Reise: Bunkermuseum Frauenwald / Thüringen


Im Rahmen unseres Festivalbesuches vom Woodstock Forever Festival brauchten wir natürlich ein kulturelles Rahmenprogramm, um die Zeit außerhalb der Auftritte der Bands auszufüllen. Gut 25 Kilometer entfernt vom Festivalgelände fanden wir ein interessantes Objekt für eine Besichtigungstour. Das Bunkermuseum Frauenwald in Ilmenau, ein angeblich voll eingerichteter Stasi-Bunker aus Zeiten des Kalten Krieges. Das war natürlich voll in unserem Interessengebiet und wir fuhren nach dem Frühstück die halbe Stunde nach Ilmenau. Der Bunker liegt mitten in einem Fichtenwald, direkt neben dem Waldhotel Rennsteighöhe. Da wir bis zum anvisierten Beginn der Bunkerführung noch gut Zeit hatten, gönnten wir uns ein gekühltes Getränk auf der Hotelterrasse. Sofort fiel uns die Freundlichkeit auf, mit der wir dort empfangen wurden, ganz im Gegensatz zur Gaststätte Thomas Müntzer einen Tag zuvor. Der Blick in die Speisekarte des Hotels ließ uns sofort den Entschluss fassen, unser Abendessen vor dem Festival hier zu genießen – zu lecker klang das Angebot.

Nach der Wende wurde die ganze Bunkeranlage von der Berliner Treuhandanstalt in Privathände verkauft und auf dem Gelände das Waldhotel errichtet.

Pünktlich zur Führung wartete unser Führer Jörg Hartwich vor dem Hotel und unsere kleine Gruppe ging ein paar Minuten auf einem Waldweg zum Bunkereingang. Außer einer Art gemauerten offenen Unterstand war von einem Bauwerk nichts zu sehen. Eine kleinere Holztüre, das wars. Der ehemalige Stasi-Bunker trug den Namen Trachtenfest und sollte im Verteidigungsfall der Bezirkseinsatzleitung Suhl des Ministeriums für Staatssicherheit zur Aufrechterhaltung ihrer Führungsaufgaben dienen. Gleich zu Beginn der Führung erzählte uns Hartwich von den Baumaßnahmen des Bunkers. Baubeginn war 1972, die Fertigstellung des Bunkers erst 1985. Die Fläche des Bunkers unter Tage beträgt 3.600 Quadratmeter. Die Bauarbeiten des Aushubs erfolgten ausschließlich nachts, der Abtransport des Abraums per LKW Kolonnen über entfernte Waldwege. Für die Betonfertigung wurde extra ein Betonwerk in einem größeren Ort in der Nähe errichtet. Angeblich war der ganze Wald umzäunt, um neugierige Anwohner aus der Nähe fernzuhalten. Laut Hartwich wurden Neugierige aber schon durch den Bauherrn abgeschreckt. „Wenn der Name Ministerium für Staatssicherheit am Briefkasten steht, dann machtest du damals eh einen großen Bogen drumherum“. Nach der Wende wurde der Inhalt des Bunkers teilweise ausgeplündert und Vandalismus durch Jugendliche war an der Tagesordnung. Als das ganze Gelände dann in den Besitz der jetzigen Eigentümer ging wurde beschlossen, aus dem Bunker ein Museum zu machen. Was an Inventar fehlte oder in Trümmern lag, wurde nach und nach durch Spenden von „altem Gerümpel“ wieder auf den Stand zu seiner aktiven Zeit gebracht.

Hinter besagter kleiner Holztüre am Eingang, der ursprünglich als Versorgungsschacht diente, war der erste gemauerte Gang zu sehen, der ins Innere des Bunkers führte, vom Kondenswasser an einigen Stellen etwas feucht. In sehr anschaulichen Beschreibungen konnte uns Jörg Hartwich jeden Raum aufs Beste erklären, kein technisches Inventar, zu welchem er nicht die passende Erklärung parat hatte. Auch verstand er es bestens, die jeweiligen Truppenverbände und Situationen von Ost und West gegenüber zu stellen. Als Fazit kann man nur feststellen, dass ganz Deutschland seinerzeit im Kriegsfall der große Verlierer gewesen wäre. Die westlichen Mächte und Russland hätten an erster Stelle dafür gesorgt, dass sich die Deutschen zuerst untereinander gegenseitig aufgerieben und vernichtet hätten, ohne dass sich Amerika und Russland die Finger schmutzig gemacht hätten. Hartwich erklärte uns ausführlich die fachlichen Daten und Besonderheiten des Bunkers, wie zum Beispiel die Maßnahmen nach einer Kontamination von Gas ausgeschaut hätten. Welcher Ablauf nach und nach stattgefunden hätte, angefangen von den einzelnen Kammern mit Duschen, Umkleiden, Messstationen, bis eine Person im Falle des Falles von außen nach innen durchgeschleust worden wäre. Der ganze Bunker wäre durch rechtzeitig erfolgte Versorgung bis zu einem Jahr autark zu betreiben gewesen, bei einem Atomkrieg sechs bis acht Tage. Der Bunker verfügte über die damals modernste Nachrichtentechnik, hatte eine eigene (NEA) Stromversorgung , eine komplette Telefonzentrale mit Fernschreibern, aktuellste mobile Funktechnik mit einer abgesetzten Sendestelle. Die Stasi-Bezirkseinsatzleitung Suhl hätte ihren Bereich vollkommen autark regeln können. Neben der MfS Ausweichstelle Suhl gab es noch 15 weitere Bunkeranlagen über das ganze Staatsgebiet der ehemaligen DDR verteilt, sowie acht weitere Bunkeranlagen im Besitz und Betrieb der Stasi. Der Bunker Frauenwald ist deutschlandweit der einzige voll eingerichtete Bunker, der jederzeit wieder in Betrieb genommen werden könnte. Die Funkanlagen werden regelmäßig durch einen alten ehemaligen Funker, jenseits der 80 Jahre bedient, der sein Wissen an die Nachwelt sehr gern weitergibt. Laut Hartwich blüht der alte Mann dadurch regelrecht auf. Dadurch wird auch der technische Zustand der Funkanlage in Ordnung gehalten.

Die Führung durch den kompletten Bunker dauerte gute 90 Minuten und war äußerst informativ. Eine Besonderheit von Bunker und Waldhotel ist, dass man sich als kleine Gruppe ab vier Personen in die Zeit des Kalten Krieges zurückbeamen lassen kann und eine Übernachtung im Bunker buchen kann, inklusive Vergatterung zum Wachdienst, selber kochen nach damaligen Standards, Schlafen auf Etagenpritschen, frühmorgendliches Wecken und ähnliches. Ein mega Erlebnis für geschichtsaffine Leute oder Personen auf der Suche nach dem Besonderen.

Durch eine Bemerkung unseres Führers wurden wir auf das Waffenmuseum Suhl aufmerksam gemacht, welches wir uns im Anschluss an die Führung anschauten. Hunderte von Handfeuerwaffen aus allen Zeiten waren dort nebst einigen alten Dreh- und Ziehbänken zur Herstellung derer zu besichtigen. Anschließend fuhren wir wieder zurück zum Bunkermuseum und ließen uns im Waldhotel ein äußerst delikates Abendessen schmecken, ehe es wieder zum Festivalgelände ging.

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