Live: Hamburg Blues Band – 02.03.2024 – Garching an der Alz


Vier Jahre mussten wir warten, bis der davor jährliche Pflichttermin wieder zustande kam. Es hat gedauert, aber das lange Warten hat sich wirklich gelohnt. Von der ursprünglichen Besetzung ist nur noch einer übrig, Gert Lange. Aber der Qualität der Hamburger tut das keinen Abbruch. Kann man überhaupt von Hamburgern sprechen? An sich nicht , viel zu international ist die Formation, die mit wechselnden Gastmusikern gefühlt das ganze Jahr quer durch Deutschland tourt. An diesem Abend ist kein Sänger dabei, da The Voice Chris Farlowe bei der restlichen Frühjahrstour dabei gewesen war, hatten einige auf seinen Auftritt gehofft. Aber auch das ist nicht schlimm, denn singen können die anderen auch.

Wie immer ertönt „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ aus den Lautsprechern, das Publikum schunkelt und singt mit und das Quartett betritt die Bühne. Es ist anders an diesem Abend, aber nicht langweilig. Eine gute Mischung aus rockigem Blues und auch ruhigeren Tönen schallt einem vorerst etwas zurückhaltendem Publikum entgegen. Das taut aber bald auf, schwingt die Hüften, klatscht im Takt und jubelt der HBB zu. Gert Lange wechselt zwischen den Gitarren und dem Mikrophon hin und her, heizt die Zuschauer an, lässt Raum für seine Kollegen. Ein bisschen Humor darf dabei auch nicht fehlen und mit einem Augenzwinkern wird auf das fortschreitende Alter aufmerksam gemacht. Er singt aus voller Kehle und sein Alter merkt man ihm dabei nicht an. Neben ihm steht das junge Supertalent am Sechssaiter, Krissy Matthews. Steht er auf der Bühne, wird er eins mit der Gitarre und entlockt ihr mit graziöser Fingerarbeit unvorstellbaren Sound. Langsam und sanft genauso wie schnell und kraftvoll. Aber auch sein Gesang zieht in den Bann. Und mit einem Augenzwinkern spricht er irgendwann sogar vom „Garching am Arsch der Welt“ und nennt sich selbst den „am besten Hochdeutschsprechenden der Welt“. Tatsächlich hat der Brite in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch das Touren mit der HBB ordentlich Deutsch gelernt. Etwas stiller und melancholisch wird es, als er seinen Song „Hairdryin‘ Drummer Man“ präsentiert. Dieser ist dem verstorbenen Hansi Wallbaum gewidmet und für einen Moment schließt man die Augen und erinnert sich an den weißhaarigen Drummer Man, fester Bestandteil der HBB bis zu seinem Tod und schmerzlich vermisst.

Auf der anderen Seite steht Reggie Worthy. Er bringt mit seiner Bassgitarre eine funkige Note ins Spiel und das gefällt. Zum einen, weil es etwas anderes ist und nicht das, was man vielleicht von einer Bluesband erwartet. Der Funk zieht mit und sorgt für ordentlich Stimmung. Als Reggie und Krissy zusammen in der Mitte der Bühne stehen und ihre Instrumente in einen feinen, fetziges Dialog bringen, ist niemand im Saal mehr zu halten. Lauter Jubel mischt sich mit rhythmischem Klatschen und heftigem Hüftschwung. Was bei einem Auftritt mit ihm natürlich auch nicht fehlen darf: „Nutbush City Limits“, der erfolgreiche Hit von Tina Turner, stand Worthy doch mit ihr jahrelang gemeinsam auf der Bühne.

An den Drums, etwas versteckt, sitzt Eddie Filip. Für mich ein komplett neues Gesicht, aber was soll man sagen? Wer bei den Blues Brothers aus Hamburg auf der Bühne steht, hat sich seine Sporen verdient und weiß, wie er mit seinem Instrument umzugehen hat. Filip, der auch schon für Inga Rumpf, Hannes Wader oder Alex Conti getroommelt hat, bearbeitet seine Felle und legt irgendwann ein klasse Solo hin, das auf jeder großen Bühne Platz hätte.

Der Abend ist gelungen. Man vermisst gar keinen Gastsänger mehr und hat sichtlich Spaß. An der Musik, an den Ansagen, den kurzen Einlagen von stolperndem Deutsch, altersbedingter Langsamkeit und wundervollen Soli. Noch einmal wollen wir aber nicht vier Jahre warten müssen, bis es ein Wiedersehen in Garching gibt. Der Termin ist und bleibt Pflicht und ein fester Bestandteil im Kalender. Was noch auffällt: Während Jungspund Krissy Matthews wirklich nur unterwegs ist, sei es mit der Hamburg Blues Band oder alleine und ein Album nach dem anderen rausschießt, verharrt die HBB bei ihrer letzten Allstars-Aufnahme. Die ist zwar ein absoluter Must Have Evergreen für jedes CD-Regal (ja, wir Vinylfans sind da leider außen vor), dennoch scharren die Fans mit den Hufen, ob es nicht doch mal neuen Stoff gibt.

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