The Story behind … Satisfaction – Same


Die Geschichte um Satisfaction beginnt in Tottenham, einem Stadtteil im Norden Londons. Anfang der 50er Jahre war ein regelrechter Trad-Jazz-Boom aktiv. Hier formierte der Teenager Michael Edward Cotton eine Gruppe, der er den Namen The Mike Cotton Jazzmen gab. 1962 gab es eine Umbenennung in The Mike Cotton Sound und der Sound der Truppe wandelte sich zum leichteren Jazz-Pop Stil. In diesem Jahr kam auch der Pianist Dave Rowberry zur Gruppe. Mit „Swing that Hammer“ konnte die Formation auch einen Single- Chart-Hit verbuchen. In The Wild and the Willing performten sie den Erfolgs-Hit auch im Film. Posaunist bei Mike Cotton Sound war John Beecham. Rowberry verließ 1965 die Band und ging zu den Animals, der Gruppe um Eric Burdon. Im gleichen Jahr gründete sich ebenfalls in England Unit 4, in der ein gewisser Howard „Lem“ Lubin den Bass zupfte. Nachdem Russ Ballard und Bob Henrit als + 2 (Members) 1965 zur Gruppe gestoßen waren konnten Unit 4 + 2 mit „Concrete and Clay“ einen Nummer-eins-Hit in England verbuchen. Lubin blieb nicht lange bei der Gruppe. Marriage, Lemon und Vehicle hießen weitere Stationen seiner Karriere, mit denen er auch jeweils Platten aufnahm.

Zwei Jahre zuvor, 1963 gründete Art Wood, (übrigens der älteste Bruder des späteren Faces Gründers und Rolling Stones Gitarristen Ronnie Wood) seine eigene Formation The Art Wood Combo. Von den Red Bludd’s Bluesicians kamen der Pianist Jon Lord und der Gitarrist Derek Griffiths zu Wood, der die Gruppe in The Artwoods umbenannte. Diese konnten 1966 mit der LP Art Gallery auch einen kleinen Erfolg verbuchen. Als Schlagzeuger war damals übrigens ein gewisser Keef Hartley dabei und Malcolm Pool spielte Bass. Unter dem Namen The St.Valentines Birthday Massacre brachte die Band 1967 eine Single heraus. The Artwoods hielten nach ihrem Erfolg gerade mal ein gutes Jahr durch, bevor sie sich wieder auflösten. Jon Lord gründete nach einem Zwischenspiel mit The Flower Pot Men, die 1967 mit dem Song „Let’s go to San Francisco“ einen Hit landen konnten, ein Jahr später Deep Purple. Derek Griffiths hielt sich mit kleinen Jobs über Wasser.

Doch zurück zu Mike Cotton ins Jahr 1966. Mit der Hinzunahme eines zweiten Sängers, einem ehemaligen Mitglied der US-Luftwaffe namens Bruce McPherson Lucas, der allerdings nur unter seinem Nachnamen Lucas bekannt wurde, wandelte sich der Sound der Formation erneut und diesmal in die Richtung Soul und Rhythm’n’Blues. In England begleiteten sie mehrere große Namen bei Live-Auftritten und Studioaufnahmen; Stevie Wonder, Gene Pitney, Doris Troy, Sugar Pie DeSanto, The Four Tops und Solomon Burke zum Beispiel. Bassist bei Mike Cotton war zu der Zeit Jim Rodford. Als Rodford die Band 1969 verließ, um mit seinem Cousin Rod Argent die Rockband Argent zu gründen, wechselte Cotton Besetzung und Namen seiner Gruppe. Von seiner alten Besetzung blieb nur John Beecham übrig. Von Vehicle kam Lem Lubin für den Bass dazu, Griffiths spielte aktuell nicht in einer Band und übernahm den Gitarrenpart. Der Saxophonist, Trompeter und Flötist Nick Newall, der vorher bei Zoot Money und John Mayall gespielt hatte, kam zur Band und Bernie Higginson an den Drums vervollständigte die neue Gruppierung. Cotton nannte seine neue Band Satisfaction. Er selbst spielte Flügelhorn, Trompete, Kornett und Harmonika. Als Musikstil wollten sie progressiven Jazzrock mit Bläsern spielen, der in den Jahren um 1969/70 durch Gruppen wie Chicago, The Chamber Brothers oder Blood, Sweat and Tears sehr aktuell und beliebt war. In dieser Besetzung ging Satisfaction ins Studio und brachte auf dem Decca Label zwei Singles, „Love it is“ / „Cold Summer“ und „Don’t rag the Lady“ / „Gregory Shan’t“, und eine selbstbetitelte LP mit der Katalognummer SKL 5075 heraus. Außer in England kam die LP nur noch in Deutschland mit der Nummer SKL 16703-P auf den Markt. Die „Rag“ / „Lady“ Single ebenfalls in Deutschland.

Die LP beginnt mit satten Bläsern und einem Gitarrenlauf, ehe die Bläser den Hauptpart übernehmen. Während der Strophen sind die Bläser sehr zurückgenommen. „Just lay back and enjoy it“ treibt im swingenden Stil voran, ehe nach zwei Minuten ein Break kommt und ein ruhiger, gut zwei Minuten langer fast klassischer Mittelteil für Abwechslung sorgt. Die swingende Gitarre löst diesen ab und nach und nach baut sich der Song wieder zu vollen Höhen eines Progressivtracks auf, bevor er die letzten gut zwei Minuten wieder im vorherigen Stil ausklingt. „She follows the Band“ beginnt folkig ruhig mit wunderbaren Flötentönen, baut sich mit mehrstimmigem Gesang auf zu einem Song, der auch Jethro Tull gut gestanden hätte. „Cold Summer“ ist ein astreiner progressiver Song, bei dem die Bläser zwar satt, aber sehr akzentuiert eingesetzt sind. Eine psychedelische Sologitarre rundet den Song perfekt ab. Eine minimalistische Gitarre, die beim folgenden „Sharing“ fast nur als Rhythmusinstrument eingesetzt wird, in Verbindung mit tribalartigen Gesängen, bringt eine düstere Stimmung zur Geltung. Im Mittelteil sind die Bläser der Solopart. Song Nummer fünf, „Call you Liar, Liar“ ist einerseits hart rockend, aber dann wieder swingender Brass. Da geht die Post ab. Ruhiger wird’s beim drauffolgenden „You upset the Grace of living when you lie“, obwohl der Song nicht langsam ist. Der Rhythmuspart wird hier anfangs nur von der Percussion erledigt, ehe später das Schlagzeug einsetzt. Wieder mit ruhigem Mittelteil versehen, der von einem Saxophon gespielt wird, bis  wieder Gas gegeben wird. Die ersten eineinhalb Minuten von „Just like Friends“ sind für diese Platte fast Easy Listening, aber schon bald folgt der Einsatz einer Sologitarre, die im Zusammenspiel mit den Bläsern für die nötige treibende Härte sorgt. Der Abschlusssong der Platte „Go through Changes“ ist wieder im bewährten swingenden Brass-Stil gehalten. Ein besonderer Part ist hier gut eineinhalb Minuten vor dem Ende ein fast bluesiger Gitarrenteil, der aber schon bald in eine kurze, lärmende Gitarrenorgie mündet, ehe der Schluss wieder swingt. Bezeichnend für alle Tracks dieses Albums sind die vielen Tempiwechsel und die Abwechslung aus ruhig fließend und hart treibend mit dem nötigen Touch an swingenden Elementen.

Leider hielt die Formation gerade mal etwas mehr als ein halbes Jahr und ging dann auseinander. Derek Griffiths spielte anschließend mit dem ehemaligen Zombies-Mitglied Colin Blunstone, Chuck Berry, Argent, Chris Youlden von Savoy Brown und Dog Soldier, der neuen Band um Keef Hartley, mit dem er bereits zu Artwoods Zeiten gespielt hatte. Nick Newall war anschließend wie Griffiths bei Chris Youlden und Colin Blunstone beschäftigt. Außerdem bei Russ Ballard, Keef Hartley, den Kinks, John Mayall, Roger Daltrey und noch vielen anderen. Lem Lubin spielte nach Satisfaction bei der Gruppe Christie, die zwei Jahre zuvor den Hit „Yellow River“ am Start hatte. Außerdem war er auf der Black Voice LP von Don Adams dabei, zusammen mit John Beecham und Mike Cotton. Cotton bildete mit Beecham, seinem alten Kumpel Dave Rowberry, der seinerzeit zu den Animals abgewandert ist, und einem gewissen Micky Moody (Whitesnake, Tramline, Juicy Lucy, Snafu …) eine neue Auflage von The Mike Cotton Sound. Sie behielten den Brass-Sound bei und begleiteten die Kinks erstmals auf ihrem 71er Album Muswell Hillbillies. John Beecham spielte nachher ebenfalls bei Chris Youlden, Colin Blunstone und den Kinks sowie bei Caravan, Champion Jack Dupree und vielen anderen bekannten Acts. Mike Cotton selbst blieb als einziger dem Jazz verbunden. Nachdem er bis Mitte der siebziger Jahre die Kinks auf Platten und live unterstützt hatte, spielte er anschließend wieder im Jazz Bereich bis in die Neuzeit.

Leider spielte die Formation Satisfaction nur das eine Album nebst den zwei Singles ein. Sowohl Album als auch die Singles sind heute sehr gesuchte Sammlerstücke in der Szene. Auf dem 2008er CD-Reissue sind die drei Songs, die auf den Singles drauf sind, enthalten. Im Jahre 2014 brachte das Acid Jazz Label eine neue Platte von Satisfaction heraus. Auf Three Ages of Man sind alternative Versionen, Single Tracks und alte, bisher unveröffentlichte Songs drauf. Der Sound von Satisfaction ist zeitlos und verliert auch nach vielmaligem Hören nichts von seiner Intensivität und Klasse.

Satisfaction – Same
1970 – Decca – SKL 5075

Tracklisting:
A1 – Just lay back and enjoy it
A2 – She follows the Band
A3 – Cold Summer
A4 – Sharing
B1 – Call you Liar, Liar
B2 – You upset the Grace of living when you lie
B3 – Just like Friends
B4 – Go through Changes

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