CD: Chrome – Feel it like a Scientist


Chrome Feel it like a scientistChrome, gegründet 1976 und neben den Residents eine der Speerspitzen der San Franciscoer Wave Szene, beehren uns glatte zwölf Jahre nach dem letzten regulären Album „Ghost Machine“ mit einer neuen Scheibe. War es 2013 mit „Half Machine of the Sun – The lost Chrome Tracks ´79 – ´80” noch eine Zusammenstellung von unveröffentlichen Tracks aus den ersten Jahren der Band, so beinhaltet das neue 2014er Album “Feel it like a Scientist” ausnahmslos exklusives, neues Material. Aus den glorreichen Tagen ist nur noch Saitenzauberer Helios Creed dabei, aber mit den jungen Mitstreitern Lux Vibratus (Bs) welcher sich den Basspart mit Steve „Trash“ Fishman teilt, Tommy Grenas (Keys), Lou Minatti (Git), Anne Dromeda (BackingVox) und dem bereits seit 1997 mit Creed zusammen spielendem Aleph Omega an den Drums hat Creed eine Truppe hinter sich geschart, die absolut aufeinander eingestellt ist und gut harmoniert.

„Feel it like a Scientist“ beinhaltet satte 16 neue Songs und beginnt mit einem typischen kreischenden Creed-Gitarrenintro zu “Nephilims  (Help me)”, bei dem der Space-Hippie genauso seine Kreise auf der Tanzfläche drehen, wie auch der Metalhead seine Mähne kreisen lassen kann. Track Nummer zwei, „Prophecy“, beginnt mit Soundschnipseln, die an ein altes Transistorradio erinnern, bevor es in der gleichen galoppierenden Geschwindigkeit wie beim Eröffnungssong weitergeht. Das darauf folgende „Lipstick“ schaltet einen kurzen Gang zurück in eine schleppende Kakophonie aus Soundschnipseln, Feedbacks und Jahrmarktgeklimper, bevor es mit „Lady Feline“ einen wahren Gothrockkracher in Sisters of Mercy-Manier zu hören gibt. Spacewolkig wird es bei „Something in the Cloud“, und mit dem folgendem kurz mit „Six“ betitelten Track geht es wieder zurück in den düsteren Gothic-Abyss. „Unbreakable Fluoride Lithium Plastic“ vereint das Flair des legendären 82er Werkes „3rd from the Sun“ zusammen mit einer Stimme like Ozzy Osbourne. „Captain Boson“ trampelt in bewährter Chrome-Manier sämtliche Hindernisse nieder, die durch die durchdringende Creed Gitarre von links und rechts zersägt wurden. Das folgende „Big Brats“ schlägt in die gleiche Kerbe, bevor mit „Brad the Chickenboy“ nochmals ein Gang zugelegt wird. Der spacige Sound vom Instrumental „Slave Planet Institution“, lediglich befeuert von Sprachfetzensamples, scheint direkt aus dem Weltraum zu kommen, bevor das rollende Bassriff von Jay Tausig den mit siebeneinhalb Minuten längsten Track, „Cyberchondria“, wieder in bewährte Bahnen lenkt. „Himalayanelimination“ fegt in bekannter Spacerock-Manier a la Hawkwind durch die Gehörgänge, bevor es mit dem langsamen „The Mind“ wieder in die gruftigen Abgründe taucht, aus dem die verhallte Stimme von Creed wie das Gebet eines Hohepriesters emporsteigt. Die Mid-Temponummer „Systems within Systems“ folgt bewährten Pfaden und beim abschließendem „Nymph Droid“ entschwebt der chromische Klangkörper in himmlische Sphären und man wartet unweigerlich auf gregorianische Gesänge, die zu dem an tibetische Klangschalen erinnernden Klanggebilde perfekt passen würden.

Fazit:  Langsame, entrückte Songs wechseln sich mit treibenden Rhythmen ab. Chrombewährtes verbindet sich mit neuem und die Mitstreiter um Urgestein Helios Creed harmonieren so perfekt miteinander, dass die neue Scheibe den Vergleich mit den alten Schlachtschiffen aus der Creed/Edge Ära wahrlich nicht zu scheuen braucht. Ein klasse Album!

Anspieltipps: Nephilims (Help me), Lady Feline, Something in the Cloud, Captain Boson, Cyberchondria, The Mind

5/5

Chrome – Feel it like a Scientist
King of Spades (Cargo Records), 2014
16,74 €

Amazon

Tracklist:
Nephilims (Help me)
Prophecy
Lipstick
Lady Feline
Something in the Cloud
Six
Unbreakable Flouride Lithium Plastic
Captain Boson
Big Brats
Brady the Chicken Boy
Slave Planet Institution
Cyberchondria
Himalay Anelimination
The Mind
Systems within Systems
Nymph Droid

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