Das andere Wort zum Sonntag


Die Kirche ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Früher hätte man dem Herrn Pfeiffer einfach mit Exkommunikation gedroht und schon hätte er nach deren Pfeife getanzt. Leider haben sich die Zeiten geändert, was aber nicht jeder gemerkt hat. Wobei das Outsourcing schon früher von der Kirche betrieben wurde. So wie sie es heute mit der wissenschaftlichen Bearbeitung des Missbrauchsskandals machen, haben sie schon früher andere die Drecksarbeit machen lassen. Folter, Hinrichtungen, Kreuzzüge, usw. wurden zwar von der Kirche befohlen oder zumindest mit arrangiert, aber niemand wollte sich die Finger schmutzig machen. Schade, dass dies nicht für sexuellen Missbrauch gilt, aber dies von anderen erledigen zu lassen wäre nicht so befriedigend.

Auf Eriks Kontinent gab es eine ähnliche Untersuchung, bei der herauskam, dass die Vorfälle lediglich Ersatzhandlungen darstellten. Verständlich, aber kein Grund für die greisen Kirchenfürsten das Zölibat infrage zu stellen. Vielleicht sind sie einfach nicht mehr in der Lage sich daran zu erinnern, wie es so war, Triebe zu haben, oder die Kanäle in die diese abfließen sind gesichert, aber die Aufhebung dieser gegen die menschliche Natur gerichteten Regel wurde nicht angetastet. Lieber lässt man die Priester woanders tasten, wohl, damit sie aus erster Hand erfahren, was Sünde ist und wenn, dann auch gleich richtig. Warum sollte man auch an den Schutz der Kinder denken? Die wenigen Tausend Euro kann sich der deutsche Klerus ohne weiteres leisten. Genauso wie ohne zu klagen für bis zu drei Kinder Unterhalt gezahlt wird.

Sich die Aufarbeitung der Missetaten vorzunehmen war ein Schritt, der öffentlich gut aufgenommen wurde, außer von denen, die ihn nicht ernstnahmen. Ein bekanntes kriminologisches Institut damit zu beauftragen, zeugte von dem Willen, tatsächlich alles zu erfassen; sich jetzt über die Arbeitsweise zu beschweren von schlechter Vorarbeit oder anderen Gründen, die nicht genannt werden.
Dass Außenstehende herangezogen wurden mag an dem Wunsch gelegen haben, glaubwürdig zu erscheinen oder die Diener Gottes befürchteten, ihre Mitarbeiter würden sich Anregungen und Tipps aus den Akten holen.
Die Glaubwürdigkeit ist nun allerdings dahin, was die Frage aufwirft, wie groß ist der Gewinn, den die Beendigung der Zusammenarbeit verspricht? Nach Kirchenrecht werden Akten nach einer gewissen Zeitspanne vernichtet und Aussitzen ist keine unbekannte Taktik für die Geistlichkeit.
Möglicherweise wiegt auch die Angst schwerer, dass erfolgreiche Konzepte gegen den Missbrauch gefunden und umgesetzt werden.
Wir werden sehen, wann, von wem und zu welchen Bedingungen die Forschung erneut aufgenommen wird.

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