The Story behind … Trio – Same


Unsere Geschichte beginnt fast zeitgleich im Westen und im hohen Norden der Republik. Im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Witten, kam im Oktober 1946 der kleine Stephan Remmler zur Welt. Hier verbrachte der kleine Stephan seine glückliche Kindheit. Ein paar Monate nach Remmler, im Februar 1947, brachte die Frau eines Wilhelmshavener Kapitäns einen kleinen Sohn zur Welt, der auf den Namen Gert Franz Alexander Krawinkel getauft wurde. Familie Krawinkel wohnte in Cuxhaven, wo der kleine Gert in seiner Schulzeit den Spitznamen „Kralle“ verpasst bekam. Nur drei Monate nach dem kleinen Gert brachte in Sanderhorst eine Frau ein uneheliches Kind von einem dort stationierten amerikanischen Soldaten zur Welt. Da in den 40er Jahren ein uneheliches Kind eine regelrechte Belastung für viele Frauen war, wurde der Bub zur Adoption freigegeben und eine Familie Behrens aus Varel adoptierte den Kleinen, wo er gut behütet aufwuchs und Peter genannt wurde.

Mitte der 50er Jahre kam der als Wirtschaftsprüfer arbeitende Vater Remmler bei einem schlimmen Verkehrsunfall ums Leben und die kleine Familie zog nach Bremerhaven wo die Großeltern mütterlicherseits das Capitol-Kino betrieben. Bremerhaven war im Gegensatz zu Witten das Tor zur großen Welt. Durch den dort ansässigen amerikanischen Soldatensender AFN lernt der kleine Stephan die amerikanische Musik kennen. Besonders Elvis Presley hatte es ihm angetan und so war Remmler 1958 im großen Pulk der Schaulustigen, die den Soldaten Elvis Presley bei seiner Ankunft in Deutschland bejubelten. Wegen der vielen dort stationierten Amerikaner wurde regelmäßig ein deutsch-amerikanisches Volksfest veranstaltet, wo der kleine Stephan begeistert die amerikanische Musik in sich aufsog. Er war ein regelmäßiger Gast im amerikanischen Teenage Club in Bremerhaven. In Cuxhaven gründete der 16-jährige Krawinkel 1963 seine erste Schülerband, The Vampyrs genannt, in der er die Gitarre spielte. Zur gleichen Zeit absolvierte der junge Peter Behrens in Oldenburg eine Ausbildung zum Fotografen. Mitte der 60er gewann Stephan Remmler einige Sängerwettbewerbe in Bremerhaven, die im Seebeck am Markt veranstaltet wurden. Aufgrund seiner sanglichen Überlegenheit durfte er irgendwann nur noch singen ohne im Wettbewerb zu zählen. Irgendwann kam Remmler mit Delf Jacobs in Kontakt und der überredete ihn, in seiner Beatband Bottles zu singen. Die Bottles benannten sich kurz drauf in MacBeats um und wenig später stieg der Gitarrist Kralle Krawinkel mit ein. Umbenennungen von Bands waren in den 60er Jahren groß in Mode und so war schon bald der nächste neue Name fällig – Just Us hieß jetzt die Formation. Wir befinden uns mittlerweile im Jahr 1966 … Just Us tingelte mäßig erfolgreich durch den hohen Norden Deutschlands, aber mehr als ein paar Achtungserfolge sprangen dabei nicht heraus. Immerhin wurden Just Us für zwei Wochen für den Hamburger Star-Club gebucht, aber gegen Ende 1968 lösten sich Just Us dann auf. Remmler absolvierte seinen Grundwehrdient in Cuxhaven und studierte anschließend in Hamburg Lehramt. Von 1965 bis 1968 erwarb sich Peter Behrens einen höheren Bildungsabschluss und begann ebenfalls ein Lehramtsstudium zum Grundschullehrer. Neben Musik studierte Behrens auch noch Germanistik und Sozialwissenschaften. Das darauffolgende Referendariat brach er jedoch ab und absolvierte seinen Wehrdienst, übrigens zusammen mit einem gewissen Klaus Meine, der zuvor in der Hannoveraner Band Shamrocks sang und ab und an die Gitarre spielte. Dieser Klaus Meine sollte ein Jahr später zusammen mit den Brüdern Michael und Rudolf Schenker eine neue Band namens Scorpions gründen. Nebenbei hatte sich Behrens das Schlagzeugspielen beigebracht und tourte mit diversen Swing- und Schlagerbands durch Norddeutschland und kam dabei einmal sogar bis nach Afrika. Bei der Formation P.U.P – Pop Unites People war er bis 1970 der Drummer. Nach der Auflösung von Just Us sammelte Kralle ein paar ehemalige Bandkollegen um sich und gründete seine neue Band Cravinkel. Progressiver Krautrock war das Ding der Stunde und sie ergatterten sich einen Plattenvertrag beim Philips Label für zwei Alben welche 1970 als selbst betiteltes Album Cravinkel und 1971 als Garden of Loneliness in den Plattenläden standen. Im September 1970 eröffneten sie das dreitägige europäische Gegenstück zu Woodstock, das Love and Peace Festival auf der Insel Fehmarn. Auf diesem Festival hatte übrigens Jimi Hendrix einen seiner letzten Liveauftritte. Ihr Mix aus hartem Progressivrock und Folk-Rock nach englischem Vorbild brachte aber keine nennenswerten Plattenverkäufe. Mit Cravinkel tourte Kralle als Vorgruppe für Frumpy und Spooky Tooth durch ganz Europa. Cravinkel lebten als WG in einem Haus in Volkmarst, welches Anfang 1972 in Flammen aufging. Dabei verloren die Musiker ihr komplettes Hab und Gut und lösten sich daraufhin auf.

Zur gleichen Zeit gründete Peter Behrens ebenfalls eine Krautrockband. Zusammen mit dem Gitarristen und Sänger Hajo Teschner, ehemals bei den Tonics und dem James Last Orchester, und dem Bassisten Werner Klug hoben sie die Band Silberbart aus der Taufe. Eine LP auf dem Philips Label namens 4 Times Sound Razing erschien 1972 und wie schon Cravinkel erlitten sie das gleiche Schicksal: Auflösung wegen Erfolgslosigkeit. Alle drei Alben sind heutzutage sehr gesuchte und teure Sammlerstücke. Stephan Remmler nahm einen anderen Weg, er tingelte als Schlagersänger durch die Lande, legte sich den Künstlernamen Rex Carter zu, weil man ja international klingen wollte, und brachte 1971 zwei Singles, ebenfalls auf dem Philips Label heraus. „I Know It’s Over / Now I’m Leaving Home“ und „Ich Liebe Die Sonne (Ich Liebe Das Leben) / Melanie“ waren die vier Songs. Aber wie sollte es anders sein … wie schon bei Behrens und Krawinkel war auch die Karriere von Stephan Remmler bald wieder am Ende. Remmler arbeitete in den 70er Jahren als Hauptschullehrer in Bevern und als Musikdozent an der Oldenburger Universität, Krawinkel arbeitete nach der Auflösung seiner Band nach abgeschlossenem Studium ebenfalls als Lehrer und spielte nebenbei in einigen Formationen die Gitarre wie zum Beispiel den Emsland Hillbillies. Peter Behrens trommelte in den 70er Jahren für verschiedene kleine Bands und ging Ende des Jahrzehnts für ein Jahr nach Italien auf die Mailänder Artistenschule, Schwerpunkt Clown. Im Januar 1979 wurde ein Reunion Konzert von Just Us veranstaltet, welches auf große positive Resonanz stieß. Aufgrund dieses Erfolges kündigten Remmler und Krawinkel ihre Stellen als verbeamtete Lehrer und wagten einen zweiten Anlauf. Sie gründeten die Just Us Music Productions GmbH, liehen sich Geld von Freunden, die an ihren Erfolg glaubten, mieteten ein Haus im Oldenburger Stadtteil Großenkneten und versuchten sich an unzähligen Bandprojekten unter dem Namen Wind. Teilweise probten über 20 verschiedenen Musiker in dem Haus, in dem sie auch als WG wohnten. Songs wie „Energie“ oder „Nasty“ wurden in dieser Zeit bereits entwickelt und in einer komplett anders arrangierten Form geprobt. Auf eine Zeitungsannonce meldete sich der arbeitslose Peter Behrens bei den beiden und die drei verbrachten den Großteil der Tage beim Üben. Die Chemie stimmte zwischen den dreien, sie beschlossen, nur noch zu dritt weiter Musik zu machen, weil das Ganze ohne Bass eh viel besser klang, und erarbeiteten ein Konzept für eine genau durchdachte Bühnenshow. Ein neuer Name musste her und passend zum Gesamtkonzept nannten sie sich fortan Trio.

Am 20. Dezember 1980 gaben sie ihr erstes Konzert im örtlichen Gasthaus Kempermann und luden dazu ihre Freunde und Geldgeber ein. Es wurde ein voller Erfolg. Im Anschluss an den Auftritt erklärte Remmler den Anwesenden das Konzept von Trio. Drei Wochen später produzierte Trio in Eigenregie eine 10″ Inch Mini EP mit den drei Songs „Lady-O-Lady“, „Sunday you need Love Monday be alone“ und der Liveaufnahme „Broken Hearts for you and me“. Mit dieser EP stellten sie sich bei über 20 Plattenfirmen vor und ernteten nichts als Absagen. Irgendwann wurde dem Hamburger Musikmanager Louis Spillmann von der Phonogram eine der EPs vorgelegt und er wurde beim Hören angenehm überrascht. Daraufhin besuchte er ein Konzert von Trio in Meyenburg und war beim Anblick der Show von den Socken. Er bot der Band einen Vertrag über drei Jahre für eine fünfstellige Summe an und Trio sagte zu. Als Produzent für ihre erste LP wurde Klaus Voormann bestimmt. Beatles-Intimus Voormann spielte in den 60ern Bass bei Manfred Mann und der Plastic Ono Band von John Lennon. Er galt als der fünfte Beatle. Auch war Voormann das Bindeglied und der Vermittler zwischen Management und Band. Im Sommer 1981 begannen die Aufnahmen in Husum, im Studio der Band Lake. Das Cover zeigte lediglich den Schriftzug Trio, zwei Herzen und den vergrößerten Adress-Stempel der Band mit ihrer Adresse auf der Vorderseite, und auf der Rückseite eine handschriftliche Titelliste der Songs nebst Katalognummer und dem Logo ihrer Plattenfirma Mercury. Die Produktionskosten betrugen 40.000 DM und im Oktober 81 kam die Platte auf den Markt.

„Achtung Achtung“ ist der Opener er ersten Seite und eigentlich nur eine kurze, halbminütige Einleitung ins Album. Simple Taktung, eine schräg schrammelnde Gitarre und die gesprochene Stimme Remmlers durch ein Megaphon. Das folgende „Ja Ja Ja“ ist eine vollgasige fast punkige live gespielte Pogo Nummer, wo sowohl Stimme als auch Drums stakkatoartig abgehen. Kirchenglocken läuten das langsamere „Kummer“ ein. Bestimmt wird der Track von den wenigen prägnanten Gitarrentönen … einfacher geht’s kaum. Das Ganze kommt einem fast vor wie ein zäher Weltuntergangsblues. Dazu ein kleines Solo, auf dem Casio Keyboard gespielt, vermischt sich mit den schrägen Gitarrentönen zu einer Kakophonie der Depression. Trommelwirbel und ein Ansager wie bei der Tanzstunde … so beginnt die erste englischsprachige Nummer auf der Platte. „Broken Hearts for you and me“ war die Studiofassung eines Songs, der auf ihrer ersten selbst produzierten Demo 10″ Inch EP in einer Livefassung drauf war. Gerade – einfach – schräg – zäh – genial.

Wir bleiben im Englischen … „Nasty“ ist wieder eine Nummer, in der aufs Gaspedal gedrückt wird. Punkiger Pogo mit allerhand sehr schräger Gitarre, manchmal sogar ins atonale abrutschend. Ein Song der unweigerlich den Kopf mitwackeln lässt und Spaß macht. „Nasty“ ist eine der Anfangsnummern, die sie schon zu Pre-Trio Zeiten mit dem Projekt Wind konzipiert hatten. Gleiches gilt für das nachfolgende „Energie“. Der Rhythmus kommt aus einem kleinen Casio Keyboard und bleibt sehr spartanisch. Der Song ist eine Art Reggae und klingt eigenartigerweise wie ein alter Schlager aus den 60ern in eben diesem verschleppten Reggae-Rhythmus. Das Prägnante ist hier die klare Stimme von Stephan Remmler. Das ist auf eine lustige Art genial. Punkig schneller wird’s wieder bei „Los Paul“. Trommelwirbelartiger stetiger Rhythmus wird begleitet von Remmlers Megaphonstimme und Fetzen aus gesprochenen Radioübertragungen. Der Track endet abrupt nach zweieinhalb Minuten mitten im Takt und beschließt damit die erste Seite der LP.

Seite Zwei beginnt mit einem Telefongespräch. Eine groovende Gitarre im Mid-Tempo wird begleitet von Remmlers Gespräch mit seiner geliebten Sabine. Gesungen wird hier eigentlich nur der Refrain „Sabine Sabine Sabine“ und einem Backgroundgesang „I love you“. Ein Liebeslied der etwas anderen Art mit … keinem Happy End. „Sunday you need Love Monday be alone“ ist wieder einer der Songs der Demo-EP mit der Trio bei den Plattenfirmen hausieren gegangen waren. Los geht’s mit einem einfachen Rhythmus a la Bum-Zack-Bum-Zack, der sich stupide monoton durch den ganzen Track zieht. Dazu kommt eine etwas gedämpfte Gitarre, die im Hintergrund vor sich hin schrammelt. Die Vocals sind eine Art Sprachgesang in einem stark deutsch akzentuiertem Englisch. Remmler erinnert mich hier manchmal etwas an Lou Reed zu seinen Velvet Underground Zeiten. Bei „Nur ein Traum“ sind die Strophen trotz deutschem Titel auf Englisch gesungen. Nur der immer wiederkehrende Refrain „Nur ein Traum“ erklingt auf Deutsch, zumindest zwei Drittel davon. Der Song beginnt mit einem rockigen Gitarrenriff und dem holprigen Englisch von Stephan Remmler. Nach gut zwei Minuten nehmen Trio das punkige Tempo fast komplett raus und die letzte Minute zieht sich zäh wie Kaugummi langsam bis zum Ende. Stephan Remmler singt dann nicht mehr, sondern verfällt in einem langsamen Erzählkanon in deutscher Sprache. „Ja Ja wo gehts lank Peter Pank Schönen Dank“ ist wieder im punkigen Vorwärtstrab gehalten. Beginnend mit Schrammelklampfe und einsetzendem Trommelwirbel und dem Sprachgesang von Remmler. Der Refrain besteht aus einem immer wiederkehrendem „Ja Ja“ von Kralle und Peter. Ein sattes Gitarrenriff führt uns durch den Song „Ya Ya“. Im Mid-Tempo gehalten ist der Track eine eingängige Nummer. Der wiederkehrende Refrain „Sittin‘ in the La La, waitin‘ for the Ya Ya“ hat fast was Hypnotisches, man singt automatisch mit, auch wenn man die Nummer vorher nicht kannte. In der Mitte kommt sogar ein Mini-Solo auf Stephans kleinem tragbaren Casio Keyboard vor. Mit einer stupiden Gitarrenschleife leitet Kralle „Danger is“ ein. Diese Gitarrenspur zieht sich penetrant wiederholend durch den ganzen Song. Der Sprechgesang von Remmler ist der kleinste Part von „Danger is“. Der Refrain besteht aus einem relativ grell gesungenem „Danger is“ – mehr nicht. Das abschließende „Trio“ ist eigentlich nur eine kurze musikalische Spielerei, bei der der „Banana Boat“-Song von Harry Belafonte verballhornt wird. Aus „Day-ooh“ wird ein lang gezogenes „Triiiooo“, eingerahmt von einem „Bommerlunder and we wanna go home“.

Einem kleinen Teil der Erstauflage lag eine Bonus-Single mit zwei Songs bei. Die A-Seite „Halt mich fest ich werd verrückt“ ist eine kurze punkig dahingaloppierende Liveaufnahme, welche nur aus einem stakkato-artigen Trommelwirbel und genau drei einzelnen Gitarrentönen ist. Die erste Strophe singt Remmler noch auf Englisch, während der Refrain und die beiden weiteren durchgehend dann deutsch gesungen werden. Die Rückseite der Single ist eine neu eingespielte, etwas kürzere Version von „Lady-O-Lady“, einem Track von ihrer ersten 10″ Inch EP. Während der Song zuvor noch mehr gitarrenbetont in einem monoartigen Charakter gehalten war, überzeugt er auf der Bonus 7″ Inch in einem deutlich klareren Stereo Mix, in dem die Gitarre etwas in den Hintergrund gerückt wurde und so ein ausgewogeneres Klangbild vorherrscht. Sturer Minimalismus bis zum letzten Ton.

Die Songs wurden alle von Remmler und Krawinkel geschrieben, ihre Namen tauchten lediglich auf den Labels auf dem Vinyl auf. Peter Behrens, der am Songschreiben gar nicht beteiligt war, wurde auf der Platte überhaupt nicht erwähnt. Ein kleiner Fun-Fact am Rande: Der Straßenname „Regenter Straße“ wurde auf dem Cover falsch in einem Wort geschrieben. Ein kleiner Teil der Erstauflage wurde mit einer ans Cover geklebten Bonus-Single, sowie einem Kofferhenkel aus dickem Papier ausgeliefert. Komplette top erhaltene Exemplare mit Henkel und Single erzielen heutzutage Preise von mehr als 200 Euro.

Die LP war nun veröffentlicht und es musste Promotion gemacht werden. Ein erster Auftritt im Fernsehen fand statt und die Platte musste durch Konzerte beworben werden. Trio wollten aber weder in großen Städten noch in großen Hallen spielen. Louis Spillmann schickte die drei also quer durch die Republik, wo sie etwa 50 kleine kurze Konzerte in Kaufhäusern und Plattenläden live spielten, also genau da, wo es ihre Platte zu kaufen gab. Von Klaus Voormann hatte Remmler ein kleines Kinderspielzeug Keyboard geschenkt bekommen. Auf dem Casio VL-1 klimperte Remmler einfach nur zum Spaß herum. Mit dem eingebauten Rhythmus-Preset „Rock 1“ und ein paar gespielten Tastentönen war der Grundstock für den großen Mega-Hit von Trio schon komplett. Ganz zum etwas dadaistischen Konzept passend, sang Stephan Remmler dazu „Da Da Da – Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“ in stoischen Wiederholungen, nur leicht abgewandelt. Dazu drei, vier Zeilen Strophe und fertig war ein kleiner Song, welcher auch live dargeboten wurde und beim Publikum gut ankam. Voormann beschloss, den Song als Single zu produzieren. Im Studio der befreundeten Schweizer Avantgardeband Yello wurde „Da Da Da“ dann fertig produziert. Erstmalig spielte auch Klaus Voormann am Bass darauf mit und die Sängerin Annette Humpe von der Band Ideal sang den Background. Einige Auftritte im Fernsehen (Bananas, ZDF-Hitparade, Rockpalast) brachten für Trio dann den nationalen Durchbruch als die Single im Februar 1982 veröffentlicht wurde. Dieser Erfolg spülte natürlich auch die LP ins Bewusstsein der Leute und sie musste nachgepresst werden, dieses Mal aber mit dem zusätzlichen Track „Da Da Da“ auf der Titelliste. In England durften Trio ihren Hit in der Sendung Top-of-the-Pops vorstellen und brachten sich damit international ins Gespräch, da sie Sendung weltweit ausgestrahlt wurde. Mittlerweile wurde „Da Da Da“ weltweit 13 Millionen mal verkauft. Das minimalistische Konzept von Trio war bis ins Einzelne durchdacht. Die übliche Bühnenaufteilung von Bands durchbrachen Trio mit einem strikten „Alle in einer Reihe“. Optisch war Remmler immer in Sakko oder Mantel gekleidet, Kralle grundsätzlich in Jeans mit Mütze und Behrens spielte sein reduziertes Drumset ganz in weiß mit roten Hosenträgern grundsätzlich im Stehen. Oftmals nur mit einer Hand trommelnd, aß er während der Auftritte Äpfel oder nahm eine Axt als Triangel-Schlegel. Vieles vom Konzept wurde inspiriert von der Commedia dell’arte durch Peter Behrens‚ Clown-Ausbildung in Mailand. Auch stand die Zahl „3“ immer im Mittelpunkt. Drei gleiche Wörter als Songtitel, in denen oftmals wieder die „3“ vorkommt. Nach der zweiten Single „Anna – Lassmichrein lassmichraus“ zog sich Trio etwas aus der Öffentlichkeit zurück und gab keine Konzerte mehr, lediglich im TV konnte man Trio noch sehen.

Apropos „Anna – Lassmichrein Lassmichraus“ … Hier empfehle ich die 82er Maxisingle. Während „Kummer“ auf der LP lediglich 2:38 Minuten lang ist, ist auf der Rückseite der Maxi die Liveaufnahme 5:41 lang und Kralle spielt ein Gitarrensolo, welches eigentlich fast nur ein einzelner angeschlagener Ton auf immer wieder derselben Gitarrensaite mit ein paar Modulationen ist. Eine Saite + ein Ton = Solo. Genialer Minimalismus pur und perfekt ins Gesamtkonzept von Trio passend. Ihr eigentlich zweites Album war eine Liveaufnahme namens Live im Frühjahr 82, welches aber nur auf Musikkassette veröffentlicht wurde. Kralle Krawinkel trat der Band von Marius Müller-Westernhagen bei und veröffentlichte in der Folge mit diesem mehrere Alben. Anfang 1983 begannen die Arbeiten am zweiten Album der Band. Nach der zuerst ausgekoppelten neuen Single „Bum Bum“ war das Album Bye Bye rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft fertig und in den Läden. Darauf enthalten war sogar ein Weihnachtslied „Turaluraluralu – Ich mach BuBu was machst du“. Das bisherige Konzept der strikten „3“ löste sich bereits etwas auf. Voormann spielte auf Bye Bye oftmals mit dem Bass mit.

Das Jahr 1984 sollte eine Zäsur für Trio bedeuten, sie machten schlichtweg Pause. Peter Behrens zog nach Baden Baden, Remmler an den Starnberger See, nur Kralle blieb im Haus in Großenkneten. Gegen Ende 1984 vereinigte sich die Band wieder und die Arbeiten für das dritte Album What’s the Password begannen. Parallel dazu spielten Trio in einem Spielfilm des deutschen Regisseurs Dominik Graf die Hauptrollen, Drei gegen Drei, eine klamaukige Verwechslungskomödie mit vielen bekannten deutschen Schauspielern. Kommerziell war der Film ein grandioser Flop und auch musikalisch entfernten sich Trio immer weiter vom dadaistischen Konzept der ersten Tage. Whats the Password klang manchmal wie ein x-beliebiges Album einer x-beliebigen Band. Da Peter Behrens durch einen Gefängnisaufenthalt nicht verfügbar war, spielte Curt Cress alle Schlagzeugparts ein. Der Bass wurde von Klaus Voormann und Dieter Petereit, ex- Passport und Triumvirat eingespielt. Es war musikalisch und kommerziell nur noch ein Abgesang.

Ab Mitte der 80er spielten Behrens und Krawinkel sporadisch immer wieder in Spielfilmen mit und brachten relativ erfolglose Soloplatten unter die Leute. Lediglich Stephan Remmlers musikalische Ergüsse brachten einen kommerziellen Erfolg. „Keine Sterne in Athen“ oder „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ wurden sogar zu kleineren Hits in den Charts. Peter Behrens kam ab dieser Zeit in den deutschen Medien nur durch seine Alkohol- und Drogensucht vor, Ladendiebstahl und Gefängnisaufenthalt inbegriffen. Nach der Überwindung seiner Süchte arbeitete Behrens als Streetworker. Im Jahr 2013 veröffentlichte Behrens seine ehrliche Autobiographie „Der Clown mit der Trommel“, für die er 2014 den deutschen Biographiepreis erhielt. Krawinkel hatte sich aus der Musik weitgehend zurückgezogen und frönte seinen Hobbys Olivenzucht und Westernreiten. Remmler machte immer wieder Soloprojekte oder spielte bei Peter Maffays Tabaluga mit. Im Herbst 2013 wurde bei Kralle Krawinkel Lungenkrebs festgestellt ,an dessen Folgen er am 16. Februar 2014 verstarb. Nur knapp zwei Jahre später starb Peter Behrens an multiplem Organversagen. Die Trommel des Clowns verstummte für immer. Stephan Remmler machte nur noch sporadisch Musik und hat sich ab Ende 2016 komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Was bleibt als Fazit? Trio waren Bestandteil der Neuen Deutschen Welle, schwammen auf einer Welle mit Fräulein Menke, Joachim Witt, Kiz, Ideal, Nena, Rheingold, Fehlfarben, Peter Schilling und vielen weiteren deutschen Künstlern … doch was bedeutet denn der Begriff NDW eigentlich? Auf den Punkt gebracht ist die Neue Deutsche Welle nichts anderes als die typische New Wave der Angloamerikaner, sozusagen ein einheimischer Flügel dieser neuen Welle an neuen Tönen, Klängen und Stimmungen. Man kann die vielfältigen musikalische Abarten sowieso nicht auf eine einzelne festgelegte Richtung beschränken. Was hat Fräulein Menkes quietschiges „Tretboot in Seenot“ mit den „99 Luftballons“ von Nena oder Rheingolds „Paul ist tot“ gemeinsam? Klingen doch alle komplett unterschiedlich. Der gemeinsame Nenner war schlichtweg – Es ist neu!
Trio waren keine normale Band im herkömmlichen Sinn – Trio war ein Gesamtkonzept – zumindest am Anfang. Trio war der minimalistischste Zweig dieser neuen Strömung und jeder der „Da Da Da“ nur als Kitsch abtut, hat schlichtweg keine Ahnung. Das ist avantgardistische, dadaistische Musikkunst pur. Ein Vorreiter für so viele andere Bands und deutsches Kulturgut, welches seinesgleichen sucht.

Trio – Same
A1 – Achtung Achtung
A2 – Ja Ja Ja
A3 – Kummer
A4 – Broken Hearts for you and me
A5 – Nasty
A6 – Energie
A7 – Los Paul
B1 – Sabine Sabine Sabine
B2 – Sunday you need Love Monday be alone
B3 – Nur ein Traum
B4 – Ja Ja wo gehts lank Peter Pank Schönen Dank
B5 – Ya Ya
B6 – Danger is
B7 – Trio (Orig. Version: Banana Boat Song)
Bonus-Single
A1 – Halt mich fest ich werd verrückt
B1 – Lady-O-Lady

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