Buch: Inga Rumpf – Darf ich was vorsingen. Eine autobiografische Zeitreise


„Als ich vier Jahre alt war, sang ich auf einer Familienfeier ein paar Volkslieder und jemand drückte mir ein Fünfmarkstück in die Hand. Ich dachte, na, das mach’ ich öfter.“ Mit diesen Zeilen beginnt die autobiographische Zeitreise der Hamburger Sängerin, Komponistin und Autorin Inga Rumpf. Sie markieren zugleich den Beginn einer großen, mehr als fünf Jahrzehnte währenden musikalischen Karriere. Ihren 75. Geburtstag hat Inga Rumpf zum Anlass genommen, ihr erfülltes Leben aufzuschreiben, für ihre Fans und überhaupt für alle Menschen, die spannende Lebensgeschichten lieben.“ (Quelle/Klappentext: Ellert & Richter Verlag)

Inga Rumpf – Eine der genialsten, ausdrucksstärksten weiblichen Stimmen der Musikgeschichte. Für mich DIE Stimme überhaupt. In meiner Rangliste der Sängerinnen seit zig Jahren unangefochten die Nummer Eins. Begonnen hat ihre musikalische Reise Mitte der Sechziger als Mitglied der Gruppe City Preachers. Weitere Stationen waren nach einem kurzen Schlagerintermezzo die Formationen Frumpy, Atlantis, Rockship bis hin zu unzähligen Kollaborationen mit Musikern a la Udo Lindenberg, Peter Maffay, Peter Herbolzheimer, Achim Reichel, Joja Wendt und vielen weiteren. Sogar eine Session mit den drei Rolling Stones Gitarristen Keith Richards, Ron Wood und Mick Taylor gab es 1987 und wurde auch aufgenommen. Nun endlich, anlässlich ihres 75. Geburtstages, hat Inga Rumpf ihre Geschichte in eigenen Worten aufgeschrieben. In einem leicht zu lesenden Schreibstil hat Inga ihr Leben in chronologischer Form in Worte gefasst. Teilweise liest sich das Ganze wie ein Abenteuerroman. Diese Hamburger Deern, die ihr ganzes Leben lang authentisch wie keine zweite war, schreibt in einfachsten Worten ihre Lebensbeichte. Unzählige bekannte Namen, ein Who-is-Who der deutschen Rockgeschichte tauchen in der Erzählung auf. Mit vielen hat Inga bereits zusammengespielt und lässt den Leser teilhaben. Nicht nur der musikalische Punkt wird in diesem Buch sehr offen beleuchtet, nein, auch der private Aspekt wird in ehrlichen, teilweise sehr intimen Worten erzählt. Inga Rumpf lässt sehr viel Nähe zu. Sie nimmt den Leser mit in ihr privates Reich, mit in ihre Familie und ihre Partnerschaften. Die privaten Momente nehmen einen großen Teil des Buches ein. Man leidet mit Inga regelrecht mit, wenn sie zum Beispiel über den plötzlichen Tod ihres Ehemannes schreibt.

In kurzen Artikeln, die immer nur den Zeitraum zwischen zwei und sechs Jahren abhandeln, kann man den Lebensweg der Sängerin bestens nachvollziehen. Dazwischen eine Menge privater Fotos, immer mit den genauen Daten und Namen versehen. Dieses Buch ist recht einfach und fließend zu lesen. Man ist auf jeder Seite gespannt, was wohl als nächstes zu lesen ist. Unendlich viele Informationen sind in schöne Sätze verpackt. Für Musikfans, die mit dem Namen Inga Rumpf etwas anfangen können, ein unverzichtbares Buch über eine außergewöhnliche Frau, die was zu sagen hat.

Inga hat sich nie verbiegen lassen, ist immer ihren Weg gegangen und genauso offen und ehrlich schreibt sie in diesem Buch. Auf Seite 283 steht da zum Beispiel: „Mit zunehmendem Alter spürt man dann doch seine Grenzen. Auf der Bühne fühlte ich mich durch das gute Adrenalin wie 25 Jahre jung. Am nächsten Morgen fünfzig Jahre älter. Meine Gelenke schmerzten, mein Gesicht war verknittert, das Bindehautgewebe fing an zu schlabbern und meine Taille ging in die Rundungen meiner Hüften über“. Solche menschlichen Probleme kennen sehr viele Leute, aber die wenigsten sprechen oder schreiben in solch deutlichen Worten drüber. Für Inga ist diese Deutlichkeit anscheinend das Normalste der Welt, so jedenfalls liest sich dieses großartige Buch vom Anfang bis zum Ende. Das mag vielleicht der Tatsache geschuldet sein, dass hier kein Schreiberling am Werk war, dem Inga was diktiert hat. Nein, hier schreibt Inga selbst in eigenen Worten. Diese Ehrlichkeit merkt man auch an den Zeilen über ihre vielen Arbeiten mit unzähligen Musikern und Projekten. Angefangen von der Folklore der City Preachers, über den Krautrock von Frumpy, dem Funkrock von Atlantis bis hin zu sehr andächtigen Auftritten in sehr vielen Kirchen, wo Gospels und Weihnachtslieder gesungen wurden und immer noch werden. Keine Location war unpassend, kein Club zu klein, keine Halle zu groß, sogar der Maschinenraum eines Feuerschiffs im Hamburger Hafen war genau richtig als Auftrittsort. Inga kann alles und macht alles, worauf sie gerade Lust hat.

Inga Rumpf ist zu Recht eine lebende Legende in der deutschen Musiklandschaft und wenn sie vielleicht noch einmal fragen sollte: „Darf ich was vorsingen?“ … Ich bin mir sicher, dass tausende Menschen jederzeit mit Begeisterung JA rufen würden. Für mich darfst du auf jedem Fall jederzeit vorsingen, Inga, egal wo, egal in welcher Formation, und egal mit welcher Musik. Für deine ehrlichen Worte verdienst du zu Recht die volle Punktzahl.

5 / 5

Inga Rumpf – Darf ich was vorsingen?
Ellert & Richter, 2021
352 Seiten
Hardcover: 25,00 €

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