27.12.13: Eisheilige Nacht, Stadthalle Fürth


Soundbrei schmeckt nicht!

Jedes Jahr touren Subway to Sally mit drei weiteren Bands durch Deutschland und begeistern Massen. Wo und wann sonst kann man seine Lieblinge auf einem Haufen sehen? Die Konzerttour hat sich mittlerweile etabliert und ist für viele zu einem Muss geworden. In diesem Jahr lockt man neben den Headlinern mit den Hamburger Gothrockern Lord of the Lost, den Gruselfinnen Lordi und den ebenfalls finnischen Korpiklaani.
Die Stadthalle Fürth ist für Konzerte und sonstige Veranstaltungen immer gut geeignet – solange sie in kleinerem Rahmen sind und nicht gerade zur Metal- oder Rocksparte gehören. Dann scheint sich der Sound extrem zu verabschieden. Eine schwierige Location, wie am Ende sogar die Musiker zugeben.
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Lord of the Lost machen den Anfang an diesem Abend und rocken sofort mit viel Power los. Die bekannten Songs wie „Dry the Rain“ oder „Sex on Legs“ werden fleißig von einem mehr als dankbaren Publikum mitgesungen. Es sind nicht mehr nur die eingefleischten Fans, die die Band bejubeln, mittlerweile haben die Hamburger einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht und spüren, dass sich die harte Arbeit und das Engagement gelohnt haben. Jeder Song wird bejubelt, der Applaus am Ende des Auftritts ist mächtig und zeigt: Ihr seid mittlerweile auf dem geraden Weg nach oben. Die Zeit der kleinen Konzerte wird nun vorbei sein, wenn man denn eine Prognose wagen darf. Dennoch wirken sie an diesem Abend eher gehetzt, nicht ganz so ruhig und voll in ihrem Element wie sonst. Der Sound ist bescheiden. Wenn ich die Texte nicht kennen würde, verstünde ich kaum, was Chris Harms ins Mikro singt. Gared ist etwas blass, was nun ein wenig fies klingt, aber innerhalb eines dreißigminütigen Auftritts fehlen eben manche Songs, bei denen er sich richtig auslassen kann. Natürlich wechselt das Genie die Instrumente und kann an sich mit jedem überzeugen, dennoch steht er für mich heute zu sehr im Hintergrund. Disco drischt weiterhin brav auf sein Drumset ein, während im Vordergrund Bo Six und Class Grenayde ihre Saiten ordentlich zupfen. Harms geht wieder auf die Absperrung, lässt sich von Fans halten, wankt ein wenig durch den Graben, was mal echt schön ist und ein bisschen von der mittlerweile zu festgefahrenen Show abweicht. Alles in allem ein enttäuschender Auftritt, wobei die meiste Kritik der Halle selbst anzulasten ist, da der Soundbrei die Feinheiten der Songs verschluckt, wofür die Band rein gar nichts kann.
Setlist Lord of the Lost:
Live today
Die tomorrow
Black Lolita
Prison
Break your Heart
Dry the Rain
Sex on Legs
Credo
lordi-img_3201Mein Highlight an diesem Abend sollen Lordi werden. Die Grand Prix Gewinner haben mich fasziniert – vor allem wegen ihres Überraschungssieges. Wie die wohl live sind? Eine sehr abgespeckte Form, sagen mir Kenner, die die Finnen schon mehrfach auf der Bühne erlebt haben. Trotzdem faszinieren mich bereits die Kostüme, die mir im ersten Moment sogar ein bisschen Angst machen. Schummriges Licht, entsprechende Musik und dann erscheinen nach und nach Monster auf der Bühne, Wesen direkt aus einem Horrorfilm entsprungen, das schockt – und reißt wahnsinnig mit. Da macht auch fast der schlechte Sound nichts mehr aus, denn die Fünf bieten derart viel an Show, dass man sich kaum sattsehen kann. Mit viel Liebe zum Detail sind Ketten, Schädel, Mumienelemente und mehr gestaltet und angelegt worden. Wie der Sänger allerdings auf fast 40 Zentimeter hohen Plateaus laufen kann, ist mir ein Rätsel. Klasse, wie jeder einzelne seiner Rolle gerecht wird. Es gibt Effekte, die zu den Songs passen, die Abschlachtung einer Jungfrau – hier fehlt etwas Kunstblut -, die erst mit dem Beil verletzt und dann mit der Kettensäge endgültig erledigt wird. Der Grinch, der böse guckt, bedrohlich und abwertend den Geschenkesack schwenkt und dabei seine finsteren Lyrics ins Mikro plärrt, ist auch anwesend. Schließlich gibt es noch die schwarzen Flügel, die sich ausbreiten und schließen. Toller Effekt! Das Publikum weiß die Show ebenfalls zu schätzen, quittiert sie mit Jubel, Applaus und Gesang. Viele zeigen sich auch textsicher und strecken schließlich nach entsprechender Aufforderung den Mittelfinger gegen die Hallendecke. Ein absolut genialer Auftritt, der viel zu schnell zu Ende ist und leider nicht alles zeigt und hören lässt, was die Finnen drauf haben, aber sie sind nun mal keine Headliner – seltsamerweise aber auch nicht die Band, die direkt vor Subway spielt.
Setlist Lordi
We’re not bad for the Kids
Get heavy
The Riff
Who’s your Daddy
Chainsaw Buffet
Happy new Fear
Blood red Sandman
Devil is a Loser
Hard Rock Hallelujah
Sincerely without Love
Would you love a Monsterman
korp-img_3401In ihrer Heimat sagt man, sie spielen „Alte Leute Musik mit Heavy Metal Gitarren“. Was erwartet uns da wohl? Zwar habe ich bereits Songs von Korpiklaani gehört, könnte im Augenblick aber nicht mehr sagen, ob ich sie mochte oder nicht. Was der Abend beweisen soll, endet in einem absoluten Desaster, das viele Zuschauer aus der Halle treibt. Eine buntgemischte Truppe kommt auf die Bühne, spielt seltsame Melodien, die für mich eher disharmonisch und willkürlich zusammengewürfelt klingen, und hüpfen vor dem Publikum hin und her. Doch, es gibt Jubel und Applaus, sogar eine finnische Fahne und natürlich mag man die Band und weiß auch, was man erwarten kann, wenn man sie eben kennt. Nach einiger Zeit werden die Melodien rockiger und griffiger, aber beim Sänger frage ich mich die ganze Zeit, was er macht. Es sieht aus, als würde er beständig das Mikro vor die Lippen halten und auf seinen Einsatz warten, der niemals kommt. Leider kann man ihn überhaupt nicht verstehen und egal, ob man am Rand oder in der Mitte steht, es ist hässlicher Soundbrei, der einfach nicht besser wird und schließlich viele in die Flucht schlägt. Korpiklaani kann so leider überhaupt nicht überzeugen.
sts-img_3674Der Hauptact des Abends wird dafür mit umso mehr Jubel und einer brechend vollen Halle begrüßt. Subway to Sally spielen gekonnt ihre Songs und wissen sehr gut, was die Meute hören möchte, die jedes Lied textsicher der Bühne entgegenschmettert. Eric Fish turnt in Hochform über die Bühne – dies gipfelt vor der Zugabe in einem Handstand. Mit viel Pyrotechnik untermalen sie die Songs, zwischendurch gibt es auch CO2-Fontänen und eine rote Handfackel, die mich spontan an die Freiheitsstatue denken lässt. Mit viel Elan wird gesungen, gespielt, getanzt, gelacht. Sie sind gerne hier, und die Fans danken es der Band mit riesigem Applaus und dem immer wieder aufwallenden Sprechgesang von „Julia und die Räuber“. Der Ton ist bei Subway to Sally mit Abstand am besten. Sowohl die Instrumente kommen gut raus, als auch das meiste des Gesangs. Perfekt ist trotzdem etwas ganz anderes, aber der Abend macht einen unendlich bescheiden. Fish lässt sich auf Händen tragen in den ersten Reihe, viele Fans tun es ihm gleich und man sieht immer wieder Crowd-Surfer, die sich nach vorne tragen lassen. Hier und da blitzen bei einzelnen Songs Feuerzeuge und sogar Streichhölzer auf. Frau Schmitt blickt zuweilen etwas skeptisch auf das ganze Feuer, das um sie herum aufflammt und das ist durchaus verständlich. Es gibt aber nicht nur altbekannte Songs, auch Neues wird dargeboten. Am 14.03.2014 wird das neue Album „Mitgift“ erscheinen. Die Fans warten gespannt auf neue Songs und dürfen auch gleich einen davon hören. Dieser kommt gut an und verspricht ein weiteres, rockiges Album der Potsdamer. Unvergesslich dürfte der Abend für eine junge Frau im weißen Kleid mit aufgestickten Rosen sein. Diese lässt sich bei „Kleid aus Rosen“ auf die Schultern nehmen und wird von Eric Fish entdeckt, der sie auf die Bühne holt und umgarnt. Schöne spontane Aktion der Band, die mit Applaus bedacht wird. Nach einer Zugabe, die mit „Veitstanz“ endet, bei dem wirklich alles durch die Halle tobt, Köpfe, Arme, Beine schüttelt, sich an den Schultern fasst und richtig durchdreht, kommt endlich „Julia und die Räuber“. Der Gesang ist laut und wie eine Wand wird der Text gebrüllt. Dann gehen sie unter großem Applaus.
Setlist Subway to Sally
Stille Nacht
Schneekönigin
Puppenspieler
Sieben
Schlagt die Glocken
Das schwarze Meer
Wo Rosen blühn
Schwarze Seide
Feuerkind
2.000 Meilen unterm Meer
Judaskuss
Feuerland
Ratten
Kleid aus Rosen
Nichts ist für immer
Tanz auf dem Vulkan
Zugabe:
Maria
Veitstanz
Julia und die Räuber
Alles in allem waren es gute Bands, die zueinander gepasst haben. Die Shows waren sehenswert, der Sound leider bescheiden. Trotzdem ein netter Abend, der Lust auf mehr macht.

2014 sind bei der Eisheiligen Nacht dabei: Subway to Sally, Saltatio Mortis, Unzucht und eine weitere, noch nicht bekannte Band.
Für das Münchner Publikum liegen am nächsten am 19.12.14 Stuttart (Porschearena) und am 27.12.14 Würzburg (Posthalle).

Fotos by LJ.

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