21.5.14: Chrome im Strom Club München


Chrome – „Frisco goes to Munich“ oder „Eine Wave Legende im Millionendorf“.

Bereits seit den 80er Jahren bin ich Fan der San Franciscoer Wave Legende um Helios Creed und damals noch Damon Edge. Leider war es mir bis dato noch nicht vergönnt, diese Institution live zu sehen. Jetzt, im Jahre 2014 war es endlich soweit, Chrome live in München, und zwar im Strom, dem ehemaligen Crash in der Lindwurmstraße, in einer kleinen aber feinen Location also. Ohne Vorband war der Beginn auf 21:30 Uhr festgesetzt. Unter der Woche, wo die meisten einer geregelten Arbeit nachgehen, nicht gerade besucherfreundlich, was auch am ziemlich geringen Füllungsgrad des Stroms sichtbar wurde. Gerade mal an die 80 Fans verirrten sich in den Club. Nichtsdestotrotz ging es dann relativ pünktlich los. Die Band spielte in blau/rotem Licht auf der relativ dunkel ausgeleuchteten Bühne. Creed, mit Hut gut beschattet, legte gleich mal mit seiner unnachahmlichen Art des Gitarrenspiels los. Kreischende, sägende Gitarrenriffs schraubten sich in die letzten Gehirnwindungen. Mit der Band um Steve „Trash“ Fishman (Bass), Aleph Omega (Drums), Keith Thomson (Gitarre) und Tommy Grenas an den Keyboards hat er sehr gute Mitstreiter. Vor allem „Trash“ und Omega legten einen sehr soliden Grundstock auf die Bühne, auf dem sich der Chef mit seinen Mannen bestens austoben konnten. Mit „New Age“ und „Eyes in Mars“, beide vom Red Exposure Album ging’s gleich mal back in die glorreichen Zeiten der Creed/Edge Ära. Eyes sang Creed übrigens durch einen alten Telefonhörer, der neben dem Mikro montiert war. Den gleichnamigen Titeltrack von 1982, „3rd from the Sun“ folgte in kleiner Leckerbissen. „In a Dream“ von 81, damals nur auf der „Inwards“ Single erhältlich, war der Einsteiger für zwei sehr alte Songs, „Fukushima  (Nagasaki)“ und „Something Rhythmic“, beide aus den Endsiebzigern, aber erst seit 2013 auf der „Half Machine from the Sun – The Lost Tracks ´79 – ´80“ auf Tonträger erhältlich. Ganz neu und zum Zeitpunkt des Konzerts noch nicht offiziell erhältlich waren die beiden nächsten Songs. „Nephilims (Help me)“ und die künftige Singleauskopplung „Prophecy“ vom 2014er Album Feel it like a Scientist. Beides richtige Kracher, die den Vergleich mit den alten Perlen nicht zu scheuen brauchen. Nun folgten die beiden für mich wertvollsten Lieder von der Setlist: „Armageddon“, wieder von 1982 und seit langem einer meiner Lieblingssongs, und gleich darauf „Meet you in the Subway“, was damals nur auf dem legendären Wavesampler „Subterranean Modern“  (Chrome / Residents / MX80 / Tuxedomoon) erhältlich war. Creed war andauernd am Schrauben an seinen Effektgeräten, um den unnachahmlichen Sägesound aus seiner Stratocaster zu erzeugen. Zwischendrin fiel schon mal der Mikroständer um, weil der wiederum falsch montiert war, oder eins der Patchkabel der Effekte musste durch ein neues ersetzt werden. Der Begeisterung der anwesenden Chrome-Aficionados tat das aber keinen Abbruch. Die folgenden drei Tracks stammten allesamt aus der erfolgreichsten Zeit der Band. „TV as Eyes“, „Zombie Warfare“ und “March of the Chrome Police“ vom 79er Werk “Half Machine Lip Moves” und krachten derart hammerhart in die Menge, dass einem Hören und Sehen verging. Creed war teilweise ziemlich entrückt und schien manchmal das Publikum gar nicht wahrzunehmen. Als ob er in seinen Lärmspiralen selbst gefangen war. „Danger Zone“, der zweite Track der „Inworlds“ Single, wurde zum Einheizer für „Fire Bomb“, wieder vom „3rd from the Sun“ Album. „Abstract Nympho“ von 1979 und der älteste Track des Abends, „Chromosome Damage“ vom 77er Zweitling „Alien Soundtracks“, bildeten den ersten Zugabeblock und zugleich den Abschluss eines sehr genialen Abends. Leider wurde das auf der Setlist als Zugabe angekündigte „I am the Jaw“ doch nicht mehr gespielt, aber auch ohne wurden fast zwei Stunden Spielzeit voll ausgenutzt. Anschließend mischten sich Creed und Band unters Volk und signierten freudig alles, was ihnen vor die Nasen gehalten wurde.

 

Fazit: Einerseits wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn Chrome die Europatour als Promotiontour für das neue Album „Feel it like a Scientist“ benutzt hätten. Andererseits aber so derart in die Tiefen der Bandhistorie versinkend und offensichtlich nur auf Fanbefriedigung abzielend, machten sie ein sehr gutes Konzert zu einem sensationellen Abend, den man als Wavefan mit Sicherheit niemals vergessen wird.

 

Satte 5/5

 

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