2012 – Ein Rückblick


Immer, wenn das Jahr zu Ende geht, überschlagen sich Zeitungen, Radio und Fernsehen mit Rückblicken. Wie war es, was war und warum überhaupt? Der größte Aufreger, die tollste Hochzeit, das schönste Baby. Die Hälfte davon interessiert keinen Menschen mehr, auch wenn es in die Geschichtsbücher als wichtiges Ereignis eingehen wird (die Anerkennung Palästinas durch die UN zum Beispiel). Dafür ist wichtig, dass Kate schwanger ist und ihre Eltern Profit daraus schlagen möchten. Verstorben sind auch manche, viele bereits vergessen. An Peter Struck erinnert man sich noch, Dirk Bach, Michael Clarke Duncan, die viele nur als Hauptdarsteller aus The Green Mile kannten.

Jeder von uns hat seinen persönlichen Blick auf das Jahr. Privates, Berufliches, Schönes, Schreckliches, Tränen und Freude. Das hier ist mein Jahresrückblick, voller Musik, Konzerte, Bands, Bücher, Autoren und Filme, die in diesem Jahr gut oder schlecht waren, auf jeden Fall aber in Erinnerung geblieben sind.

Die Konzerte
COPPELIUS, EISBRECHER, LORD OF THE LOST, CELLOLITIS, MEGAHERZ; HÄMATOM, MEINHARD, STAHLMANN, MÄRZFELD, MANAO, DIE APOKALYPTISCHEN REITER, LETZTE INSTANZ, KREATOR, MORBID ANGEL … Die Liste könnte unendlich länger werden. Es waren tolle Konzerte dabei, auch manche Enttäuschungen. Wobei einen selten sie Bands an sich nicht gefallen, sondern die Formation einen schlechten Tag hat oder der Sound suboptimal ist. Trotzdem sind die wenigsten Auftritte wirklich grottenschlecht – aber Kritik muss erlaubt sein und sollte man sich auch als Musiker durch den Kopf gehen lassen.
Es ist schwierig, den besten Auftritt eines Jahres zu definieren, aber ich tue es trotzdem. Bis zum 27.12. musste ich warten – davor wäre meine Antwort eine andere gewesen. Der beste Auftritt 2012 dauerte nicht mal 30 Minuten, rockte aber ordentlich und begeisterte durch gute Laune, mitreißende Musik, ein gewinnendes Lächeln und ausgestrahlte Dankbarkeit: UNZUCHT beim Dark End Festival in München waren berührend, berauschend, betörend. Unvergesslich und eine starke Band, die bald kein Geheimtipp mehr sein wird, sondern auch alleine vor vollen Häusern bestehen wird.

Die Festivals
Eigentlich kann ich nur eines wirklich beurteilen, lässt man das Dark End Festival nicht an volles Festival gelten. Wobei ich auch diesem gerecht werden möchte: Es war spitze und hatten einen gewissen familiären Touch, der nicht zuletzt den Bands geschuldet ist, die einfach auf dem Boden geblieben sind und sich bereitwillig unter das feiernde Völkchen mischten.
Dagegen ist das Summer Breeze in Dinkelsbühl groß und anonym. Trotzdem hat man auch hier das Gefühl, unter Freunden zu sein. Man wird angesprochen von Wildfremden, fachsimpelt über den eben erlebten Act, stößt gemeinsam an und lernt neue Freunde kennen. Manche spielen auch auf dem Campingplatz Midgard und lauschen von ferne CROWBAR, NAGLFAR, EPICA, SEPULTURA und und und. 61 Bands habe ich gesehen und wurde für wahnsinnig erklärt. Aber es hat sich gelohnt, denn auf dem Breeze kann man für wenig Geld verdammt viel sehen. 100 Bands, wenn man es denn möchte, spielen auf und geben ihr Bestes. Man sieht Acts, die man niemals auf einem Konzert besucht hätte, weil man sie nicht kennt. Man sieht Stars der Szene, die man für wirklich wenig Euro endlich mal live erleben darf. Mein Highlight waren AMON AMARTH, die beeindruckend über die Bühne gerockt sind.
Dennoch ist mein Festival des Jahres ein anderes: Das Dark Munich Festival. Warum? Da hat sich einer hingestellt und gesagt: Ich riskiere etwas, ich opfere Zeit, investiere Geld und ach was für die Schwarze Szene. Was soll ich sagen? Dieser Mut hat sich gelohnt, das DMF war erfolgreich, kam sehr gut an, die Bands waren gut ausgesucht und alle fiebern dem zweiten DMF entgegen, das im April stattfinden wird. Vielleicht war nicht alles perfekt, das ist es nie. Aber es war gut und das Engagement von Mucky Reloaded und allen, die mit ihm dieses Festival ermöglicht haben, muss gewürdigt werden.

Die Bands
Zahlreiche Menschen machen sich auf, um Musik zu machen und die Bühnen und Plattenläden dieser Welt zu erobern. Ehrenwerte Ziele, Arroganz und zerstörte Träume. Manche schaffen es, manche stehen sich selbst im Weg. Manche kleinen Bandprojekte übersieht man aber auch. Das ist sehr schade. Die Band 2012 zu benennen, ist schwer. Da sind leidenschaftliche Musiker, die in ihrer Musik aufgehen und sie ausleben und aufsaugen wie ein Lebenselixier. Manche erobern durch ihre lockere, natürlich Art ganze Hallen. Manche sind wahre Arbeitstiere und scheinen nie zu schlafen. Manche rocken die Bühnen. Manche punkten durch besondere Outfits oder Schminke. Manche … man könnte hier unzählige Bands aufführen und würde doch keiner gerecht werden. Ich habe einige tolle, noch kleine Projekte kennengelernt in diesem Jahr: EYCROMON, MUNDTOT, ELANDOR, PARANOID ANDROID, LILITH, WORT-TON, ANNA ALIENA, CALIBER.X; SOBER TRUTH, ENTER AND FALL… Überzeugt haben mich nahezu alle, begeistert so manches. Aber hier geht es nicht um den besten Newcomer, der soll gleich genannt werden. Die beste Band 2012 war für mich LETZTE INSTANZ. Ehrlich gesagt, hatte mich das neue Album nicht überzeugt, bis ich die Formation live gesehen habe. Mit so viel Selbstverständlichkeit und Leidenschaft, mit so viel Ruhe und Ausgeglichenheit standen Holly und Co. auf der Bühne haben ihre Musik transportiert, dass ich mittlerweile das Album rauf und runter höre und mit ganz anderen Ohren. Mir fallen Feinheiten auf, die vorher an mir vorbeigegangen sind und solange ich LETZTE INSTANZ schon kenne, dieses Jahr haben sie mich als neuen Fan gewonnen.

Die Newcomer
Es wird immer darum gestritten, wann ist man Newcomer und wann nicht mehr. Ich mache es kurz: Mir ist es egal, wie lang eine Band bereits existiert und was sie schon gemacht hat. Hier geht es nicht darum, sich 2012 gegründet zu haben, hier geht es um kleine, recht unbekannte Bands, die mich in diesem Jahr einfach weggehauen haben. BLACK BLITZ muss ich hier nennen, denn sie sind sympathisch, natürlich, rocken wahnsinnig und haben ohne Scheu und Angst ein prima Konzert am 29.12. im Zenith hingelegt. Chapeau!

Die Alben
Ewig, Die Tomorrow, Outta Hell, Todsünde 8, In the name of Metal, Lord of steel, Teufelsbeitrag, Quecksilber, Die Hölle muss warten, Götterdämmerung, Suburbia, Walhalligalli, Socks, Drags & Rock `n`Roll… um nur ein paar Longplayer zu nennen. Was macht ein Album aus? Es muss berühren, rücken, mitreißen, ein Dauerbrenner sein, nicht langweilig werden. Das Cover sollte vielleicht ganz ansprechend sein, vielleicht zählt auch, dass die Formation am laufenden Band CDs auf den Markt schmeißen. Jedes Album hat viel Zeit und Arbeit gekostet, auch Geld, Schweiß und vielleicht sogar Tränen. Jedes Album hat von den Musikern Höchstleistungen abverlangt und sie mehrfach vor die Frage gestellt: Ist das gut, sind wir gut? Jedes Album verdient trotz aller berechtigter Kritik, die es geben mag, Anerkennung. Meine Begründung muss niemanden überzeugen, aber für mich ist es das Album des Jahres, weil es abwechslungsreich und ein bisschen verrückt ist, rockig, elctronisch, ernst und munter: THE PLEASURES – Socks, Drags & Rock `n`Roll.

Die Sänger
Singende müssen mich überzeugen. Sie müssen wandlungsfähig sein und nicht nur Einheitsgesülze abliefern. Sie müssen mitziehen können, aber auch Gänsehaut verursachen. Ich will es kurz machen: Starke Stimme, tief, hoch, laut, leise, berührend, entführend, mitreißen und wandlungsfähig 2012: Torsten Schramm (SOBER TRUTH, CALIBER.X) und Chris „The Lord“ Harms (LORD OF THE LOST). Die beiden müssen sich den Platz teilen. Torsten, weil er Wiedererkennungswert hat und die Growls ziemlich gut sitzen. Chris, weil er nicht umsonst „Goldkehlchen“ genannt wird und ein brillanter Sänger ist.

Das Video
Muiskclips fressen Zeit, Geld, Geduld und werden dann doch nicht angeschaut. Nein, so schlimm ist es nun auch nicht, denn Clips sind beliebt, bei den Fans und bei denen, die es werden sollen. Jeder hat sich angestrengt, um da was wirklich Gutes zu präsentieren und so ist es schwer, das Highlight auszuwählen. Wegen der Message, dem Aufwand und alles, was dahinter steht, teilen sich diesen Platz auch zwei Bands:
LORD OF THE LOST – Die Tomorrow und LOST AREA – You are alive

Das Buch
Bücher können entführen und neue, fremde Welten real machen. Sie lassen vergessen und regen zum Träumen an, aber sie bilden auch und lehren uns. Beim schlechtesten Buch des Jahres, würde mir die Antwort leichter fallen, auch wenn ich da drei Stück nennen müsste. Beim besten Buch sieht das anders aus.
Weil es einfach amüsant, interessant und so wahr ist einem ist: Oliver Uschmann – Überleben auf Festivals.

Das war mein kleiner Jahresrückblick und es ist ein Auszug aus 366 Tagen voller Musik und Literatur, voller Emotion und Leben.
Hier noch einmal alles auf einen Blick:

  • Konzert 2012: UNZUCHT auf dem Dark End Festival 27.12. im Backstage München
  • Festival 2012: Dark Munich Festival am 14.04. Optimolgelände München
  • Band 2012: LETZTE INSTANZ
  • Newcomer 2012: BLACK BLITZ
  • Album 2012: THE PLEASURES – Socks, Drags & Rock `n`Roll
  • Sänger 2012: Torsten Schramm (SOBER TRUTH, CALIBER.X) und Chris “The Lord” Harms (LORD OF THE LOST)
  • Video 2012: LORD OF THE LOST – Die Tomorrow und LOST AREA – You are alive
  • Buch 2012: Oliver Uschmann – Überleben auf Festivals

Was fehlt? Der emotionalste Moment, die Gänsehaut, das, was am meisten berührt hat. Auch hier sind es zwei Momente, die genannt werden müssen. Auf dem Summer Breeze 2012, es war bereits dunkel und die Pain Stage in schummriges Licht getaucht. CORVUS CORAX spielten, sangen und jagten über die Bühne. Tiefe Klänge, tolle Percussion, Dudelsack und fremde Sprachen, wie man es von ihnen kennt. Und mitten in diesem Auftritt zog eine Sternschnuppe am Himmel über der Bühne vorbei. Leider wurde dieses schöne Naturspiel, das sich toll in das Konzert einfügte, nicht auf einem Foto festgehalten.
Nummer Zwei ereignete sich beim Dark End Festival in München (und auf den anderen Stationen der Tour): Multitalent Gared Dirge war leider erkrankt und konnte nicht dabei sein. LORD OF THE LOST kamen dennoch auf die Bühne und bei der Verabschiedung nahmen sie das fehlende Bandmitglied symbolisch in ihre Mitte.

Gute Besserung an Gared und an Achim (EISBRECHER), werdet bald wieder ganz gesund, wir sind in Gedanken bei euch!

Nun aber sei euch alles gedankt: Lesern, Fans, Freunden, Bands, Musikern, Labels, Autoren, Verlagen, Securities, Veranstaltern, Streetteams und Bloggerkollegen für Support und ein tolles Jahr, für die Zusammenarbeit und eure Leidenschaft.
Die besten Wünsche für 2013, Gesundheit, Erfolg, Ruhe und tolle Projekte, was immer ihr anpackt!
Wir sehen und lesen uns wieder!

Eure Kyra

Happy New Year

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