Holly will ihr Bühnenstück schreiben, mit Musik und Probelesung durch eine renommierte Schauspielerin. Das soll ihr Durchbruch werden. Als sie das mystische Hill House abgelegen in einem Waldstück entdeckt, scheint es ihr der richtige Ort für ihr Vorhaben zu sein. Doch das Haus heißt seine Gäste nicht willkommen und auch die Vermieterin und die Haushälterin sind eigenartig …
Elisabeth Hand will ihre Leser in das Spukhaus von Shirley Jackson entführen. Doch so ganz bleibt sie nicht bei der Beschreibung der Schöpferin von Hill House. Allerdings tut das keinen Abbruch, denn auch dieses Haus liegt abgeschieden im Wald und ist nur über eine schmale Zufahrtsstraße zu erreichen. Alleine der Weg dorthin wirkt dunkel und bedrohlich und auch die Tiere scheinen nicht normal zu sein.
Die Gruppe, die Hand zusammenwürfelt, ist bunt und doch farblos. Konstruierte Charaktere mit Pseudoproblemen, die blass durch die Geschichte wabern, das tun, was die Autorin sie tun lässt. Sie entwickeln kein Eigenleben, handeln weder logisch noch nachvollziehbar und ergeben sich schließlich dem Horror der Langweiligkeit.
Das Haus selbst sollte eigentlich ein Eigenleben besitzen, flüstern, knarzen, die Sinne benebeln. Recht viel mehr als Sinnestäuschungen und Rotwein auf einem Tischtuch passiert aber nicht. Zur Vermieterin, Haushälterin und Nachbarin gibt es Andeutungen, die aber nie ausgesprochen oder weiterverfolgt werden. Natürlich gibt es einen Schneesturm und niemand kann mehr das Anwesen verlassen, die Handys funktionieren nicht oder nur manchmal und der Alkohol fließt in Strömen.
Dem Roman fehlt es an vielem und er bleibt weit hinter den geweckten Erwartungen zurück. Statt eine dunkle, gruselige Atmosphäre aufzubauen, kratzt er an irgendwas, das lediglich als Versuch einer Spannungskurve bezeichnet werden kann. Die Geheimnisse von Hill House bleiben bei der Autorin.
1/5
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Elisabeth Hand – Die Geheimnisse von Hill House
Goldmann, 2024
464 Seiten
Taschenbuch: 13 €
