen unbedingt Raum und Zeit geben muss. Musikalisch ebenfalls nicht ganz uninteressant, bricht man zwar nicht aus, hat aber so eine Art Hamsterradrhythmus, der sich gemächlich immer weiter dreht, zwischendurch nettes Gitarrensolo. Keine schlechte Nummer. Den Abschluss bildet ein wunderschöner Song, der nicht nur Neras Geburt beschreibt, sondern auch die Begeisterung der großen Schwester, das Glück der Eltern, den Schwur des Vaters, den Nachwuchs mit seinem Leben zu beschützen. Jeff entschuldigt sich bei seiner Familie für seine Verfehlungen, die vergeudete Zeit, die Respektlosigkeit. Jetzt wird alles gut, jetzt wird er die Welt wieder in den Griff kriegen, mit Neras Geburt ändert sich alles. Es ist ein toller Song, den Eltern nachfühlen können. Ich spiele trotzdem mal das Arschloch: Gehalten hat dieses Versprechen nicht so lang, denn der Alkohol kam ja dann doch wieder und führte Jeff kurzzeitig auf falsche Pfade. Enttäuschend? Nein, denn eigentlich macht es nur deutlich, wie stark die Liebe und der Halt in der Familie sein kann – und in Hardys eigener Familie ist -, denn wenn einer stolpert, strauchelt, fällt, dann sind die anderen da und reichen die helfende Hand, heben ihn auf, stützen ihn ein Stück weit und verzeihen ihm. Ende der EP, die zeigt, dass sich Hardy musikalisch weiterentwickelt, ein bisschen schneller wird, nicht mehr ganz so tragend und dumpf ist. Ziemlich gut geworden, ziemlich hörbar.
Bewertung: 3,5/5 (Musik: 3/5, Lyrics 4/5)

2017 erschien das zweite Album (je nach Rechnung) von PeroxWhy?GenPercession of the Equinoxes. Interessanter Titel, die Präzession der Äquinoktien – damit steigt man sehr in die Astronomie ein und findet auch mal wieder Platon. Ganz laienhaft und vereinfacht gesprochen, bewegt sich die Erde durch die Rotation über etwas weniger als 26.000 Jahre derart, dass nach Abschluss dieses Weltzyklus Anfangs- und Frühlingspunkt (Tierkreiszeichen und Frühlingspunkt) wieder exakt aufeinandertreffen. Man spricht vom Platonischen Jahr oder auch den zwölf platonischen Monaten, oder Weltmonaten, die etwa 2150 Jahre dauern und immer einem Tierkreiszeichen zugeordnet ist, nämlich dem Sternbild, in dem sich der Frühlingspunkt gerade befindet. Platon spricht in seinem Spätwerk Timaios davon, und in eben diesem Werk spricht er auch von der Seelenwanderung, über die wir bei „Distance“ gesprochen hatten. Hardy muss dieses Werk also kennen. Spannend, dass in beiden Studioalben von PeroxWhy?Gen ein Hinweis darauf vorzufinden ist. Das rückt das Projekt in ein ganz anderes Licht – und Hardy ebenfalls.

Mit „Sphere on Earth“ wendet Jeff das gleiche Stilmittel an, das er bereits beim ersten Bandalbum verwendet hat. Sprach er da über den Vater, spricht er nun über sich und seine Mutter und seine Tochter. Man muss ein bisschen nachsichtig sein, die 9 Jahre, die er anspricht, sind noch nicht eingetreten, Ruby ist 2010 geboren und hatte das Alter noch nicht erreicht, als die CD aufgenommen wurde. Aber es geht eher darum, dass die Kleine eine Art Reinkarnation der verstorbenen Mutter ist und es ist eine wundervolle Hommage an beide. „Revived“ baut ein Bild zweier Brüder auf, könnte allerdings auch anders gemeint sein. Da ich die Vorstellung der beiden Brüder so schön finde, die ihren Weg gemeinsam gehen, kämpfen, gemeinsam in der Erinnerung leben und gemeinsam vorangegangen, gestolpert sind und wiederbelebt wurden, bleibe ich da mal bei meiner eigenen Interpretation. Schöner Song, da ist ein treibender Rhythmus drinnen, man wird mitgezogen, singt auch mal mit, summt das auch mal vor sich hin. Das ist gut gemacht. Textlich steckt im langsamen „Occasion“ viel drinnen. Die Liebe zur Ehefrau, die begangenen Fehler, der Neubeginn, die Rettung, all das, was man schon kennt. Ein bisschen nachdenklich, reumütig, wissend, was er Beth angetan hat und dass sie trotzdem immer noch da ist. Musikalisch nichts Besonderes, aber irgendwie typisch Hardy. „Enigmatic“ scheint der Song an die Fans zu sein. Bleibt bei mir, lasst uns mal vergessen, was war, wenn ihr zu mir steht, dann kann ich weitermachen. Mit „Creatures“ werden ja schon lange die Hardyfans betitelt und es ist nur wichtig, dass er deren Herzen gewinnt. Tja, ich war bis jetzt so gemein, genau das nicht zu tun, genau diese Vergangenheit nicht ruhen zu lassen – und das wird bis zum Ende des Artikels so weitergehen, aber dafür gibt es einen Grund. Hier gibt es wieder einen etwas rockigeren Unterton, Softrock, aber immerhin. „Complacent“ bezeichnete Hardy selbst mal als seinen Lieblingssong auf der Scheibe, der dafür steht, was er durchgemacht hat. Eine recht helle Grundstimmung, keine dunklen Töne drinnen, sehr aufstrebend, als würde man ins Licht treten, hinaus in die Sonne, tief einatmend. Hier wird sehr deutlich, dass man sich musikalisch weiterentwickelt hat. Kann auf einem Popalbum sein, würde nicht negativ auffallen. Dann wird es wieder rockig und das ist so toll! Das ist eigentlich das, was man erwartet. „Otherwise“ ist mal wieder so eine Abrechnung mit dem Leben und den Fehlern und der Liebe, die dann gerettet hat. Ich würde hier ausnahmsweise mal nicht auf den Text gehen, sondern wirklich auf die Musik und das Gesamtbild. Die Nummer macht Laune, die ist gut, sowas will man hören, das zieht mit, das ist zwar nicht fetzig-schnell, aber ganz solide gemacht.

Diese digitalen Alben habe ich mir auf einen Stick gezogen, um sie im Auto hören zu können, dabei habe ich sie allesamt vermischt, eine ganz nette Erfahrung. Dabei bin ich immer bei „Silver Streets“ hängengeblieben. Ist das wirklich ein Song über Koks, Lines, das Kribbeln, die Suche nach dem Mehr, dem nächsten Kick? Übrigens empfehle ich nicht, Silver Streets zu googlen, da kommt man auf andere Dinge. Jedenfalls sind die Strophen ruhig und der Refrain ballert rein. Das ist eine gute Mischung und absolut stimmig, würde auch recht gut diesen Suchtdrang beschreiben. Hier drückt man gerne auf repeat, wäre auf jeden Fall ein Anspieltipp. „Unforgivable“ belegt sehr schön die Theorie, dass Hardy nur in seiner Komfortzone singt. Man singt schnell mit, der Refrain ist eingängig und die Melodie nicht schwer. Eigentlich ist da gar nichts Besonderes dran und doch bleibt man hängen, hört sich die Nummer auch gerne mehrfach an. Danach kommt der Lovesong schlechthin. „1 or 100“. Ein Lied, das die Anfänge der Liebe zwischen Beth und Jeff beschreibt, der schüchterne 22-Jährige, der sich nicht traut, die junge Frau anzusprechen. Dank ihr ist er nicht mehr derselbe und dankbar dafür, kann sein Glück kaum fassen, so einen Menschen gefunden zu haben und lieben zu dürfen. Doch dann kommt der Asthmaanfall, der Hardy in Panik versetzt, das erste Mal, dass er für jemanden aus seiner Familie den Notruf wählen musste. True story. Den Song habe ich 20, 30 Mal gehört und fand den Refrain nicht so gelungen. Bis heute, bis zu diesem einen Mal Hören, um diese Rezension zu schreiben. Zum ersten Mal toucht der mich und macht den Song noch runder, noch perfekter. Nein, da ist weder musikalisch noch gesanglich eine Höchstleistung erbracht worden, aber emotionaler kann man einen Lovesong nicht schreiben – vergesst solchen Kitsch wie „My Heart will go on“, hier geht es um echte Gefühle. So sollte Liebe sein in ihrer Perfektion. „Fiction“ beginnt so hart, so stark, da ist endlich mal Power drinnen, die man sich viel öfter wünscht. Der Song ist gut, den hört man gerne wieder. Darin ist eine starke Gitarre, die gerne deutlicher und vor allem öfter mal hervortreten könnte. Textlich wird man stark an die biblische Geschichte von Jona und dem Wal erinnert, oder auch an Hemingways Der alte Mann und das Meer, der Kampf mit dem Fisch, der sich als Lebenskampf entpuppt. Das ist der erste Song, der rein musikalisch, aber auch rein textlich funktioniert, mitreißt und getrennt voneinander bestehen kann. Wenn mehr in diesem Stil käme, PeroxWhy?Gen könnten einen gewissen Erfolg haben. Wer noch ein bisschen philosophieren mag, liest mal rasch Lyrics, Bibeltext und den Roman. Das ist ganz geschickt gemacht von Hardy – und mir ist ziemlich egal, ob er das bewusst getan hat oder es einfach nur eine blinde Interpretation ist, es ist super! Da wir gerade bei satter Gitarre sind, „Vicariously“. Der Schritt, den PeroxWhy?Gen innerhalb dieses Albums machen, ist krass, überfällig, wünschenswert, aber krass. Da kommt endlich mal Härte rein, Power, ein bisschen mehr Rock. Das hatte man ja immer erwartet und sich erhofft. Der Song ist für Eltern, die kennen dieses Gefühl, Kinder werden geboren und dann verfliegt die Zeit so schnell, sie werden so rasant groß, man ist stolz auf die kleinen Schritte, die sie machen, und irgendwann auf die großen Sprünge und die Persönlichkeiten, zu denen sie sich entwickelt haben. Hardy ist schon sehr gerne Vater, das erfüllt ihn total, merkt man auch. Liebe Mädels, lasst euch davon aber nicht triggern, wenn der unerfüllte Kinderwunsch da ist, sondern lebt dann einfach von der Power der Musik und vergesst den Text ein bisschen. Was ist „Emotionless“? Der Stil ist wieder gut, aber der Text verdient Aufmerksamkeit. Eine Art Rückblick und Selbstverurteilung, eigene Songtitel aufgreifend und sich einmal mehr die Fehler bewusst machend. Hardy ist hier sehr reflektiert, man spürt ein bisschen Wut und Enttäuschung gegen sich selbst gerichtet. Der Song kann was, ist wie ein umfassender Rückblick auf sein Leben; kennt man den Text, hat man die Zusammenfassung des Falls und Aufstiegs. „September Day“ wurde 2001 geschrieben, kurz nach einem der schwärzesten Tage Amerikas, nach 9/11. Das sind die verletzten Gefühle eines Amerikaners, das Unverständnis, die Wut, der Hass, die Ohnmacht, die damals nicht nur die USA, sondern auch ein Teil der Welt gespürt haben – an diesem Septembertag. Eigentlich würde man ja eine brachiale Nummer erwarten, die ausrastet, triefend vor Hass das getriggerte Schlagzeug den Rhythmus entlangpeitscht, wummernder Bass, kreischende E-Gitarren und einen Gesang, der klar macht: Ihr habt uns getroffen, aber wir werden uns rächen und euch sterben sehen! Nix davon passiert. Aber unterlegt man die Bilder der brennenden und einstürzenden Türme mit der Musik, passt es und ist stimmig. Das letzte Lied heißt „Catastrophic“ und ist so ganz anders als alles bisherige. Langsam, ruhiger Gesang, als würde man einen dunklen, steinigen Pfad beschreiten, stolpern, sich ängstlich umsehen, hinter Bäumen, Sträuchern lauernde Schrecken erwarten – die dann kurzzeitig auftauchen. Hardy rappt hier die Strophen und vermittelt damit auf dem imaginären Pfad ein hastiges Eilen, ein Flüchten, die Panik in den Augen. Man kann das Bedrohliche spüren, was auch sehr an der musikalischen Untermalung liegt. Es ist an sich überhaupt nicht mein Musikgeschmack, aber positiv zu bewerten aus zwei Gründen: Zum einen ist es etwas komplett anderes, steht im krassen Gegensatz zu den bisherigen Stilen von Hardy bzw. PeroxWhy?Gen, zum anderen verleitet der Song eben zu Kopfkino und das ist sehr gut gemacht. Am Ende wird es ganz ruhig und der Albumtitel genannt, ein Schlusspunkt.
Auch hier fällt das Fazit gemischt aus. Man erkennt deutlich eine Weiterentwicklung der Musik. Anfangs noch sehr dem Altbekannten ähnelnd, gehen die Musiker schließlich doch aus sich heraus und beschreiten neue Wege, die dem Projekt guttun. Es gibt mittlerweile auch Songs, die für sich stehen und nicht mehr rein von den Lyrics leben. Merrills Können kommt hier mehr zur Geltung und kann viel besser gewürdigt werden. Thematisch geht es viel ums Elternsein, um Familie, die daraus wachsende Verantwortung und Kraft; Hardy steht hier an einem ganz anderen Punkt in seinem Leben als noch zwei Jahre zuvor bei Within the Cygnus Rift. Gesanglich zeigt Hardy einige Facetten, die eine gewisse Wandelbarkeit offenbaren, aus der er noch ein bisschen mehr machen könnte. Hier geht es nicht mehr um ernste Musik, es ist Unterhaltungsmusik, die einen größeren Hörerkreis anspricht. Trotz teilweise schwerer Kost, ist das ein Album, das man eher der breiteren Masse empfehlen kann, ohne dabei eins der Must-Haves zu sein. Es bleibt abzuwarten, ob das für 2021 angekündigte Album diesen Weg weitergeht.
Bewertung: 4/5 (Musik: 4/5, Lyrics: 4/5)

2019 gibt es wieder eine EP, die nur unter Hardys Namen erscheint. Dieses Mal rein digital, keine physische Aufnahme erhältlich. Individuals zeigt auf dem Cover einen nachdenklichen Jeff, der aus einem eher dunklen Raum, kahl und fabrikkalt hinaus in die Welt, das Licht sieht. Sechs Songs umfasst die EP, beginnend mit dem titelgebenden Track. Sehr sphärisch, lässt einen sofort an sternenklare Nächte denken, braucht fast eine Minute, bis es losgeht. Der Gesang ist langgezogen, fast ein bisschen leidend, pathetisch. Hier kommt wieder harte Kost, wie es scheint. In der Mitte gibt es ein unerwartetes Gitarrensolo. Ehrlich gesagt, ist es kein Lied, das mich einfängt, aber gesanglich ist es unerwartet gut. „None of the above“ hat ab der Hälfte neben einem weiteren kurzen Gitarrensolo einen Top-Gesang. Daraus könnte man noch mehr machen. Textlich ist es irgendwie traurig und gleichzeitig sehr hoffnungsvoll, es geht mal wieder um das Überirdische. „Secure“ folgt und – hallo? Was ist denn da für eine geniale Basslinie drinnen? Ich bin schockverliebt! Kopfhörer rein und nur auf den Bass hören, das macht glücklich – und führt mal eben so dazu, dass mich der Rest gar nicht mehr interessiert. Aber die Nummer rockt! Die ist genial! Gute Gitarrenarbeit, passender Gesang, treibender Rhythmus – und habe ich schon den Bass erwähnt? Ein bisschen wundert es, dass die Nummer nicht auf einem PeroxWhy?Gen-Album ist. Lieber Jeff Hardy, weißt Du eigentlich, dass Du mit so einer Art Musik ein größeres Publikum ansprechend könntest, das dazu richtig abrockt? Das folgende „Unimportant“ wäre dann eine schöne, ruhigere Nummer, wieder mit schöner Gitarrenarbeit, da wurde mal endlich richtig fein an den Saiten gezupft, das hatte bisher gefehlt, es war zu verhalten meistens, zu sanft, zu zurückhaltend. Genauso ist dann auch wieder „Redemption“, das gleichzeitig ein Liebeslied an Beth, aber auch an Jeffs Selbst sein könnte. Unter dem Titel wurde auch eine dreiteilige Minidokumentation von der WWE gedreht, um den Weg Hardys raus aus der Sucht zu erzählen. Obwohl sehr langsam und tragend und ohne irgendein Highlight zu beinhalten, gefällt die Nummer. Aber ich kann nicht mal sagen, warum. Die EP endet mit meinem Alltime favourite von Hardy. Es war das erste Lied, das mir im Ohr geblieben ist, bereits nach dem ersten Anhören. Der Gesang fesselt mich und auch wenn die Hookline wie in den meisten Songs komplett fehlt, zieht es mich mit. „Talent“ ist ein kleiner Arschtritt, Du hast den absoluten Nullpunkt erreicht, aber da gibt es noch was, also krieg den Hintern hoch und zeig der Welt, dass das noch mehr in Dir steckt. Fall and Rise …
Mit dieser EP habe ich Hardys Musik kennengelernt. Sie ist abwechslungsreich, sie hat Ruhiges und Lautes, Sanftes und Hartes, betrachtet man vorherige Soloplatten von ihm, merkt man deutlich, wie er sich immer wieder weiterentwickelt, besser wird, einen gewissen Stil findet, ohne sich und seine Kunst einzuschränken und zu begrenzen. Sie ist gut. Beim ersten Mal Hören hätte ich sie zwar ziemlich mies gefunden, aber mittlerweile … well done, buddy!
Bewertung: 5/5

2020, das Jahr der Pandemie, der Verschwörungen, der Lügen, der Wahrheiten, der Angst, der Depression. Es wäre schön, könnte man 2020 als das Jahr der Solidarität, der Rückkehr zu elementaren Werten und zur Menschlichkeit beschreiben, aber wir wissen, dass dies nur kleine Feuer waren, die brannten – und die dafür umso wichtiger waren. Das Cover des Songs „Vaccine“, der wieder unter PeroxWhy?Gen erscheint, zeigt einen blassen, geradezu krank aussehenden Jeff Hardy hinter Hasendraht. Passend zu einer Pandemie und einem immerwährenden Lockdown. Er fordert auf, füreinander zu beten und endet damit, dass ein Impfstoff gebraucht wird. Eine ganz passable Alternative Rock Nummer, die wieder mal ein Gitarrensolo beinhaltet, das auch zeigt, dass man langsam innerhalb der Band Wert auf solche Elemente legt. Gut so. „Vaccine“ ist gut, passend zur vorherrschenden Stimmung, es würde sich prächtig als Filmmusik machen in einer Szene, in der man ohne Dialog kurz alle Protagonisten zeigt, die noch einmal Luftholen, bevor sie sich der schweren Prüfung stellen.
Bewertung: 5/5

Schließlich gab es 2020 noch eine Hardy EP: Human Forms. Das Cover zeigt den Künstler mit einem krassen Bodypainting, ein Herz riesengroß aufgemalt, der Körper grau, eine Spiegelung, „Enigma“ auf den Arm geschrieben. Ziemlich gut gemacht. „Sentiment“ ist ein depressives Gefühl, Tod, Vergehen, die Musik stirbt sogar, die Technologie lässt alles etwas kalt, fremd, einsam werden. Naja, das will man 2020 nicht hören, aber irgendwie ist es einfach passend, es ist traurig, tut ein bisschen weh. Und weil es gerade wehtut, machen wir doch mal mit „Embrangle“ weiter. Das ist pure Selbsterkenntnis und übrigens ein gutes Lied für Süchtige und Selbstverletzer, um zu erkennen, dass es einen Weg raus gibt. Hardy wäre fast zugrunde gegangen und hat es doch geschafft, zu überleben und das ist ein Vorbild, ein Beispiel, ein Zeichen, dass es möglich ist. Auch wenn der Songs langsam und traurig ist, er macht Hoffnung. Hauen wir noch mal einen raus: „Memento mori“. Dieses „Erinnere Dich, dass Du sterben musst“ hatte eigentlich mal die Bedeutung, dass man so leben sollte, dass man täglich vor das Jüngste Gericht treten kann und seine Seele rettet. Gutes tun, gut leben, ehrfürchtig, gläubig leben. Wenn man aber dieses „memento mori“ einfach nur wörtlich nimmt, dann ist es die Aufforderung, überhaupt zu leben, weil man eben irgendwann stirbt, dann schlägt es in die Kerbe Henry David Thoreaus und seines Aphorismus: „Ich ging durch die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben, intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.“ Der Ausspruch ist vielen aus dem Buch und der Verfilmung Der Club der Toten Dichter bekannt. Und genau dieser Sinn spiegelt sich im Sing „Longevity“ wider. „And I know, I’m dying, and so are you“, heißt es darin. Wir bleiben bei der schweren Kost, bei dem melancholischen, philosophischen Hardy. Aber danach kommt ein Liebeslied, das vor allem Beth ziemlich gut gefallen hatte. „Dreaming in Love“ – und das ist echt schön. Liebeslieder hat er einfach drauf und auch das hier ist wieder so ein Stück, bei dem man sich wegträumt und seinen Liebsten mal fest in den Arm nimmt. Wie gut Jeff es auch hier wieder schafft, diese Gefühle, diese Liebe gesanglich rüberzubringen, spürbar zu machen, das schaffen nicht viele – und es gibt verdammt viele Liebeslieder… Weiter geht es mit „Sober lies“, da ist der Titel Programm und verrät gut, worum es geht. Starke Zeile, die immer wieder wiederholt wird: „Everything to lose, so much to gain“. Das muss man einfach wirken lassen. Den starken Abschluss bildet der Titeltrack – der gleichzeitig Titeltrack des vergangenen Jahres oder Kampfsong einer ganzen Generation sein könnte. Hardy wird hier überraschend deutlich und politisch. Er bringt Rassismus zur Sprache, ohne direkt die Tötung George Floyds im Mai 2020 zu benennen, ist klar, was ihn zu diesem Song getrieben hat – und er ist gut. Er bedient sich keiner Floskeln, keiner Parolen, keiner Hashtags, sondern singt von Liebe, vom Umdenken, von dringend notwendigen Veränderungen. Es wäre ein perfekter 68er Song und wenn die Musik anders wäre, wäre es längst eine Hymne geworden, doch auch so könnte man Lichterketten durch die Städte bilden und dieses Lied als Friedenshymne singen. Hardy hat hier etwas Besonderes erschaffen, das leider viel zu wenige erreicht, weil er nicht auf seine Musik aufmerksam macht. Das Wichtigste an dem Song, ist der Teil, den er spricht: „

„Weltweite Perfektion ist unmöglich, und Verbrechen wird es immer geben, die Vorstellung von Rassismus im Jahr 2020 macht mich krank, Besserwisser und Machtmissbraucher müssen die wahre Schönheit hinter dem Kompromiss lernen, wahre Schönheit unter jeder Farbe, Farbe spielt keine Rolle, und Mann, Polizeibrutalität während einer räuberischen Pandemie, wir müssen insgesamt besser sein als das, Frieden und Liebe, nicht Tod und Hass, Uniformen sollten respektiert werden, nicht gefürchtet, Amerika, komm schon…“ Wow.
Human Forms ist nachdenklich, melancholisch, den Umständen eines harten, einsamen Jahres angepasst. Perfekt in die Zeit passend und leider zu wenig beachtet.
Bewertung: 5/5

Das war’s – und es war nicht leicht. Sich durch Hardys Musik zu hören, ist ein Wechselbad der Gefühle, hauptsächlich aber schmerzhaft, sie tut weh, sie zerreißt das Herz, sie lässt einen seinen Schmerz fühlen – und doch kommt man nicht einmal ansatzweise an diesen ran. Gleichzeitig macht die Musik aber auch Mut, gibt Hoffnung und am Ende macht sie einfach Spaß. Deutlich zu erkennen ist die Weiterentwicklung Hardys als Musiker, er wird besser, er wird hörbarer für eine breitere Masse, die er durch zu wenig Werbung leider nicht erreicht. Dabei verkauft er sich aber nicht, bleibt sich und seinem Stil treu, zieht sein Ding durch. Nach all den Alben und EPs wird klar, dass man Jeff Hardys Musik besser – oder vielleicht ausschließlich – versteht, wenn man seine Biografie kennt. Dann ergeben Textzeilen Sinn, dann fühlt sich manches noch intensiver an. Es gibt noch mehr Songs, deren Texte man kennt, weil sie irgendwann irgendwo aufgetaucht sind, ohne jemals Songs geworden zu sein – und es bleibt die Vorfreude auf mehr. Im März 2021 hat Hardy eine Handvoll Liveauftritte in Florida absolviert. Die Mitschnitte, die zu finden sind, zeigen, dass er sich gesanglich noch einmal verbessert hat. Was er jedoch nicht ablegt, ist seine Scheu. Er singt gerne mit geschlossenen Augen, hält sich manchmal die Hände vors Gesicht oder steckt sie verlegen in die Taschen, am liebsten wäre er gar nicht da, nur die Stimme, nur die Musik. Eine Bühne im Dunkeln, die ihn total verschwinden lässt, wäre vermutlich die beste Umgebung für seine Auftritte, dann wäre er frei, unbefangen und könnte sich ganz hingeben. Hardy ist kein weltbester Sänger, aber er arbeitet an sich. Den Songs fehlen oftmals Hooklines, gesanglich bleibt er in seiner Komfortzone, rastet nicht aus, geht nicht aus sich heraus. Das ist Jeff Hardy, der nie Wut zeigt, nicht mal in der Musik, vielleicht weil er einmal wütend war und diese Wut gegen nichts richten konnte, denn auf wen ist man wütend, wenn eine Krankheit einem die Mutter nimmt und damit die Wurzel? Er hat seine Wut und seinen Schmerz gegen sich selbst gerichtet und ist daran fast zugrunde gegangen. Er hat sein Lächeln verloren, dieses Lächeln, dass die tiefste Dunkelheit zurückdrängen könnte, und nur noch so selten öffentlich gezeigt wird. Jetzt wirkt Hardy, obwohl gerade mal 43, uralt. Die Gefühle, die Dämonen, mit denen er immer wieder zu kämpfen hat, haben ihn unendlich altern lassen, als habe er die ganzen Emotionen der Welt gespürt. Nachdem Jeff Hardy das beste „Last Kiss“ Cover singt, das es überhaupt gibt, könnte man sich ein Coveralbum vorstellen mit Songs wie „Stairways to heaven“, „Golden Brown“, „Supergirl“, „Hurt“ (das er bereits gecovert hat), „Sweet Dreams“, „Puff the magic dragon“, „Perfect Day“, „Streets of London“, „Where do you got to, my Lovely“ – und seiner ganz eigenen Version von „Sound of Silence“. Ich hab ihn verkannt, das muss ich ehrlich zugeben. Der erste Eindruck war schlecht, der letzte ist sehr gut, eine positive Überraschung, die aber auch zeigt: Manchmal lohnt es sich und ist es unabdingbar, eine vermeintlich schlechte CD wieder und wieder anzuhören, weil sich die Schönheit erst mit der Zeit entfaltet. Nun fehlt nur noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, ein bisschen mehr Ausnutzen der Möglichkeiten von Social Media, denn Kunst muss gesehen und gehört werden. Eine Ausstellung wäre schön, eine Clubtour durch Europa wäre vermutlich erfolgreicher als man denken mag, und was natürlich auch fehlt: Vinyl! Die Chancen und die Besonderheiten von Vinyl können an einem Künstler wie Hardy eigentlich nicht verbeiziehen, der dadurch die Möglichkeit hätte, sich malerisch auszutoben, eine Limited Edition zu kreieren mit Postkarten, Postern, was auch immer. Die Ideen sind da, aber Jeff Hardy ist nun mal anders als so viele andere Kunstschaffende.

Der Fall des charismatischen jungen Mannes, sein Kampf mit sich, den Umständen, seinem Inneren, seinen Gefühlen, den alles übertönen Dämonen. Der Aufstieg eines verletzlichen und gleichzeitig unglaublich starken Mannes, der seine Suchtprobleme überwunden hat – und bis zu seinem letzten Tag gegen sie kämpfen wird müssen. Gefühlt wurden seine Suchtprobleme mehr diskutiert und vor allem mehr in Storylines eingebaut, als bei jedem anderen Wrestler. Er hat es nie verleugnet, er ist den Weg gegangen, ist gefallen, hat um Verzeihung gebeten und hat sich wieder aufgerappelt. Dafür verdient Hardy großen Respekt. Ebenso dafür, dass er durch seine Geschichte, seine Stärke und den Mut, sich damit immer wieder den Fans und der Welt zu stellen, ein großes Vorbild für all diejenigen ist, die ebenfalls mit Dämonen und ihren Suchtproblemen kämpfen. Es gibt einen Weg hinaus – und Hardy ist aus der absoluten Dunkelheit ins Licht gekrochen. In einem Gedicht mit dem Titel „The Fans“ fragt sich Hardy, wie diese ihn aufnehmen, annehmen, zu ihm stehen, wenn er fällt – und ob sie sich an ihn erinnern werden, wenn er alt ist. Das werden sie, denn Jeff Hardy hat sich selbst zu einer Legende gemacht. Chapeau, Jeff! No more words…

>>> Teil 1: Fall and Rise of Jeff Hardy: .. the Fall <<<

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