Die Geschichte um Bongo Fury beginnt eigentlich schon Mitte der 50er Jahre, als der junge Donald Glen Van Vleet im kalifornischen Lancaster an der dortigen High School den jungen Frank Vincent Zappa kennen lernte, und sich mit ihm anfreundete. Bereits Ende 1958 nahmen die beiden zusammen erste Stücke auf Band auf. Musik bestimmte derer beiden Leben. Zappa, der eigentlich zuerst Schlagzeug lernte, begeisterte sich bereits Anfang der 50er Jahre für die sogenannte „Neue Musik“. Insbesonders der Komponist Edgar Varese hatte es ihm besonders angetan. Vareses Experimente mit Collagen, Tonbändern, Stimmen, Texturschichtungen, Elektronik, Perkussion und Geräuschen faszinierte den jungen Frank von Anfang an. Zeitweise studierte er am Chaffee Junior College in Alta Loma Komposition und Harmonierlehre. Er fand es absolut faszinierend, wie man durch Verwendung von Noten auf Papier Musik darstellen konnte. Seit Mitte der 50er Jahre spielte und gründete Zappa mehrere Bands und Formationen. The Ramblers, The Black-Outs, The Omens, The Soots, The Muthers und einige mehr. Anfang der 60er arbeitete Zappa als Komponist, Produzent, Studiomusiker, Komponist und Tontechniker mit etlichen lokalen Künstlern in den Pal Recording Studios. Einem Tonstudio, welches er später kaufte und in Studio Z umbenannte. Die Gruppe The Soul Giants suchte 1964 einen neuen Gitarristen. Zappa stieg ein, lernte dort Jimmy Carl Black, Roy Estrada und Ray Collins kennen und avancierte schnell zum Bandleader. Die Band benannte sich mehrfach um, bis irgendwann der Name The Mothers und später auf Betreiben der Plattenfirma The Mothers of Invention Bestand hatte und das Debutalbum Freak Out! rauskam. Zur gleichen Zeit, 1964, gründete Van Vliet seine Magic Band, nannte sich Captain Beefheart und brachte 1967 sein erstes Album, Safe as Milk auf dem Buddah Label heraus. Beefhearts Meisterwerk, Trout Mask Reblica wurde 1969 von Frank Zappa produziert. Die beiden Freunde wandelten auf ähnlichen Spuren, parallel mit den eigenen Gruppen, als auch immer wieder zusammen auf Produktionen der jeweiligen Bands. Nach dem 72er Album Clear Spot und dessen Misserfolg verlor Beefheart seinen Plattenvertrag, ging nach England und brachte 1974 dort die beiden Alben Unconditionally Guaranteed und Bluejeans & Moonbeams heraus, welche aber bei seinen ursprünglichen Fans komplett durchfielen, da sie nicht mehr seinen konzeptionellen beissenden und knorrigen Stil verkörperten, sondern ins Seichte verwässerten. Der Captain ging zurück nach Amerika und sein alter Freund Zappa nahm ihn 1975 mit auf eine Tournee. Auf eben dieser Tour enstand das gemeinsame Live-Album Bongo Fury. Lediglich die beiden Songs „200 Years old“ und Cucamonga“ entstanden im Studio.
Los gehts mit „Debra Kadabra“ und einem vorwärts treibenden Groove auf den Don Van Vliet seine Vocals draufpflanzt. In typischer Beefheart Manier heult und krächzt Van Vliet so daß man manchmal eher an das Geheule eines heiseren Coyoten denkt als an eine menschliche Stimme. Zappa weiß um seine bewährten Miststreiter Terry Bozzio und Chester Thompson an der Schießbude hinter sich, Thomas William Fowler am Bass, der von It’s a beautiful Day kam, und dem Keyboarder George Duke, der nebenbei noch beim Jazz-Giganten Nat „Cannonball“ Adderley in der Gruppe spielte. Die Gitarren spielten Zappa himself und Denny Walley, ehemals bei The Real Thing, Geronimo Black, den Mothers und der Magic Band. Dazu kam noch eine kleine Bläsersektion, Bruce Fowler, ebenfalls Mothers und Magic Band sowie bei Woody Herrman, und Napoleon Murphy Brock von den Mothers und der eigenen Band von George Duke. Den Gesang teilten sich Zappa und Van Vliet. Zappa wäre aber nicht Zappa wenn eine seiner Kompositionen gradlinig dahinlaufen würde. Bei Teilen des Songs setzt die Band auch mal aus, und Beefheart trägt eine Art Sprechgesang vor. Das folgende „Carolina Hard-Core Ecstasy“ ist in typischer Mothers Manier gehalten, in Mid-Tempo dahin groovend und Zappa singt die Lead-Vocals. Als nächster Track ist „Sam with the Showing Scalp Flat Top“ an der Reihe, welcher eigentlich nur gesprochene Fetzen enthält, in das scheinbar unmotiviert immer wieder zufällig ein Instrument eingestreut ist. Aber wenn man um den Werdegang Zappas weiß, dann weiß man auch, daß beim großen Meister nichts dem Zufall überlassen wird. Zappa hat seine Konzerte immer auf die Sekunde durchgetaktet. Da sitzt jeder Ton genau da, wo er hin soll, und wenn Improvisation, dann da wo sie geplant wurde. Man stelle sich eine 40er Jahre Ragtimeband vor, bei der der Sänger ziemlich einen über den Durst getrunken hat und durch ein Megaphon sprechgesangelt. So etwa in der Art klingt „Poofter’s Froth Wyoming Plans ahead“ bei dem der Captain das Ruder übernommen hat. Man weiss oftmals nicht, ob man das jetzt gut oder schlecht finden soll. Auf jedem Fall ist das schon was besonderes. Das Stück geht nahtlos über in einen Blues der verdächtig nach Muddy Waters‚ „I’m a Man“ klingt, aber mit „200 Years old“ betitelt ist. Van Vliet knurrt und krächzt dass es eine Freude ist und bläst seine Mundharmonica as its best. Das folgende „Cucamonga“ welches Zappa singt ist ein exemplarisches Beispiel für den schrulligen Sound der Mothers. Schräg, manchmal atonal und rhythmisch vertrackt bis geht nicht mehr. „Advance Romance“ ist mit knapp über 11 Minuten der längste Song auf dem Album. Gesungen von Frank erinnert die Stimme manchmal stark an Peter Hammill und seine Van der Graaf Generator. Der Track treibt groovend vor sich hin und man wackelt mit dem Kopf unweigerlich rhythmisch mit. Beefhearts Harmonica prägt den Mittelteil ebenso wie des Meisters Stratocaster. Ein paar Gesangsfetzen von Van Vliet dürfen auch nicht fehlen. Dann ist wieder Zeit für ein gesprochenes „Man with the Woman Head“ vom Captain, während die Mothers im Hintergrund in Free-Jazz Manier agieren. Der letzte Track, „Muffin Man“ beginnt mit Sprechgesang aus dem Munde von Zappa, begleitet von Klaviergeklimper, ehe nach etwas über einer Minute der Drive einsetzt und ein typisches Zappa-Stück draus wird. In den ausklingenden Track hört man noch die Bandvorstellung ehe der Song nach gut fünfeinhalb Minuten ausfadet.
Tja … das Fazit zu Bongo Fury – Man liebt sie, oder man kann gar nichts mit der Platte anfangen. Musikalische Novizen, die mit dem Zappa / Beefheart Kosmos und dem entsprechenden Sound nicht gut vertraut sind, werden sich verwundert die Augen reiben, sich fragen was war das jetzt, und nie wieder eine Beefheart oder Mothers Platte auflegen. Afficionados der beiden sind sich darüber einig, daß Bongo Fury das Beste aus beiden Welten vereint. Das chaotische Gejaule, Geknurre und Geheule von Captain Beefheart, in Verbindung mit der akribischen Kompositorik eines Frank Zappas und der perfekten Harmonie seiner Mothers of Invention Musiker. Frank Zappa schreibt dir sozusagen Ton für Ton vor, wie du was wann zu improvisieren hast.
Schlichtweg eine geniale Platte, auch wenn es von beiden weit bessere Platten im Portfolio gibt.
Frank Zappa / Captain Beefheart – Bongo Fury
A1 – Debra Kadabra
A2 – Carolina Hard-Core Ecstasy
A3 – Sam with the Showing Scalp Flat Top
A4 – Poofter’s Froth Wyoming Plans ahead
A5 – 200 Years Old
B1 – Cucamonga
B2 – Advance Romance
B3 – Man with the Woman Head
B4 – Muffin Man
