CD: Feeding Fingers – Do owe harm


Experimenteller Postpunk sind die Kinderschuhe des 2006 in den USA gegründeten Musikprojekts Feeding Fingers. 2018 erscheint das sechste Album und zeigt, wie sehr sich die Band weiterentwickelt hat.

Mit Do owe harm wurde ein Mix aus verschiedenen Stilrichtungen geschaffen, der sich vom Postpunk abgewendet hat. Laut Bandinfo handelt es sich um ein „analoges Elektronic / Akustik-Album“, was man bereits beim ersten Song deutlich hört. Elemente aus Rock, Pop und Jazz wurden verarbeitet. Wer reinhört, bemerkt sofort das Sphärische, das in nahezu allen Songs wiederzufinden ist. Wer weniger auf diesen Stil steht, sollte sich aber vom absolut ruhigen „In Hallways feared from birth“ nicht abschrecken lassen. Bereits „Arrive a leech“ weist schon mehr Schlagzeug auf. Keine Rocknummer, aber ein bisschen mehr Wums ist drinnen. Der Titeltrack „Do owe harm“ ist fast schon poppig. „Fontanelle“, „A happy lust for Alphabets“, „Hate yourself kid“ sind recht ähnlich. In ersterem und letzterem hat man sogar das gleiche musikalische Thema verarbeitet. Bei letzterem Titel spielt Philipp Gerschlauer das Saxophon. Zu „Fontanelle“ gibt es bereits ein offizielles Video. Das Album passt sehr gut zur dunklen Jahreszeit. Ob man es nebenbei hören kann, ist schwer zu sagen, das geht sicherlich, wenn man etwas Ruhiges machen möchte, man kann sich aber auch ganz bewusst auf die Couch legen und zuhören. Da bekommt man erst richtig die kleinen Feinheiten mit. Die Texte stammen übrigens alle aus der Feder von Justin Curfman, der zwischen 2015 und 2017 in Italien kreativ daran gearbeitet hat. „I have trief laughing“ erinnert mich ein bisschen an eine Mischung aus Bauhaus und Alien Sex Fiend. Damit muss man echt klarkommen, aber ich kann mir beispielsweise „Motion Cues“ recht gut im Club vorstellen – ist aber auch der schnellste und tanzbarste Song der Scheibe. „Tallow“ und „A year of crawling“ beenden die Scheibe und besinnen sich wieder auf Ruhige.

Feeding Fingers haben mit dem neuen Album etwas geschaffen, das die Geister ziemlich scheiden dürfte. Man muss das Sphärische absolut mögen und die Entschleunigung auf sich wirken lassen. Mir ist die Scheibe zu langsam und zu wenig abwechslungsreich, da helfen auch nicht die kleinen Feinheiten in den einzelnen Liedern, weil die dafür in meinen Augen einfach zu wenig und zu zahm sind. Ab und zu hätte ein Ausbrechen aus dem sich durchziehenden Muster sehr gut getan.

2/5

Feeding Fingers – Do owe harm
Independent, VÖ: 09.01.2018
mp3: 10 €
CD: 12 €
Bandcamp

Tracklisting:
01 – In hallways feared from birth
02 – Arrive a leech
03 – Do owe harm
04 – Fontanelle
05 – A happy lust for Alphabets
06 – Hate yourself kind
07 – I have tried laughing
08 – Motion cues
09 – Tallow
10 – A year of crawling

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