27.12.12 – Dark End Festival München


Einmal mehr luden MONO INC. zu den Dark End Festivals ein. Am 27.12. machte die Tour Halt in München und präsentierte vier Bands, die ganz heiß darauf waren, die bayerische Hauptstadt zu rocken. Nur vier? Ja, denn aufgrund interner Differenzen fehlte ROTERFELD. Aber auch die verbliebenen Acts gaben ihr Bestes und rockten das Backstage Werk.

Unzucht

Als es das erste Mal dunkel wird, betreten die Mannen von UNZUCHT die Bühne. Vor einem noch nicht ganz vollen Werk gibt das Quartett seinen Einstand in München. Wie lange hat der Süden darauf warten müssen, die Industrial-Goth-Rocker aus Hameln hier zu sehen? Sie werden gut aufgenommen, denn natürlich kennt man sie und das aktuelle Album Todsünde 8. Leider haben sie wenig Zeit und können nur acht Lieder performen, aber das machen Schulz und Co dafür mit immenser Leidenschaft. Drummer Fuhrmann sitzt grinsend hinter seinem Set und drischt darauf ein. Er hat Spaß und es macht richtig Laune, ihm dabei zu zusehen. Auch Bassist Blaschke fingert gekonnt an den Saiten herum und haut richtig rein. De Clercq bearbeitet nicht nur seine Gitarre, sondern singt auch hier und da einige Parts mit. Wie üblich schickt er gespielt böse Blicke ins Publikum, worauf es nur gewartet hat. UNZUCHT kommen gut an, es wird geklatscht, mitgesungen, geheadbangt. Fronter Schulz versteht es, gute Laune zu verbreiten. Er kommt absolut sympathisch rüber, lächelt viel, leidet mit seinen Texten mit oder schleudert Schmerz und Wut in den Saal. Es macht unheimlich Freude, ihm dabei zu zusehen, wie er tanzt, in die Menge winkt, Gesichter erkennt und grüßt und immer wieder interagiert. Schließlich nimmt er ein Bad in der Masse, lässt sich auf Händen tragen, umarmt Menschen im Publikum.
Ein fantastischer Auftritt, leider etwas kurz, aber im Januar kommen sie ja schon wieder.
Setlist:
Todsünde 8
Auf Sturm
Unzucht
Deine Zeit läuft ab
Der letzte Tanz
Engel der Vernichtung

Lord Of The Lost

Zu viert kommen sie auf die Bühne: LORD OF THE LOST müssen ohne Keyboarder und Multitalent Gared Dirge auskommen, der krank zu Hause geblieben ist. Das verbliebene Quartett gibt sich alle Mühe, aber der Mann im Hintergrund fehlt einfach. Nichts destotrotz geben die Hamburger alles. Bo Six brüllt ins Mikro, schrammelt über die Saiten seiner Cyan und ist einmal mehr der Gitarrist aus Leidenschaft, der genau da steht, wo er hingehört: auf der Bühne. Mit nacktem Oberkörper kommt Class Grenayde nach vorne, versinkt in der Musik, headbangt, lacht hier und da schüchtern und geht auch gerne mal auf die andere Seite. Die Aufforderung des Frontmannes, dasselbe zu tun, versteht allerdings Bo nicht ganz, weshalb Chris Harms erst lacht und per Fußstupser die Aufmerksamkeit seines Gitarristen auf sich lenken möchte. Dieser denkt jedoch an ein Spiel, stupst zurück und handelt sich einen liebevollen Tritt in den Hintern ein. Sie verstehen sich, gehören zusammen und vermitteln das familiäre Miteinander an die Fans. Drummer Disco sitzt einmal mehr im Schatten, gibt den Takt an und lässt die Sticks ordentlich glühen. Auch diese Formation wird gut aufgenommen, bejubelt und besungen. Das Publikum gibt sich textsicher, denn Sänger Harms schweigt bei „Dry the rain“, als es Probleme mit der neuen Gitarre gibt. Diese ist im Übrigen keine „Gitarre“, sondern ein wundervolles dreisaitiges Bass-Gitarren-Monster, das vor allem eins kann: tief klingen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Unikat bei der bevorstehenden Tour noch mehr zur Geltung kommen wird.
Fronter und Goldkehlchen Chris lässt aber letztere Qualitäten ein bisschen vermissen. Teilweise wirkt er fahrig und abgelenkt, mühevoll konzentriert und ein bisschen verloren, als müsse er an diesem Abend jemandem, vielleicht sogar sich selbst, etwas beweisen. Sein stimmliches Volumen kommt nicht vollständig zum Tragen. Ob er angeschlagen ist, vermag ich nicht zu sagen, aber man kennt ihn anders.
Zum Schluss wird der fehlende Gared symbolisch in die Mitte genommen. Eine feine Geste, die einmal mehr den Zusammenhalt der Band beweist.
Trotzdem ist es ein gelungener Auftritt und München erwartet LORD OF THE LOST im Januar erneut.
Setlist:
Die Tomorrow
Black Lolita
This Is The Life
Blood For Blood
Sex On Legs
Break Your Heart / Prologue
Dry The Rain
Credo

Megaherz

Heimspiele sind immer das Größte. Nicht nur für die Bands, vor allem auch für die Fans sind dies unvergessliche Konzerte. So ist es auch an diesem Abend: MEGAHERZ spielen in München, das zieht viele Leute an, die Lex und seine Mannen endlich mal wieder hören und sehen möchten. Bereits die leuchtenden Drumsticks von Jürgen „Bam“ Wiehler kündigen die Rockband an, die zu Beginn mit dem Powersong „Jagdzeit“ aufwartet und eine holde Dame auf die Bühne schickt. Kayla singt die weiblichen Parts, tanzt und bewegt sich erotisch zur Musik. Dabei schwingen ihre beneidenswert langen, schwarzen Haare um sie herum. Es ist ein toller Auftritt, der Spaß macht. Danach geht es aber weiter mit den Männern: Die Gitarren wissen genau, was sie zu tun haben und stimmen ein ums andere Mal absolute Lieblingshits an, die das Publikum zum Jubeln und Applaudieren bringen. Da wird mitgesungen, da schreien sich manche die Lunge aus dem Leib, die Arme werden in die Höhe gerissen, es wird geheadbangt, gemosht, gefeiert. MEGAHERZ sind eine sichere Bank und München weiß das ganz genau. Gemeinsam wird ein toller Jahresabschluss gefeiert, die Chartplatzierungen, die Konzerte, einfach alles. Lex interagiert mit dem Publikum und weiß, was er ihm schuldig ist. Zu „Mann im Mond“ performt er in gewohnter Manier mit weißem Jackett in blauem Licht. „Herz aus Stein“ wird zur Bühne zurückgebrüllt, denn hier wird vielen aus den Herzen gesprochen; für manche ist es die Abschottung gegen alles Schmerzliche.
Sie treten geschminkt auf, wobei der Fronter die bekannte Clownsfratze aufgemalt hat und durch eine entsprechende Mimik einen leicht wahnwitzigen Eindruck vermittelt. Tolle Show, die durch und durch geplant zu sein scheint, die Bewegungsabläufe stimmen, Gestik und Mimik scheinen genau einstudiert zu sein.
Sogar beim neuen Song „Gegen den Wind“ wird mitgesungen, die Fans kennen den Text und wer ihn nicht kennt, der kann bald den Refrain. Den krönenden Abschluss bildet Hassevergreen „Miststück“, bei dem absolut jeder mitzusingen scheint. Man kennt so ein Miststück, hat unter ihm gelitten – Männlein, wie Weiblein.
Man möchte MEGAHERZ nicht gehen lassen, aber nach einer Stunde ist ihr Auftritt vorbei und unter großem Jubel verlassen die Jungs die Bühne.
Setlist:
Intro
Jagdzeit
Heuchler
Beiß mich
Heute Nacht
Mann im Mond
Dein Herz schlägt
Kopfschuss
Abendstern
Herz aus Stein
5. März
Gott sein
Gegen den Wind
Miststück

Mono Inc.
Mit dem Intro spult im Hintergrund ein Film ab. Szenen aus diesem Jahr werden gezeigt und nach und nach betreten Katha Mia, Carl Fornia und Manuel Antoni die Bühne. Martin Engler singt zuerst aus dem Verborgenen heraus, aber als es hell wird, kommt auch er nach vorne, lächelt, breitet die Arme aus. Es ist eine übliche Geste, die man von ihm kennt und die seine Fans zu schätzen wissen. MONO INC. wissen genau, wieso sie hier stehen und wer ihnen das ermöglicht hat – Engler verbalisiert das auch immer wieder. Als er später alleine im hinteren Teil des Werks am Klavier sitzt und zu einer langsamen Melodie einen Teil der Bandgeschichte erzählt, da weiß er zwar, dass er eine Plattenfirma hat, eine Management, dass da viele Leute sind, die all das ermöglicht haben, aber er macht deutlich, dass alleine die Fans dafür verantwortlich sind, dass MONO INC. jetzt hier stehen und Erfolg haben. So viel Dankbarkeit hört man selten in dieser deutlichen Form und es ist schön, dass diese Band nicht vergessen hat, wo sie vor zwei Jahren noch stand.
Auch danken sie es durch ihre Musik. Viele ältere Lieder werden gespielt, vor allem die Titelsongs der letzten Alben und EPs. Es wird eine passende Untermalung durch die Beleuchtung geboten, die Bildschirme im Hintergrund zeigen immer wieder passende Szenen, mal eine Krone, mal Blut. Drummerin Katha Mia legt sich wie immer ins Zeug und hat auch wieder ihren Solo-Part, bei dem das Publikum mit „Hey“-Rufen antwortet. Die Band wird gefeiert und feiert sich selbst. Engler benutzt den Laufsteg, um sich quasi ins Publikum stellen zu können, drückt Hände, verteilt an die Damen Handküsse. Fast hat man den Eindruck, hier kennt jeder jeden, hier ist man unter guten Freunden.
Langsam wird das Publikum dennoch müde. MONO INC. haut noch den Titelsong „After the war“ raus und hier wird kräftig mitgegrölt. Die Zuschauer singen wie aus einem Munde und bilden eine tolle zweite Stimme. Was nicht fehlen darf und auch an diesem Abend im Gepäck ist: „Voices of doom“. Leider springt die Stimmung des Songs nicht ganz über und ich vermisse diesen absoluten Gänsehautmoment, der sich sonst einstellt.
Setlist:
My worst enemy
Grown
Symphony of Pain
Gothic Queen
Forgiven
Viva Hades
Tired of the day
Temple of the torn
Arabia
In my heart
In the ed
Revenge
After the war
Get some sleep
From the ashes
Passenger
Voices of doom

Lord of the Lost 2
Ja, das ist ein kleiner Kritikpunkt. Neben alltäglichen Soundproblemen, ein tiefes Dröhnen hier, Undeutlichkeiten da, über die man aber hinwegsehen kann, fehlten die Gänsehautmomente.
Es war schön, die Auftritte haben berührt, aber der letzte kleine Tick fehlte leider in meinen Augen. Dafür waren die Freude und Dankbarkeit gerade bei UNZUCHT und mein erstes Mal diese Band live zu erleben ein unvergleichlich toller Moment. In ihrer kurzen Spielzeit haben sie mich absolut überzeugen und einnehmen können, was definitiv nicht leicht ist. Großes Lob und großen Respekt an das Quartett, das mit seiner Musik das transportiert, was Gothic ausmacht: Emotionen!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s