Sexismus?


Von mir aus hätte ich dieses heiße Eisen nicht angefasst, aber Kyra bat mich darum und erzählte mir gleichzeitig ihre Sicht der Dinge. Etwas davon lasse ich mit einfließen.

Die Tatsache, dass Übergriffe egal welcher Art absolut inakzeptabel sind, steht fest.

Ich versuche ein moderner Gott zu sein und die Zeichen der Zeit zu deuten. Als der Gestaltwandler, der ich nun mal bin, kenne ich die weibliche Seite des Problems ebenfalls ein bisschen und darf von mir behaupten, schon seit längerem darauf zu achten, möglichst alle negativen Ismen zu unterlassen; mit meist sehr gutem Erfolg.

Umso mehr ärgern mich Personen, die sich über Worte wie z.B. ‚Verführungscouch‘ aufregen. Es gab keinen Zusammenhang, trotzdem war für diese Leute klar, es muss sich um einen Kerl handeln, der anderen hilft, Frauen ins Bett zu bekommen. Wenn das nicht sexistisches Denken ist, habe ich offensichtlich etwas falsch verstanden.

Dann wurde meine Aufmerksamkeit heute Morgen auf die Aussagen einer Frau gelenkt, der es nicht gefällt, wenn sich Männer in dieser Debatte betroffen äußern. Nichts zu sagen wird als stumme Ablehnung oder zumindest Ignoranz dem Thema gegenüber gewertet. Es als Denkanstoß zu sehen, Mitgefühl oder Solidarität zu bekunden und dies von sich zu geben ist nicht in Ordnung, weil es die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Problem wieder auf den Mann lenkt. Dies sei sexistisch und Frauen, die darauf eingehen, zeigten nur wie sehr sie im Patriarchat verankert sind. Sie endet damit, dass sie es besser fände, wenn sich alle normal benehmen würden. Der Ansatz ist nicht schlecht,  scheint er doch zu beinhalten, dass ein Mann nicht grundsätzlich anzugreifen ist.

Es müsste sich die Frage anschließen, was normal ist. Normal ist oftmals individuell oder weitgehender als so manchem gefällt. Eine Norm muss nicht immer positiv sein. In vielen Punkten kann nachgewiesen werden, dass es Frauen schwerer haben (z.B. beim Gehalt), Normalität, die nicht zu akzeptieren ist. Leider sorgen Umstände dieser Art dafür, dass viele Frauen in diesen und anderen Bereich davon ausgehen, es generell und überall schwerer zu haben. Nicht immer ist es so, aber versucht frau, vielleicht auch nur unterbewusst, den Eindruck bestätigt zu finden gelingt es ihr meist. Sie agiert entsprechend und zieht das Umfeld gleich mit. Diese Mechanismen kann frau oftmals durchbrechen oder sich ihm gar nicht erst fügen. Im letzteren Fall ist sie defacto nicht benachteiligt. Weiblicher Sexismus zu ihrem eigenen Nachteil. Es wäre gut, wenn sich diesen Umstand viele Menschen klar machen und sich dadurch davon befreien würden.

Natürlich muss es nicht immer funktionieren, genauso wie der Wille bei Männern nicht ausreichen muss um diese Debatte offen zu führen. Vor kurzem habe ich die Diskussion zweier Männer mitbekommen in deren Verlauf der eine vom anderen wissen wollte, wann ihm das letzte Mal jemand auf den Hintern gehauen hätte. Ich hätte diese Frage mit vorletzten Dienstag bei der Arbeit (auch ein Gott muss sich beschäftigen und wie man sieht erlebt man dabei so einiges) beantworten müssen. Nein, es war nicht das erste Mal gewesen und wird auch sicher wieder passieren. Vielleicht nicht so oft und es irritiert schon etwas, aber ich war bisher in der Lage es als Kompliment, wenn mir die Dame gefiel, oder als nicht so schlimm anzusehen. Natürlich ist das meine persönliche Einstellung, trotzdem sollte klar sein, das gibt es auch. Interessanter war die Reaktion derer, die es mitbekommen haben, wobei erwähnt werden muss, dass die Begleitumstände amüsant waren. Die Frauen haben lauter und länger gelacht als die Männer. Warum? Ich kenne meine Kolleginnen und Kollegen gut und weiß, dass sie für dieses Thema überdurchschnittlich sensibilisiert sind. Trotzdem scheint es so weit zu sein, dass sich diese Männer hierbei lieber zurückgehalten haben. Ist es nicht auch sexistisch, dass es für eine Frau akzeptierter ist über so einen Vorfall zu lachen, als für  einen Mann?

In meinem Umfeld kenne ich mehr Frauen als Männer, die ohne nachzudenken Sexismen von sich geben. Wenn man sie darauf anspricht ist das doch nicht so schlimm oder normal, vor allem bei dem Satz: ‚Männer sind halt so!‘ oder einfach nur der abfälligen und auch so gemeinten Bemerkung: ‚Männer!‘ Die Tatsache, dass es welche gibt, die aktiv versuchen nicht so zu sein, egal worum es dabei geht, wird völlig ignoriert oder sogar nicht verstanden. Bei vielen dieser Frauen darf Mann es nicht wagen zurückzuschießen, denn dann ist er ein Sexist.

Vielfach sind das auch die Damen, die mit ihrem Männer- und Frauenbild arbeiten, ihre Reize nutzen um Ziele zu erreichen, für die andere Leute (nicht nur Männer) länger brauchen oder sich mehr anstrengen müssen. Ich kenne Personen des öffentlichen Lebens, denen das Verhalten, teilweise die offenherzige Kleidung (Mann soll aber nicht hinsehen, bestimmt nicht!) und die Flirtversuche von Journalistinnen derart unangenehm sind, dass sie mittlerweile lieber mit Männern zusammenarbeiten. Wer ist in solchen Fällen sexistischer? Warum wird solches Verhalten nicht thematisiert obwohl es dazu beiträgt den Sexismus in so manchem Kopf zu festigen?

Solange es Menschen gibt, die die vermeintlichen Defizite des jeweils anderen Geschlechts für ihre Zwecke nutzen, kann der Sexismus nicht überwunden werden.

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