THE HOOTERS – Muffathalle München – 26.06.2017


The Hooters in München – A gmaade Wiesn* – so wie jedesmal, wenn die Jungs aus Philadelphia in die bayerische Landeshauptstadt kommen. Ich hab die Band schon einige Male live erlebt und weiß deswegen, was auf mich zukommt. Dachte ich eigentlich …

Die Muffathalle, meines Erachtens die beste Konzertlocation in München, war fast voll, als wir an der Halle ankamen. Die Bühnendeko ließ darauf schließen, dass sie keine Supportband dabei hatten, sondern gleich selber loslegen würden. Kurze Zeit später verlöschten die Saallichter und im Dunkeln betraten die Musiker die Bühne. Los ging’s gleich mit einer Coverversion, aber mit was für einer. Eine der größten Anti-Kriegshymnen erklang. „Eve of Destruction“, 1965 von Barry McGuire veröffentlicht. Sehr schön vorgetragen performte die Band die erste Strophe dessen, ehe sie nahtlos überleiteten zu „I’m alive“ vom Time stand still-Longplayer, dem bisher letzten Studioalbum der Band. Vom ersten Ton an wurden die Hooters von den Münchnern gefeiert. Nach den obligatorischen Ansagen zur Begrüßung ging’s von der Neuzeit zurück zu ihren Anfängen. Gleich drei Songs von der Nervous Night Platte aus dem Jahr ’85 kamen zum Zug. „Hanging on a Heartbeat“, „Day by Day“ und der wohl größte Hit der Band, „All you Zombies“, der für den Durchbruch der Jungs in Europa sorgte. Die Stimmung in der ganzen Halle war von Beginn an super, die Lichttechnik tauchte die Bühne in bunt leuchtende und gut akzentuiert eingesetzte Farben und die Spielfreude von Bazilian/Hyman und Co. ließ absolut nichts zu wünschen übrig. Mit „Morning Buzz“ ging es back to the Future. Anschließend griff sich Gitarrist John Lilley eine akustische und ne Schieberrunde war angesagt, denn „Private Emotion“ wurde dargeboten. Eine Ballade, bei der die zweite Strophe von Eric Bazilian komplett auf deutsch gesungen wurde. Wem das gefällt, der sollte sich mal nach der 1994er Maxi-CD „Heimliche Sehnsucht“ umschauen. So lautet nämlich der Titel der deutschen Version dieses Songs zu dem Heinz-Rudolf Kunze den deutschen Text geschrieben hat. Gleich zwei Versionen auf Deutsch sind drauf zu finden. Mit „South Ferry Road“ ging es wieder ins Jahr 1985 zurück. Eine nicht minder geniale Coverversion kam jetzt an die Reihe. Im Original von Eagles-Bandleader Don Henley veröffentlicht, klang jetzt „The Boys of Summer“ aus den Boxen. Zwischen den Songs kamen keine langen Ansagen zur Überbrückung. Die Pausen zwischen den Liedern dauerten meistens nur 20 kurze Sekunden. Mit den folgenden „Graveyard Waltz“ und „500 Miles“ feuerten die Hooters ein Non-Stop-Hitfeuerwerk ab. Zu viele Songs der Band wurden seit den Achtzigern aus den Diskotheken und Radiosendern der Republik in den Äther gefeuert. Nun durfte sich das Küken der Band, Tommy Williams, der seit 2010 dabei ist, als sich Eric Bazilian wegen einer gebrochenen Schulter keine Gitarre umhängen konnte. Seitdem fest in der Band verankert, sorgte Williams an den Vocals für Gänsehautmomente, als er eine äußerst filigrane Version vom Beatles-Klassiker „Lucy in the Sky with Diamonds“ zum Besten gab. Die Hitrakete startete erneut und läutete den Endspurt ein. „Where do the Children go“, „Karla with a K“ und „Twenty-Five Hours a Day“ brachte die Halle zum Toben. Als kleines Gimmick wurde die Titelzeile im Ausklang wieder auf deutsch gesungen. „Funfunswanssig Stunden am Tag“. Die unverzichtbaren „Jigs n‘ Reels“, die erfahrungsgemäß in „Satellite“ überleiteten, „Johnny B“ und als krönenden Abschluss des regulären Sets „And we danced“, wieder aus der Anfangszeit. Während des Auftritts sorgten Gründungsmitglied David Uosikkinen an der Schießbude und Fran Smith Jr. am Viersaiter für einen soliden Background, auf dem sich Rob Hyman, Eric Bazilian, John Lilley und Tommy Williams gegenseitig die Instrumente in die Hand gaben. Fast ein jeder spielte Melodica, Mandoline und Gitarre … lediglich Akkordeon und Keyboards wurden allein von Hyman bedient. Die Pause vor den Zugaben dauerte maximal fünf Minuten, in denen die Stage-Hands einige Umbauten auf der Bühne vornahmen. Von wegen normale Zugaben – nein – ein kleines Akustik-Set war jetzt an der Reihe. Mit „Deliver me“, „Until i find you again“, „Time stand still“ und Mr.Big Baboon“ welches auf Donald Trump abzielte, wurden die beiden Alben Zig Zag und Time stand still bedient. Die akustischen Instrumente hatten jetzt ausgedient und Tommy Williams durfte den letzten Block mit einem Gitarrensolo einleiten, welches überging in „Give the Music back“. Bazilian erzählte, dass sie oft als Songschreiber für andere Künstler eingesetzt wurden. Joan Osbourne zum Beispiel schrieben sie ihren größten Hit „One of us“ sozusagen auf den Leib und performten diesen jetzt selbst. Rob Hyman sprach von ihren Anfangstagen, seit denen sie oft in Deutschland waren und hier auch viele gute Freunde gefunden haben. Aus diesen Anfangstagen stammt auch der folgende Coversong „Time after Time“ vom 83’er Debütalbum She’s so unusual von Cyndi Lauper, auf welchem Hyman und Bazilian als Musiker spielten. Mit Deutschland und insbesondere dem Rheinland sind die Hooters sehr verbunden. „Pissin in the Rhine“, ein lustiger kleiner Gassenhauer, der bis auf die Titelzeile komplett auf Deutsch gesungen wird, wurde von den Fans gefeiert und laut mitgesungen. Als finaler Abschluss folgte noch eine Coverversion eines Songs, den mit ziemlicher Sicherheit hier keiner unbedingt erwartet hätte. Der Originalinterpret lebt hier in München und ist kein geringerer als die NDW-Ikone Peter Schilling. Dessen größten Erfolg, „Major Tom“ hatten die Hooters als Schlussakkord auserwählt … und das komplett auf Deutsch vorgetragen in einer fetzigen, rockigen Version. Völlig losgelöst von der Erde sozusagen sorgten die Hooters mit vollen zweieinhalb Stunden Spielzeit mit einigen Überraschungen für eine begeisterte Stimmung in der Halle und glückliche Konzertbesucher auf dem Nachhauseweg. Mit donnerndem Applaus und Gejohle wurden die Hooters von der Bühne entlassen.

Wie erwähnt hatte ich die Hooters ja bereits einige Male live erlebt, aber das heutige Konzert war mit Abstand das bisher Beste von allen. Neunundzwanzig Songs als Hitfeuerwerk abgebrannt … was will man mehr.

5 / 5

* A gmaade Wiesn = bayrischer Ausdruck für: Im Voraus schon alles klar, ein Selbstläufer ;-))

Setlist:
01 – Eve of Destruction
02 – I’m alive
03 – Hanging on a Heartbeat
04 – Day by Day
05 – All you Zombies
06 – Morning Buzz
07 – Private Emotion
08 – South Ferry Road
09 – The Boys of Summer
10 – Graveyard Waltz
11 – 500 Miles
12 – Lucy in the Sky with Diamonds
13 – Where do the Children go
14 – Karla with a K
15 – Twenty-Five Hours a Day
16 – Jigs n‘ Reels
17 – Satellite
18 – Johnny B.
19 – And we danced
— Acousticset —
20 – Deliver me
21 – Until i find you again
22 – Time stand still
23 – Mr. Big Baboon
— Encore —
24 – Guitar Solo Tommy Williams
25 – Give the Music back
26 – One of us
27 – Time after Time
28 – Pissin‘ in the Rhine
29 – Major Tom

 

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