Flashback 50 – Eagles – One of this Nights – Juni 1975


One of These Nights markierte einen Wendepunkt für die Eagles und stellte ihren großen kommerziellen Durchbruch dar. Das Album zeigt die Band an einem Scheideweg – zwischen ihren Country-Rock-Wurzeln und einem stärker poporientierten Sound. Es war außerdem das erste Album mit Gitarrist Don Felder als festem Mitglied, wodurch das ursprüngliche Quartett zum Quintett wurde. Bemerkenswert ist, dass dies bis zur Veröffentlichung von Hell Freezes Over 1994 das einzige Eagles Album ist, auf dem alle fünf Mitglieder sowohl als Songwriter als auch als Leadsänger vertreten sind.

Die Eagles aus Angeles hatten sich zunächst als Country-/Folk-Rock-Band einen Namen gemacht und landeten mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 1972 gleich drei Top-40-Hits. Es folgte das quasi-konzeptionelle Album Desperado, das Parallelen zwischen den Rockstars der 1970er und den Gesetzlosen des Wilden Westens zog. Obwohl es kommerziell weniger erfolgreich war, etablierte dieses Album die Songwriting-Partnerschaft zwischen Glenn Frey und Don Henley. Für ihr drittes Album On the Border von 1974 holte die Band Produzent Bill Szymczyk ins Boot, der Don Felder hinzuzog, um dem Sound eine rockigere Note zu verleihen. Das Album enthielt den Song „Best of My Love“, der der Band ihren ersten Nummer-eins-Hit einbrachte und ihren Ruf als Top-Live-Act festigte. Die Aufnahmen zu One of These Nights erstreckten sich über mehrere Studiosessions in Miami und Los Angeles. Szymczyk und die Band wollten ihren wachsenden kommerziellen Erfolg voll ausschöpfen und legten großen Wert auf ausgefeilte Arrangements, musikalische Präzision und perfekt abgestimmte Gesangsharmonien. Das Ergebnis war das erste Album der Band, das an die Spitze der Charts kletterte.

Der Titelsong „One of These Nights“ wird von Randy Meisners pulsierender Basslinie und Henleys geschmeidigem Gesang getragen – unterlegt mit einem Disco-Rhythmus. Mit seinen hohen Gesangsharmonien und sinnlichen Untertönen markierte der Song eine klare Abkehr vom traditionellen Country-Rock-Sound der Band. Als Single vorab veröffentlicht, erreichte der Song im Sommer 1975 Platz eins der US-Charts. Meisner übernimmt den Leadgesang auf „Too Many Hands“, das er gemeinsam mit Felder schrieb. Der Song kombiniert akustische und elektrische Gitarren mit einem kräftigen Bass, was dem Stück einen satten Klang verleiht. „Hollywood Waltz“ ist eine gefühlvolle Country-Ballade im Walzertakt, mit Mandoline und Pedal Steel von Bernie Leadon, der als Hüter des Country-Sounds der Band galt. Das instrumentale Finale der ersten LP-Seite, „Journey of the Sorcerer“, bietet Leadon eine große Bühne: Er beginnt mit einem schlichten Banjo-Motiv, das sich nach und nach zu einem epischen Arrangement mit Streichern und Percussion entwickelt. Dieses Stück wurde später zur Titelmusik der Radiofassung von Per Anhalter durch die Galaxis.

Die zweite Seite des Albums beginnt mit „Lyin’ Eyes“, einer Erzählballade mit Frey als Leadsänger und Henley in der Harmonie. Leadon steuert wunderschöne Country-Gitarren bei, unterstützt von Meisners Bass und zwei akustischen Gitarren. Als zweite Single des Albums wurde der Song ein Top-10-Hit in den Pop- und Country-Charts und gewann einen Grammy für die beste Pop-Darbietung einer Gruppe. „Take It to the Limit“ gehört zu den stärksten Songs der Eagles überhaupt und ist ein Höhepunkt des Albums. Er wurde von Randy Meisner, Don Henley und Glenn Frey gemeinsam geschrieben. Meisners Leadgesang wird getragen von einem gemessenen Country-Walzertakt, begleitet von Streichern und Piano, gespielt vom Gastmusiker Jim Ed Norman. Der Song endet mit einem dramatischen Gesangsfinale, in dem Meisner beeindruckende hohe Töne hält. „Visions“ beginnt mit einem rockigen Intro mit bluesigen Gitarrenriffs und enthält Don Felders einzigen Leadgesang auf einer Eagles-Aufnahme, wenn auch etwas im Mix versteckt. Begleitet von mehrstimmigen Vocals zieht sich ein lebendiger Rhythmus durch den gesamten Track. „After the Thrill Is Gone“ ist eine melancholische Country-Ballade aus der Feder von Glenn Frey und Don Henley, die sich den Leadgesang teilen. Das Lied zeichnet sich durch herausragende Gitarrenarbeit von Felder und Pedal Steel von Leadon aus und zählt zu den unterschätzten Perlen der Band. Das Album schließt mit „I Wish You Peace“, geschrieben von Bernie Leadon und seiner damaligen Freundin Patti Davis, der Tochter des späteren US-Präsidenten Ronald Reagan. Leadon singt den ruhigen, folkigen Song, begleitet von E-Piano, akustischen Gitarren und Streichern. Ein später Gitarrensolo von ihm bildet seinen musikalischen Abschied – kurz nach der Veröffentlichung verließ er die Band.

Leadons Ausstieg ebnete den Weg für Joe Walsh, der beim nächsten Studioalbum Hotel California zur Band stieß – einem Album, das den Erfolg von One of These Nights noch übertreffen sollte. Zuvor veröffentlichten die Eagles jedoch die Compilation Their Greatest Hits (1971–1975), auf der auch drei Titel von One of These Nights enthalten sind. Diese wurde zum meistverkauften Album des 20. Jahrhunderts. In den USA mit vier Millionen verkauften Scheiben hieß das vierfach Platinum.

Eagles – One of these Nights
A1 – One of these Nights
A2 – Too many Hands
A3 – Hollywood Waltz
A4 – Journey of the Sorcerer
B1 – Lyin‘ Eyes
B2 – Take it to the Limit
B3 – Visions
B4 – After the Thrill is gone
B5 – I wish you Peace

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