In dem idyllischen Städtchen Trevellas wird der erfolgreiche Unternehmer Michael Lobb brutal ermordet aufgefunden. Hat der Mord etwas mit dem geplanten Bauvorhaben zu tun, das in Cornwall seit Monaten für Aufruhr sorgt? Oder steckt Lobbs Familie hinter der grausamen Tat? Der erste Verdacht fällt auf Kayla, Michaels wesentlich jüngere Frau, die nach dem Tod ihres Mannes ein beträchtliches Erbe erwarten kann. Aber auch sein Bruder Sebastian würde von Michaels Tod erheblich profitieren. Doch dann führt eine heiße Spur ausgerechnet zum Anwesen der Ashertons, dem feudalen Stammsitz von Detective Thomas Lynleys Familie. Höchst alarmiert schaltet Lynley sich in die Ermittlungen ein und gerät gemeinsam mit DS Barbara Havers in ein gefährliches Labyrinth aus Habgier, Betrug und Neid, in dem die Suche nach der Wahrheit schon bald ein nächstes Opfer fordert.
(©2025 Susan Elizabeth George (P)2025 der Hörverlag)
Wer Zwietracht sät ist ein klassischer Elisabeth George-Krimi, der mit nüchterner Präzision, feinem Psychogramm der Figuren und einer dichten, düsteren Atmosphäre besticht. Als Hörbuch gelingt die Erzählkunst Georges besonders gut: Die klare, scharfsinnige Sprache der Autorin wird durch die passende Dramaturgie der Inszenierung sichtbar. Der Geschichte gelingt es, Spannung über längere Strecken zu halten, ohne in bloße Action abzurutschen. Stattdessen entfaltet sich die Psychologie der Figuren, ihre Motive und Konflikte tragen die Handlung.
George arbeitet oft mit einem komplexen Netz aus Verdächtigen, Altlasten der Vergangenheit und alltäglichen Konflikten, die in einer scheinbar geordneten Welt plötzlich kippen. Im Hörformat kommt diese Struktur besonders gut zur Geltung: Der Leser/die Hörerin wird behutsam von einer Spur zur nächsten geführt, ohne jemals das Gefühl zu verlieren, wer wen verdächtigt und welche Geheimnisse sich hinter Fassaden verbergen. Die Atmosphäre ist typisch britisch-düster: kühl, präzise, mit feinem Gespür für soziale Nuancen.
Ein Markenzeichen von George sind vielschichtige Charaktere: Figuren mit Ecken und Kanten, deren Motive oft komplexer sind als eine einfache Gut-Böse-Kontrolle. Im Hörbuch kommen diese Nuancen durch Stimmführung, Tempo und Betonung besonders gut zur Geltung. Die Hörerschaft erhält Einblicke in Unsicherheiten, Konflikte und geheime Belastungen, die Handlungen plausibel erklären, aber auch neue Fragen aufwerfen. Diese Ambivalenz sorgt dafür, dass das Hören fesselt und zum Nachdenken anregt.
Wer Zwietracht sät verzichtet nicht auf Wendungen, bleibt aber im Ton der Serie verlässlich: Kein überhastetes Tempo, dafür eine beharrliche, methodische Entschlüsselung von Motiven, Alibis und Zeitebenen. Die Spannung entsteht aus der Vernetzung von kleinen Handlungen, scheinbar beiläufigen Details und den Beziehungen zwischen den Charakteren. Als Hörbuch erzeugt diese Struktur eine intensive Mitführung: Man fühlt sich als Teil des Ermittlungsprozesses, entdeckt Hinweise gemeinsam mit den Protagonisten und erlebt Überraschungen, die organisch aus der Erzählung wachsen.
Die Wahl des Sprechers Stefan Wilkening trägt maßgeblich zum Hörgenuss bei. Ein profilierter, nuancierter Sprecher schafft es, die feinen Nuancen der Figurenstimmen, deren innere Konflikte und moralische Zwischentöne in klarem Vortrag zu transportieren. Der richtige Sprechrhythmus, Pausen und Tonlage unterstützen die Atmosphäre.
Dieses Hörbuch richtet sich an Fans von Elisabeth George, Krimi-Leser, die feine psychologische Spannung mögen, sowie Hörerinnen und Hörer, die Wert auf interessante Figurenentwicklung legen. Es eignet sich gut für lange Pendelstrecken, gemütliche Abende zuhause oder als spannend-dieses-wird-nicht-zu-leicht-Hörerlebnis unterwegs. Wer Krimis mit realistischen Charakteren bevorzugt, kommt hier voll auf seine Kosten.
5/5
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Elisabeth George – Wer Zwietracht sät (Linley-Reihe Nr. 22)
Hörverlag, 2025
Hörbuch: 22:40h
Hardcover: 752 Seiten
