Zum Tode Otfried Preußlers


 

Die kleine Hexe, Der kleine Wassermann, Das kleine Gespenst. Damit bin ich groß geworden. Zu gerne erinnere ich mich an die Abende vor dem Schlafengehen oder an verschneite Winternachmittage, wenn mein Bruder und ich gebannt auf die Stimme unserer Mutter lauschten, die liebevoll aus diesen Büchern vorlas. Hat sie eines ausgelassen? Nein, ich glaube nicht. Wir haben uns durch die ganze Preußlersche Literatur gefressen, mit den Helden gebangt und mutig mitgekämpft. Es sind Erinnerungen, die man uns Kindern auch nach all den Jahren nicht mehr nehmen kann. Dadurch habe ich gelernt, wie viel ein Dutzend ist und Wanja ist die erste Assoziation, wenn ich Sonnenblumenkerne sehe.
Das Werk, das immer noch in meinem Bücherregal steht, zigmal gelesen, unendlich oft eingetaucht in eine andere Welt, in eine wunderschöne Legende, so grausig, so tödlich, so fesselnd – dieses Werk ist Krabat. Preußler hat hier aus einer alten Legende eine Geschichte geformt, die berührt und begeistert, die Jung und Alt in den Bann zieht. Über die Verfilmung vor ein paar Jahren sagte er, genauso habe er sich seinen Krabat vorgestellt. Ein großes Lob an die Filmemacher und Schauspieler. Aber das eigentliche Lob gilt doch dem Autor selbst, der immer bescheiden war und nur schreiben wollte.
Otfried Preußler hat Generationen an seine Bücher gefesselt. Sie waren liebevoll, gruselig, lustig. Dabei hat er nicht nur die Kinder angesprochen und die Jugendlichen, nein, was er schrieb, das lasen auch Erwachsene mit Freude, denn der Autor faszinierte einfach. Es war eine Gabe, Hexen und Wassermänner lebendig zu machen und sie so zu beschreiben, als wären sie täglich um uns herum. Und wer sagt denn, dass es Hörbe und das kleine Gespenst nicht wirklich gibt?
32 Bücher hat er verfasst, die in 55 Sprachen übersetz worden sind. Menschen hat er berührt und fasziniert, sie eingefangen und aus ihrem Alltag gerissen, in kleine Traumwelten und große Phantasien.
Am 18.Februar 2013 verstarb der Autor im Alter von 89 Jahren.
In seiner Todesanzeige steht „Geschichtenerzähler“ – und das war er. Ein ganz großer, der nun fehlt, aber der ein unzerstörbares und unvergessliches Vermächtnis hinterlassen hat.
Die Welt sagt danke, Otfried Preußler, für all die schönen Bücher!

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