Rezension: Johanna Darka – Die Wunde in mir


Johanna hat Schmerzen und stellt eine Schwellung an ihrem Po fest. Eine Perianalthrombose, wie wenig später ihr Hausarzt feststellt, der dann auch daran herumdoktert und scheinbar alles nur noch schlimmer macht. Nach Wochen im Krankenhaus, herumgereicht von Arzt zu Arzt und von Suizidgedanken geplagt, weil die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind, tritt doch eine leichte Verbesserung ein. Doch Johanna fühlt sich verraten, misshandelt und verstümmelt und beginnt einen Kampf gegen die Ärzte, die ihr das angetan haben.

Es könnte ein Krimi sein, der irgendwie dann doch eine Art Happy End hat. Aber das, was Johanna Darka beschreibt, ist alles andere als fiktiv, es ist ihre eigene Geschichte, die sie auf Anraten ihrer Anwältin aufgeschrieben hat, damit auch ja nichts in Vergessenheit gerät.

Leider versagt die erfahrene Journalistin in meinen Augen bereits beim Vorwort, das vor Selbstmitleid und Pseudodramatik nur so trieft und jeder Emanze den Rang abläuft. Männer tun Frauen sowas mit Absicht an und haben keine Ahnung vom anderen Geschlecht und wie es da unten, zwischen den Beinen aussehen sollte. Männer sind schlechte Ärzte, haben keine Ahnung von nichts und Frauen sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Die Justiz hat eh einen an der Waffel, spricht nur Unrecht und spinnt rum, weil sie sich gar nicht für die Opfer interessiert. Darunter fallen auch die Versager von Rechtsanwälten – auch Männer, auch total doof. Abstoßend ist das ständige Ausrufezeichen, das in Klammern gesetzt ist, hinter für die Autorin super wichtigen Dingen.

Die weitere Lektüre gestaltet sich ähnlich qualvoll. So ist der Stil zwar gut und man kann das Buch recht schnell durchlesen, aber für mehr als ein warmes Feuerchen im Winter reicht es meiner Meinung nach nicht. Das liegt nicht daran, dass man schnell Partei ergreift, was man automatisch tut: Entweder pro oder contra Darka. Was das Buch zu einem nichtlesenswerten Haufen Papier macht, ist die Pauschalisierung, dass mal alle schlecht sind, außer diese Kräuterhexen-Ärzte, die mit Homöopathie rumspielen. Ja, darauf kann man schwören und darauf vertrauen, keine Frage. Aber in einem angeblich sachlichen Bericht, wie die Autorin selbst in ihrer Sintflut-Werbung auf Facebook propagiert, erwartet man anderes. Auch kommen immer wieder unqualifizierte Kommentare vor, beispielweise wollten sich die behandelnden Ärzte nur an ihr bereichern, hat einer derselben doch eben ein viertes Kind bekommen von seiner zweiten Frau. „Eines seiner vier Kinder ist behindert, das verschlingt eine Menge Geld“ (S. 54). Wohlgemerkt ist Darka mit dem Arzt per Du und kennt ihn seit zwei Jahrzehnten.

Um ehrlich zu sein, hätte ich das Buch nach dem Vorwort bereits zur Seite gelegt, wenn es nicht ein Rezensionsexemplar und damit eine gewisse Verpflichtung verbunden gewesen wäre. Natürlich passieren Ärzten Fehler und es ist schrecklich, was da alles schieflaufen kann bzw. in diesem Fall auch schiefgelaufen ist. Seine Tochter aber immer als Tränendrüsenmittel zu benutzen, um Mitleid zu bekommen, das man durchweg zu erheischen sucht, wie es scheint, ist mies. Ich erkenne die Stärke der Autorin aufgrund der Schmerzen an, sicherlich ist das Buch für manche ebenfalls Betroffenen eine Bestätigung und Stütze, der Beweis, nicht allein zu sein. Ansonsten kann ich diesem Werk gar nichts abgewinnen und im Zusammenhang mit der inflationären Werbung auf Facebook scheint die Autorin einen auf armes Opferlamm machen zu wollen, das lediglich Geld rausschlagen will – und für mich an Glaubwürdigkeit verliert. War es denn wirklich so schlimm oder ist das nur die Darstellung, um an Geld zu kommen? Kleine Schlussbemerkung: Das zugesprochene Schmerzensgeld war Darka zu wenig. Wir sind halt doch nicht in Amerika, wo man Millionen für eine Verbrühung an einem offensichtlichen Heißgetränk bekommt.

Johanna Darka ist das Pseudonym einer Journalistin, Dokumentarfilmern und nun auch Schriftstellerin.

1/5


Johanna Darka – Die Wunde in mir
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403 Seiten
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