Flashback 50 – LITTLE FEAT – FEATS DON’T FAIL ME NOW – August 1974


Als langjähriger Fan von Little Feat fühle ich mich hinreichend qualifiziert, um Feats Don’t Fail Me Now als den Höhepunkt ihrer Karriere zu bezeichnen. Es ist das vierte Studio Album von Little Feat und schlichtweg ein Meisterwerk. Zur bestehenden Band um Mastermind Lowell George kam Gordon de Witty am Clavinet neu hinzu. Schon das vorherige Album Dixie Chicken verhalf ihnen zum Durchbruch und konnte Little Feat als ernsthafte Anwärter für die vorderen Plätze in einem sehr wettbewerbsintensiven Geschäft etablieren. Durch stetes Touren hatten sie sich für die Aufnahmesessions bereits auf spektakuläre Weise zu einer brodelnden Einheit zusammengeschweisst, und die Gruppe tat ihr Bestes, um die Energie, die sie auf der Bühne erzeugten, in dieses Album zu übertragen. Viele Bands versuchen, dieses Kunststück zu vollbringen, aber nur wenige sind so erfolgreich wie diese Jungs auf Feats Don’t Fail Me Now. Von Anfang bis Ende knistert und sprüht diese Platte buchstäblich vor Elektrizität, während sie eine Kohärenz bewahrt, die geradezu unheimlich ist.

Sie beginnen mit dem verspielten „Rock and Roll Doctor“, einem Song, in dem Little Feat‘s frecher, funkiger Stil aus dem Stück zu alles anderem als den geradlinigen Rock Song macht, den der generische Titel vermuten lassen könnte. Wie immer sind sie in ihrer Herangehensweise angenehm eklektisch. Keyboarder Bill Payne’s „Oh, Atlanta“ folgt und als Rocker ist es vorhersehbarer als der Opener, aber es hat eine einladende „Nawlins“-Atmosphäre, ein Slangwort für den typischen New Orleans Sound, die hauptsächlich dem lauten Barrelhouse-Piano-Unterbau des Songs zu verdanken ist, und der es zu etwas Besonderen macht. Der sehr eingängige Refrain hat eine Hookline die den Hörer bis an das Ende seiner irdischen Verweildauer als Ohrwurm im Gehirn eingebettet bleiben wird, ob man will oder nicht. Gitarrist Paul Barrére’s „Skin It Back“ ist als nächstes dran und es besitzt einen jazzigen Funk-Groove, der in Coolness brilliert und die unglaubliche Präzision der Band zeigt, während die verschiedenen Elemente des Songs gleichzeitig umeinander tanzen und sich mit befruchtend gegenseitig anstoßen. Ken Gradney’s Basslinien sind sowohl einfallsreich als auch filigran und verstärken meine Meinung, dass er immer noch zu Unrecht einer der am meisten unterschätzten Bassisten auf dem Planeten ist. Nicht zuletzt spielte er unter anderem mit Delaney & Bonnie, The Flying Burrito Brothers, Bobby Weir’s Bobby and the Midnites, Chico Hamilton, Warren Zevon, Robert Palmer, Mick Fleetwood, und Carly Simon … was jetzt nicht gerade die schlechtesten Referenzen sind. Lowell Georges „Down the Road“ schwimmt in einer smoothen Rhythm and Blues-Atmosphäre, aber man sollte es nicht ausschließlich in eben diese Schublade stecken. Lowells unverwechselbare Slide-Gitarrenarbeit ist ‘all over the place’. Er schrieb auch eines der wahren Juwelen des Albums, „Spanish Moon“. Der unerbittliche, hypnotische Groove ist unausweichlich, und die durchdringende Bläsersektion ergänzt die Dynamikaufs Beste. Von Robert Palmer Gibt es eine gute Coverversion, aber ich bevorzuge immer noch das Original. „Feets Don’t Fail Me Now“ exemplifiziert den angeborenen Sinn für Humor, der immer knapp unter der Oberfläche ihrer Musik liegt und hier springt er einen ohne Scham direkt an. Der Track ist eine freudige Mischung aus Präzision und Spontaneität, die selten zu finden und im 21. Jahrhundert praktisch unbekannt ist. George und Paynes „The Fan“ ist ein jazziges Stück im 7/8-Takt, das ihr Bestreben, die Horizonte ihres Publikums mutig zu erweitern, ins Licht rückt. Paul Barrere liefert ein temperamentvolles Gitarrensolo und Payne bringt seinen ARP-Synthesizer auf Trab, während Richie Haywards Schlagzeug ernsthaft abrockt. Das 10-minütige Medley aus Lowells „Cold, Cold, Cold“ kombiniert mit Payne und Haywards „Tripe Face Boogie“ ist ein Genuss, der nie alt wird. Der erste Part besitzt ein langsames, aber aggressives Funk-Gefühl, das hier den einzigartigen Sound von Little Feat perfekt charakterisiert, während Georges ausdrucksstarker Gesangsstil ein humorvolles, aber sehr menschliches Bild sexueller Frustration zeichnet. Der zweite Part übernimmt ein energetisches Shuffle-Tempo und sie halten die Dinge interessant, indem sie gelegentlich ein oder zwei oder drei interessante ‘Fills’ einstreuen. Das erweiterte Instrumentalsegment ist auch keine übliche Jam-Session. Bills jazzige Piano-Improvisationen dominieren und entführen das Ganze für eine Weile in ein sehr abstraktes Universum. Rechtzeitig findet sich die Band wieder ein und reißt den Laden wieder zusammen, bevor sie der Platte ein angemessen lautes, konzertähnliches Ende beschert. Die ganze Scheibe wird garniert durch einen wunderbaren Background Gesang von Emmylou Harris, Bonnie Raitt und Fran Tate, alias Frances B. Odenthal, der Ehefrau von Bill Payne.

Die meisten musikalisch grandiosen Bands, die einen bleibenden Eindruck in dieser Welt hinterlassen haben, können auf jenen Moment zurückblicken und erkennen, an dem sich die Planeten ausgerichtet haben und alles scheinbar mühelos zusammenkam. Das ist bei Little Feat mit Feats Don’t Fail Me Now der Fall. Es enthält nicht nur eines meiner Lieblingsalbumcover vom legendären Designer Neon Park, welches Marilyn Monroe und George Washington bei einer gedachten Spritztour in einem Licoln Continental durch die Alpen zeigt, aber es ist die darin enthaltene Musik, mit ihren lebensfröhlichsten, bezauberndsten und überschwänglichsten Songs ‘ever’, während das Gesamtwerk durchweg ein hohes Maß an Integrität bewahrt.

Natürlich spielt bei der Produktion auch Van Dyke Parks als Producer-Wunderkind neben Lowell George hier eine entscheidende Rolle. Wenn jemand nur ein einziges Studioalbum von Little Feat besitzen dürfte, dann ist dieses genau das richtige.

Little Feat – Feats don’t fail me now
A1 – Rock and Roll Doctor
A2 – Oh Atlanta
A3 – Skin it back
A4 – Down the Road
A5 – Spanish Moon
B1 – Feets don’t fail me now
B2 – The Fan
B3 – Medley: Cold cold cold / Tripe Face Boogie

Lowell George – Guitar, Vocals
Paul Barrere – Guitar, Vocals
Bill Payne – Keyboards, Vocals
Richie Hayward – Drums, Backing Vocals
Ken Gradney – Bass
Sam Clayton – Percussion, Vocals
Gordon De Witty – Clavinet

Bonnie Raitt – Backing Vocals
Emmylou Harris – Backing Vocals
Fran Tate – Backing Vocals

Schreibe einen Kommentar