28.5.14 – Dieter Meier – Freiheiz München


Hat der alte Hexenmeister sich doch mal nach München begeben – möchte man den „Zauberlehrling“ von Goethe etwas abwandeln, doch davon etwas später mehr.

Dieter Meier, bekannt seit den 80er Jahren als Mastermind der Schweizer Elektroniklegende YELLO kommt nach ca 35 Jahren Schaffenskraft mit seinem ersten Soloalbum im Gepäck nach München. „Out of Chaos“ heißt die nach dem Album benannte Tour. Das Freiheiz, ein alter Ziegelbau, ist die perfekte Kulisse für einen Ausnahmekünstler vom Schlage Dieter Meier. Leider verirrten sich nur ein paar wenige Hundert Interessierte in die Halle, was aber nicht groß verwunderlich ist. Von den jüngeren kennen leider nur noch wenige YELLO. Sicherlich mag der eine oder andere gehofft haben, einiges aus der YELLO-Phase des Schweizers zu hören, aber Pustekuchen. Nix gab’s … und das war auch gut so. Einzig und allein das Material aus dem Solowerk „Out of Chaos“ gab’s auf die Ohren, und das hatte es in sich.

Allein schon die Rezension im Rolling Stone, die das Album in die Nähe eines Tom Waits schob, machte Lust auf mehr, und genau die Lust wurde live aufs Perfekte befriedigt. Ohne Vorgruppe enterten junge, hierzulande eher unbekanntere Musiker die Bühne und nahmen ihre Plätze ein. Meier zentral in Front und wie gewohnt in besserem Zwirn. Los ging’s mit „Paradise Game“, welches gefolgt wurde von „Another Day“ und „Ritual“. Und genau wie ein Ritual zelebrierte Meier seinen Auftritt. Düstere Beleuchtung mit Hintergrundprojektion bildete einen sehr stimmungsvollen Rahmen für Meiers Ausbruch aus dem Chaos. Die Begleitband, sehr unaufgeregt im Hintergrund, aber extrem passend zu Meiers Gesangswerk, agierte perfekt miteinander, lediglich das Mikro seiner Backgroundsängerin war dem Publikum wie auch Meier selbst zu leise. Man bekam von ihrer Stimme sehr wenig mit. Nach dem vierten Song „Lazy Night“, der sich anhörte wie ein Konglomerat aus Element of Crime mit Tom Waits am Gesang, kam der alte Hexenmeister zum Zug. „Schüüfele“ … Ein Lied über einen Brunnen eines ihm befreundeten Künstlers war an der Reihe. Eher im Sprechgesang angesiedelt, sinnierte Hexenmeister Meier über Wasser, das stürzt und fällt. Fast wollte man meinen, Goethes „Zauberlehrling“ hätte Pate gestanden … wenn denn Goethe auf Schwyzerdytsch gedichtet hätte: „… wie sich jede Schale voll mit Wasser füllt“. Dunkle Stimmung mit Wasserprojektionen im Hintergrund und psychedelischen Klängen der Band. Sensationell ist das Attribut, das mir dafür einzig in den Sinn kommt.

„Nightporter“, „Prisoner“, „Manhattan“ und „Busy going nowhere“ folgten, wie die vorig dargebrachten Songs alle vom neuen Album. Zwischen den Songs machte der Meister kleine Ansprachen oder erzählte einige Anekdoten von seinem letzten Münchenbesuch, was einige Lacher im Publikum hervorbrachte. Sichtlich gut drauf war Dieter Meier, was man dem Auftritt auch anmerkte. „Jimmy“ hieß das nächste Lied, das in betörendem, sich wiederholendem Stakkato-Rhythmus aufgeführt wurde. „JimmyJimmyJimmy … JimmyJimmyJimmy …“ und immer wieder dieses „Jimmy“, welches die Haupttextzeile des Werkes war, dröhnte durch die Boxen und man musste unweigerlich mitzappeln. „Loveblind“, „Buffoon“ und „Down Down“ bildeten den Abschluss des normalen Sets, nach dem Meier und seine Mitstreiter die Stage verließen. Bereits nach kurzer Pause von vielleicht zwei Minuten kamen allesamt zurück und machten mit „Annabelle“ und „Fat Fly“ den Abend rund.

Ruckzuck war der Abend vorbei und man hat eigentlich keinen YELLO-Song vermisst. Zu gut ist das Solowerk von Dieter Meier, zu gut waren die Begleitmusiker an diesem Abend, von denen ich explizit den Schlagzeuger hervorheben möchte, und zu gut war die Gesamtperformance von Meier, die den Abend rundherum zu einem perfektem Konzerterlebnis machten.

Bereits nach kurzer Zeit kamen sowohl Musiker als auch Dieter Meier ins Publikum und signierten alles, was zu unterschreiben vorgelegt wurde. Bei so manch seltenem Stück aus seiner YELLO-Zeit sprang der Begeisterungsfunke von Meier über, der sich freute, was „seine“ Fans so in der Sammlung hatten.

Ganz glatte 5/5 von meiner Seite.

 

Setlist:

Paradise Game
Another Day
The Ritual
Lazy Night
Schüüfele
Nightporter
Prisoner
Manhattan
Busy going nowhere
Jimmy
Loveblind
Buffoon
Down Down
Annabelle
Fat Fly

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