Unsere Geschichte beginnt im schottischen Glasgow, wo in der Familie Young zwischen 1933 und 1953 acht Kinder in die Welt geboren wurden. Da die wirtschaftliche Situation im Schottland der 50er Jahre alles andere als rosig war, wanderten die Youngs, so wie viele andere andere Familien in diesen Jahren 1963 nach Australien aus und landeten in Sydney. Alexander Young blieb in der alten Heimat, um Musik zu machen. George Young gründete 1964 unter anderem mit einem gewissen Johannes Vandenberg, besser bekannt als Harry Vanda die Popgruppe Easybeats, die 1966 einige Hits in Australien vorweisen konnten, und mit „Friday on my Mind“ auch international einen großen Hit an den Start bringen konnten. Die Easybeats lösten sich aber bereits 1969 wieder auf. Vanda und Young blieben der Musikszene aber als Produzenten erhalten und gründeten immer wieder mal kurzlebige Projekte, unter anderem die Marcus Hook Roll Band, bei der auch Malcolm, Angus und ihr älterer Bruder Alexander mit von der Partie waren. Die beiden Youngsters der Familie, Malcolm und Angus bekamen von ihrem großen Vorbild George Gitarrenunterricht und gründeten alsbald ihre ersten Bands, mit denen sie in der elterlichen Garage fleißig übten. Beide Brüder lösten ihre jeweiligen Bands 1972 auf. Malcolm Young beschloss im Oktober 1973 einen neuen Anlauf zu wagen und gründete allein seine neue Band. Kurze Zeit später war der kleine Angus als Gitarrist mit dabei und sie suchten sich Mitstreiter für ihr Projekt. Diese waren unter anderem Larry van Kriedt, der neben dem Bass auch noch Saxofon spielte, und der Drummer Colin Burgess, der bereits seit 1968 mit den genialen Masters Apprentices einige Schallplatten aufgenommen hatte. Fehlte also nur noch ein Sänger, den sie per Zeitungsinserat suchten. Auf diese Annonce im Sydney Herald meldete sich Dave Evans und der Fünfer legte los. Ihre Musik war Rock der krachenden Sorte. Von ihrer Schwester Margaret bekamen sie ihren Bandnamen verpasst, als diese auf ihrer Nähmaschine die Kürzel AC für Wechselstrom (Alternate Current) und DC für Gleichstrom (Direct Current) las und der Meinung war AC/DC passte bestens zu ihrer kraftvollen Musik. Ihren ersten Auftritt hatte die Band am Silvesterabend 1973 im Club Chequers in Sydney.
Van Kriedt stieg aber bereits im Januar 74 wieder aus und wurde im Februar von Neil Smith ersetzt. Ebenfalls im Februar brachten AC/DC ihre erste eigene Single auf den Markt. „Can I sit next to you, Girl“ mit der Rückseite „Rockin‘ in the Parlour“, beide geschrieben von Malcolm und Angus Young und herausgekommen auf dem Albert Label. Den Bass hat darauf George Young übernommen aber mehr als ein Achtungserfolg wurde die Single nicht. Das Personalkarussell drehte sich rasant weiter. Im April 74 musste Colin Burgess die Band wegen Volltrunkenheit auf der Bühne verlassen. John Proud, Peter Clack und Tony Currenti nahmen jeweils für kurze Zeit auf dem Stuhl hinter der Schießbude Platz. Rob Bailey übernahm den Bass von Neil Smith und Dave Evans wurde von Malcolm Young wegen mehrerer Unstimmigkeiten aus der Band geworfen. Dessen Platz am Mikro ging an Ronald Belford Scott, genannt Bon, einen ebenfalls eingewanderten Schotten. Bon Scott hatte seine ersten musikalischen Erfahrungen vorher in den Bands The Spektors, The Valentines und Fraternity gesammelt. Langsam kristallisierte sich der härtere typische Bandsound heraus, für den AC/DC heute bekannt ist. Kompromissloser, schnörkelloser Sound, einfache gradlinige Rhythmen, teilweise Blues-basiert.
Nachdem mit der erschienenen Single ein erstes Ausrufezeichen gesetzt war, sollte natürlich auch ein Album folgen. Die zweite Hälfte des Jahres 1974 war die Band mit Schreiben und Studioarbeiten beschäftigt. Der stetige Austausch der Schlagzeuger manifestierte sich auf die Art, dass bei den Aufnahmen für das erste Album alle drei Drummer beteiligt waren. Ausführende Produzenten waren Harry Vanda und George Young. Am 17. Februar 1975 war es dann soweit – Mit der Katalognummer APLP 009 kam ihr erstes eigenes Album in die Läden, allerdings ausschließlich für den australischen und neuseeländischen Markt, und passend zum Bandnamen und ihrer harten Ausrichtung mit High Voltage betitelt, produziert, hergestellt und Vertrieb durch EMI Australia. Das Cover zeigt einen in Stein gehauenen Trafokasten, gesichert mit Stacheldraht und Warnschild vor rot/orangenem Hintergrund, welcher synonym für die rote Erde und die australische Sonne steht. Das Rebellische der Rocker zeigt ein kleines Hündchen, der sein Bein hebt und an den Kasten pinkelt.
Los gehts mit einer populären Coverversion … „Baby please don’t go“, aus der Feder von Big Joe Williams. Auf der ersten Auflage wurde der Song allerdings autorenrechtlich falsch zugeordnet, nämlich dem Blueser Big Bill Broonzy. Mit einem Rock’n’Roll Riff im 4/4 Takt auf Vollgas zeigen die Australier auch gleich, dass hier nicht mit angezogener Handbremse agiert wird. Malcolm spielt hier eine gnadenlos gradlinige Rhythmusgitarre, während Angus seine Powerchords aus der Hüfte abfeuert und im Mittelteil mit einem kleinen dezenten Solo glänzt. „Baby please don’t go“ ist der einzige Coversong des Albums, alle weiteren wurden von den Young Brüdern und Bon Scott geschrieben. „She’s got Balls“ nimmt gehörig Tempo heraus, treibt aber trotzdem vorwärts wie ein Roadtruck, der auf den staubigen Pisten quer durch den australischen Kontinent seine Meilen frisst. Es ist eigentlich eine Hommage an eine imaginäre Partnerin, die nicht nur das Heimchen am Herd ist, sondern richtige Eier in der Hose hat, sprich das Heft auch mal selbst in die Hand nimmt und ihrem Macker zeigt, was sie will. „Little Lover“ ist ein härterer Blues, welcher von einem Musiker und einem Girl handelt, welches dieser in der ersten Reihe eines seiner Konzerte entdeckt hat. Zwischenmenschliches wird auch im folgenden „Stick around“ abgehandelt. Sein Weibchen will ihn verlassen, er denkt an die schönen gemeinsamen Zeiten zurück und bettelt sie an, doch bei ihm zu bleiben. Nach knapp zwanzig Minuten findet die erste Seite ihr Ende, eine Seite die eigentlich ein durchgehendes Hauptthema beinhaltet. Mann – Frau – Beziehung – Trennung – Rock’n’Roll.
Die zweite Seite fängt thematisch ähnlich an … „Soul Stripper“ zeigt allerdings eine Besonderheit auf. Hier bestimmt ein prägnanter Basslauf von Rob Bailey den Song, der in den ersten zwei Minuten rein instrumental gehalten ist. Der zweite Teil des Songs beinhaltet ein schon etwas längeres Gitarrensolo von Angus Young. Geschrieben wurde „Soul Stripper ausschließlich von den beiden Youngs. „Wir hatten unseren Spaß, aber du kannst mich eh nicht festhalten, drum lass mich gehen“. Das ist die Kernaussage von „You ain’t got a hold on me“. Die Geschwindigkeit wurde etwas gedrosselt, der simple Rhythmus ist etwas abgehackt. Ein einfaches Bumm-Zack-Bumm-Zack … mehr ist nicht – reicht aber auch, wenn man ehrlich ist. Fast theatralisch beginnt der „Love Song“, der etwas in ein progressives Gewand gepackt wurde. Der Track wandelt sich zu einer schnelleren Powerballade, ein Liebeslied an seine geliebte Jean. „Love Song“ ist eine willkommene Abwechslung, eben weil er vom gewohnten Schema „F“ abweicht, nach welchem sich AC/DC bisher ausgerichtet hatten. Rock‘ and ’n’Rollig wirds beim abschließenden „Show Business“, welches von den Höhen und Tiefen im Show Business erzählt. Mehr Schein als Sein, und egal ob du abgerockt bist oder nicht – die Show muss weitergehen.
High Voltage ist ein Männeralbum. Ehrliche handgemachte Musik, die nach Schweiß, Erde, Diesel und Rock’n’Roll dünstet. Hier gibt’s keine Umschweife, kein hin und her Geschlängel. Hier wird mit einfachsten Mitteln erbarmungslos nach vorn getrieben. High Voltage ist mehr als ein Achtungserfolg. Dieses Debutalbum ebnete dem australischen Fünfer seinen Weg an die Weltspitze des Hardrock. Doch aktuell sind wir immer noch auf Australien und Neuseeland beschränkt. Beflügelt vom Erfolg legten AC/DC nach und schon am 1. Dezember desselben Jahres kam der Nachfolger von High Voltage auf den Markt, ebenfalls wieder auf das andere Ende der Welt beschränkt. Ihr zweites Album, T.N.T. betitelt, kam natürlich genauso an, und so musste Amerika und Europa erobert werden. Erst 1976 kam weltweit ein ebenso High Voltage betiteltes Album auf den Markt, welches eine Zusammenstellung der ersten beiden australischen Alben beinhaltet. Von da an war ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten, der australische Diesel bollerte sich weltweit in die Charts und die Herzen ihrer Fans.
AC / DC – High Voltage
A1 – Baby please don’t go
A2 – She’s got Balls
A3 – Little Lover
A4 – Stick around
B1 – Soul Stripper
B2 – You ain’t got a hold on me
B3 – Love Song
B4 – Show Business
