Musik: Corbian – Chapter II


Mit brachialen Rhythmen und eindringlichen Soli haben sich Corbian aus Offenbach (Hessen, Deutschland) 2014 ihren Weg in die Gehörgänge der Metalgemeinde gedroschen. Da blieb kein Nacken verschont, keine Stimme ungenutzt. 2022 zeigt das Quintett, dass man die triste Lockdownzeit durchaus sinnvoll genutzt hat. Mit ihrem neuen Longplayer Chapter II knüpfen Corbian an vorangehende Alben an.

Beginnend mit „Atlas“ bekommt man einen guten Einstieg in die Platte. Satte Gitarrenklänge werden kurzzeitig von Shouting durchbrochen, noch ist es ruhig, nach ca. 45 Sekunden bricht die geballte Ladung los. Fetter Sound, flankiert von getriggertem Schlagzeug, rauem Gesang und Saitengezupfe, das einem alleine vom Zuhören die Finger bluten lässt. Was dem einen gefällt, könnte dem anderen zu viel sein. Die Drums sind teilweise einfach überzogen, da ist ein bisschen zu viel getriggert für meinen Geschmack, es klingt mehr nach einem Wettklopfen der Hammer-und-Nägel-Gilde als nach Taktvorgabe. Muss man mögen, ich mag es hier nicht so. Würde man sich das wegdenken, hat man übrigens eine solide Melodic-Nummer. Die musikalische Wut geht weiter. „Delphi“ bricht los, harte, schnelle Gitarrenarbeit, die immer wieder mal unterbrochen wird von ruhigem Bassspiel – das wiederum könnte für mich ewig weitergehen. Die langsamen und schnellen Parts wechseln sich gut ab, da kriegt der geplagte Nacken mal ein bisschen Verschnaufpause, und die braucht er auch. „Lilith“ beginnt etwas zerstörerisch mit E-Gitarren-Sound, dann bricht hartes Geschrammel los. Shouting und Growling wechseln sich ab, gut gemacht, eine harte Nummer, die Verachtung und Hass entgegenrotzt und gut zum Aggressionsabbau zu sein scheint. Das Schlagzeug hält sich hier mal ganz fein zurück, die Saiten haben das Sagen und das macht die Nummer richtig gut. Am Ende wird es noch mal schneller, dieser Part könnte gerne auch noch etwas länger ausfallen. Die Mitte des Albums stellt „Bonded“ dar. Hart, schnell, mittlerweile sind die Gitarren deutlich im Vordergrund. Das macht Spaß. Es sind eigentlich sehr typische Metal-Nummern, die ich aber weniger im Melodic-Bereich ansiedeln würde. Allgemein finde ich diese Einordnung in ein Genre nicht ganz stimmig. Die Gitarrenarbeit, die aggressive Grundstimmung, Tempo, die durchbrechenden Soli, die Growls, das alles klingt mehr nach Death Metal. Auch „Karma“ spiegelt das wider. Mit 2:52 das kürzeste Stück der Scheibe, aber mal ganz nett, wenn einen wieder alles ankotzt und man auf genau das wartet: Das Karma, das schon einiges regeln wird. „Nunfuckers“ beginnt mit einem so klasse Solo, da bräuchte man eigentlich keine stöhnenden Pseudononnen, aber gut, sex sells. Der Rhythmus zieht ziemlich mit. Hier legt man sehr viel Wert auf gute Gitarrenarbeit, hat sehr schöne Riffs drinnen. Wer Corbian kennenlernen will, sollte hier reinhören. Mit „Veritas“ endet das Ganze. Noch einmal holt Vocalist Nils Fehrmann alles aus den Stimmbändern und auch der Rest der Band gibt restlos alles. Es wird in die Saiten gegriffen, auf die Felle gehauen, das ist ein fulminantes, brachiales Ende, das eine Minute vor Schluss total ruhig wird, leise Gitarre, leiser Gesang.

Dieses Album hallt nach. Die strapazierten Gehörgänge werden durch gute Gitarrenriffs und gekonnten Gesang gefordert. Chapter II ist ein guter Nachfolger, den Corbian auf die Beine gestellt hat. Ein Muss für alle Fans der härteren Musikgangart.

5/5

Corbian – Chapter II
Independent, 2022

Tracklist:
08 – Atlas
09 – Delphi
10 – Lilith
11 – Bonded
12 – Karma
13 – Nunfuckers
14 – Veritas
[Die Nummerierung und Reihenfolge der Songs entsprechen der vorliegenden digitalen Version.]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s