CD-Review: Solowshow – Visuacoustic


Was erwartet man von einer Formation, die sich SOLOWSHOW nennt? Ehrlich gesagt, hab ich gar keine Vorstellungen gehabt und mich einfach mal überraschen lassen. Ob ich enttäuscht wurde, werdet ihr am Ende lesen.

SOLOWSHOW sind Mike Breeze und Leif Astroid, Musiker mit Leib und Seele, die sich nicht irgendwelchen Regeln unterwerfen, sondern das machen, was sie denken, fühlen und wollen. Sie leben ihren Stil, leben sich aus und haben dabei ein besonderes Projekt auf die Beine gestellt, das sich von vielen anderen abspaltet.
Wenn man das aktuelle Album Visuacoustic in Händen hält, fällt einem nicht nur der Titel auf, eine Mischung aus „visual“ und „acoustic“, was für sich spricht. Die CD ist weitestgehend in rosa gehalten, was ein wenig befremdlich wirkt, aber bei den beiden Musikern nicht verwundert. Das Coverbild jedoch hat einen roten Hintergrund – passt das zusammen? Ja, das passt. Denn man muss sich nicht immer an Konventionen und Normalität halten, die allzu schnell in Trivialität abgleitet.

Mike Breeze und Leif Astroid bieten ruhige Klänge. Keine Partymusik, keine harten Bässe, die durch die Hallen dröhnen und zum Headbangen animieren. Die beiden legen mehr Wert auf gediegeneren Sound, das Klavier begleitet sie hauptsächlich und stürzt den Hörer zugleich auch mitten rein in die Schönheit des Instruments.

„Imagine what would be…“, mit diesen Worten beginnt das Album und sie verleiten sofort zum Schließen der Augen, zum Zurücklehnen und Lauschen. Was wäre denn, wenn man einen Wunsch frei hätte? Wer nun aber an Geld, Macht, Reisen und Unsterblichkeit denkt, liegt falsch. „What’s your biggest dream“ heißt der Song und Astroid macht schnell klar, dass alles Materielle trotz des einen freien Wunsches vergänglich ist. Stattdessen wünscht er sich die Liebe einer ganz bestimmten Person. Damit ist ein guter Einstieg gelungen, der zeigt, wo es hingehen soll. Nein, nicht in Richtung kitschiges Lovesong-Album, sondern zu melancholischen Liedern, die mitnehmen, nachdenklich stimmen und dennoch nicht in eine depressive Stimmung abgleiten. Hier wird ein schmaler Grat beschritten und den beiden gelingt es, weder einen Flop zu landen, noch zu schnulzig zu werden.

Es folgt das QUEEN-Cover „I guess we’re falling out“, das ebenso ruhig und liebevoll ist, wie die eigenen komponierten Stücke. Astroid weiß, wie er gewisse Passagen zu singen hat und kann viele Emotionen ausdrücken. In diesem Fall eher das Ruhige und Nachdenkliche. Das beweist er auch bei „A distance to get closer“, bei dem er sich in stimmliche Höhen wagt. Dadurch wirkte es stellenweise wie ein Dialog. Die Lyrics dahinter sind aber eher traurig und wieder einmal heißt es: Hör in dich hinein! Der Titel alleine ist ein kleiner Widerspruch und für viele wird sich die Weisheit dahinter nur schwer erschließen.

Doch da ist ja auch noch Mike Breeze, der nicht zu kurz kommen darf. Mike brilliert am Piano, spielt feurig wild und liebevoll sanft, unterstreicht die Lyrics und steht dennoch gleichermaßen im Mittelpunkt. SOLOWSHOW ist ausgewogen, beide Musiker nehmen sich mal zurück oder treten vollends ins Rampenlicht. Breeze erzählt mit den gespielten Noten die kleinen Geschichten der Songs, manchmal ganz deutlich oder unterstreicht sie nur. Sehr schön gelingt das bei „Airplane“, in dem es nicht einfach um Flugzeuge geht.
Auch „I can’t with you“ hat eine schöne Melodie, traurig und doch irgendwo ein leicht tanzendes Element darin. Breeze ist das Genie an den Instrumenten, wartet mit Piano, Cembalo, Gitarre und Mandoline auf. Seine Stimme hört man seltener und er ist meist als Backgroundsänger aufgeführt, was sein Können und seine Leistung nicht schmälert.
Es sind diese Kleinigkeiten, die ein perfektes musikalisches Bild zeichnen. Man kann den Texten zuhören oder sich einfach von den Melodien tragen lassen. Stellenweise könnten sie einem Musical entstammen und kraftvoll auf der Theaterbühne vorgetragen werden. Auf jeden Fall ist es keine Musik für nebenher und zwischendurch, man muss zuhören, sie in sich aufnehmen und wirken lassen.

SOLOWSHOW ist eine melodiöse Auszeit von Alltagstrott und der Hektik der Zeit. Ein romantischer Abend, ein besonderes Event für Musikliebhaber und Genießer des Besonderen. Auf jeden Fall hörenswert!

Anspieltipp: I can’t with you

Mehr über die Band könnt ihr auf Facebook erfahren.

Solowshow – Visuacoustic, 2012
Preis und Verfügbarkeit unbekannt

Tracklist:

  1. What’s your biggest dream
  2. I guess we’re falling out
  3. A distance to get closer
  4. Airplane
  5. I can’t with you
  6. Solitary shrine
  7. Stage rage
  8. Endless rain
  9. Lust garden

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