Rezension: Toby Fuhrmann – Ich trag ein Massengrab im Herzen


Nicht, dass der Autor schon genug Hinweis darauf ist, dass dieses Buch vor Sex, Drugs ’n‘ Rock’n’Roll nur so triefen wird. Auch der Klappentext deutet daraufhin – Bauschaum?
„Ich trag ein Massengrab im Herzen“ hat alles, was man sich von einem guten Roadmovie erwartet. Der Protagonist hat scheinbar keine Richtung im Leben und die Ziele, nun ja, die sind vorhanden, entwickeln sich aber erst im Laufe der Geschichte. Drogen gibt es en masse, dafür ist auch immer irgendwie Geld da. Alkohol, zum Runterspülen, Nachdenken, den üblen Geschmack loswerden… Alkohol ist der beste Freund. Da ist dann noch eine Reise und schließlich Phoebe, mit der das Schicksal seinen Lauf nimmt – auch wenn im Herzen noch Natascha rumspukt.
Mit viel schwarzem Humor und beißendem Zynismus schreibt Fuhrmann über Rausch und das böse Erwachen danach – oder auch nur dazwischen.
Leicht fällt es, Vergleiche zu Fear and Loathing in Las Vegas oder I Am Airen Man zu ziehen. Genauso im Drogenrausch mit lichten Momenten oder ganz clean und nüchtern schleppt sich Protagonist Anthony durch das Buch und wenn die Ekelgrenze bei einigen Lesern sicherlich überschritten wird, wird sie bei anderen nur touchiert und man kann noch eine andere Seite erkennen. Denn nein, es ist kein zynisches Spaßbuch, Fuhrmann schlägt auch sehr ernste Töne an. Der Tod dominiert einige Seiten und so leicht ist es dann doch nicht, das Leben weiterzuführen, wenn die erste große Liebe von einem Bus überrollt wird und man nicht weiß, was die letzten Worte sein sollten. Oder wenn man auf einem Flug eine junge, attraktive Frau kennenlernt, der man nichts anmerkt. Erst dann, als sie bei einem Handjob weint, kommt die Wahrheit ans Licht. „Vergewaltiger sind Arschlöcher, sonst nichts. Sie haben kein Recht auf Glück, eine Familie, ein Leben.“ (S. 93) Und da reift ein Plan und ein Versprechen wird gegeben und irgendwann lässt Anthony den Herd an und…
Sehr schön sind trotz aller unmoralischen Momente immer wieder vorkommende ernste Thesen und Worte. Und ja, manchmal braucht es einfach einen mutigen Kerl, der sich einem Vergewaltiger in den Weg stellt.

Das Buch ist lesenswert und kann sich mit Hunter S. Thompson (Fear and Loathing) oder Airen ( I am Airen Man) auf jeden Fall messen.

Toby Fuhrmann liebt und schreibt bizarre Geschichten und arbeitet an seinem zweiten Roman – zumindest wenn es seine Zeit zulässt, denn er ist Drummer bei UNZUCHT.

Toby Fuhrmann – Ich trag ein Massengrab im Herzen, 143 Seiten (broschiert), UBooks 9,95 € ist bei Amazon und im Buchhandel erhältlich.

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