LP: Pink Fairies – Resident Reptiles


Die Pink Fairies … 1969/70 in London aus den verbliebenen Resten der Deviants von Paul Rudolph und Russ Hunter an den Gitarren und Duncan Sanderson am Bass gegründet, als sie den ehemaligen Drummer der Pretty Things, John Alder, alias Twink auf seiner LP Think Pink begleiteten. Das Quartett verstand sich bestens und sie machten fortan als Pink Fairies weiter. Twink stieg nach der ersten LP Never-Neverland wieder aus und kurze Zeit später kam erst Trevor Burton, Mitgründer von The Move, dem musikalischen Vorläufer des Electric Light Orchestras, und dann Larry Wallis zur Band. Wallis hatte mit der Band Shagrat eine gemeinsame Vergangenheit mit Twink. Über die Bands Bloodwyn Pig und Ufo landete er dann bei den Elfen. Zwei weitere LPs wurden 1972 mit What a Bunch of Sweeties und 1973 mit Kings of Oblivion veröffentlicht. Wallis wurde dann 1975 von Ex-Hawkwind Basser Lemmy Kilmister für seine neu gegründeten Motörhead verpflichtet, bei denen er aber auch nicht lange blieb. Nach diesen drei hervorragenden Longplayern, die heutzutage gesuchte Sammlerstücke sind, löste sich die Band auf, kam aber schon 1975 wieder für ein kurzlebiges Aufflackern zu einem Konzert zusammen. Die einzigen Konstanten waren Sanderson, Hunter und Rudolph. 1987 kam es zu einer erneuten Reunion und seitdem kommen immer wieder mal neue Scheiben aus dem Hause Pink Fairies auf den Markt. War es zu Anfang noch psychedelischer Drogensound, mit dem man meistens vor Hippies auftrat, wandelte sich die Musik der Band zunehmend in Richtung knalligen Punk-Rock. Die frühen LPs hatte ich seit zig Jahren in meiner Sammlung, aber vor kurzem wurde mir auf YouTube ein Video der Fairies aus dem Jahr 2018 vorgeschlagen. Ja wie – die gibt’s noch? Also kurz reingehört und die Vinylplatte sofort bestellt und gekauft.

Resident Reptiles kommt in einem bunten Comic-Cover und stilecht und passend zum Bandnamen in schweinchenrosafarbenem pinken Vinyl. Die Besetzung besteht aus Paul Rudolph an Gitarre und Gesang, Alan „Boomer“ Davey, langjähriges Mitglied von Hawkwind am Bass und den Backing Vocals, und Lucas Fox am Schlagzeug und ebenfalls Backgroundgesang. Fox war seinerzeit Mitgründer von Motörhead, bevor er nach sechs Monaten von Phil „Animal“ Taylor ersetzt wurde und er dann bei Warsaw Pakt oder dem Sisters of Mercy Ableger The Sisterhood spielte. Produziert wurde die Scheibe von Jürgen Engler, Mastermind und Sänger von den Krupps. Engler steuerte auch ein paar zusätzliche Gitarrenspuren bei.

Los geht’s mit dem Titeltrack „Resident Reptile“, einer vorwärts treibenden Punknummer, die wie eine Mischung aus Hawkwind und den Ramones klingt. Punkig geht’s mit „Old enuff to know better“ im gleichen Fahrwasser weiter. Beim dritten Track „Your Cover is blown“ geht das Tempo etwas zurück und man hört deutlich Lou Reed in seiner Krachphase als musikalische Blaupause heraus. Bei „Mirage“ wurden die Gitarren etwas tiefer angestimmt, aber das Tempo dafür wieder angezogen. Der Song könnte auf jedem Ramones Album seinen Platz finden, hat aber auch einiges an psychedelischen Momenten zu bieten. Seite B beginnt mit einem hawkwindesken Song namens „Whipping Boy“. Die Gitarren wieder etwas tiefer gestimmt und etwas schräg gesungen. „Monkey Chatter“ ist im harmlosen 4/4-Takt etwas harmlos zum Rest geraten, besticht aber durch eine obenauf gelegte Gitarren-Solo-Spur, die sich durch den Track sägt. Etwas langsamer als die anderen Songs, aber der Song entwickelt sich bei jedem Hören weiter. Das abschließende „Apologize“ fällt komplett aus dem bewährtem Rahmen. Waren alle anderen nach dem bewährtem treibenden Punk-Strickmuster gewebt, ist der letzte Song ein etwas langsamer gehaltener Progressiv-Track. Harte psychedelische Grooves, an denen die Hippies auf den Pink Fairies Konzerten um 1972 rum ihre wahre Freude gehabt hätten. Man kann sich die armschwingenden Kaftanträger im Drogenrausch um sich selbst kreiselnd bestens vorstellen.

Alles in allem ist Resident Reptiles von den Pink Fairies kein Must-Have für jede Plattensammlung. Große Innovationen sucht man hier vergeblich. Aber das Album macht gehörigen Spaß beim Hören. Eine gute Prise Punk vermischt mit dem Spacerock a la Hawkwind findet genügend Fans, die sich das Album in ihre Sammlung stellen. Sei es als schnöde CD oder eine der auf 500 Stück limitierten pinken Vinyl Scheiben. Ein kleines Problem dürfte lediglich sein, dass Resident Reptiles nur in den USA veröffentlicht wurde. So kommt halt noch ein etwas teurer Versand und eventuelle Zollgebühren dazu. Fazit: Kaufen – anhören – und Spaß haben.

Pink Fairies – Resident Reptiles 4 / 5

Tracklist:
A1 – Resident Reptile
A2 – Old enuff to know better
A3 – Your Cover is blown
A4 – Mirage
B1 – Lone Wolf
B2 – Whipping Boy
B3 – Monkey Chatter
B4 – Apologize

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