Test: LG G Watch


bild_lg_g_watch_01Smartwatches sind derzeit in aller Munde. Nicht zuletzt wegen der Vorstellungen von Motorola, Apple und LG Electronics sieht sich mittlerweile auch die breite Masse mit den kleinen Uhren konfrontiert, die doch so vieles leisten sollten. Uhren waren bisher immer Statussymbole und ein echter Mann hatte eine echte Rolex am Handgelenk zu tragen, dann hatte er „es“ geschafft – zusammen mit dem Sportwagen, der Yacht, der Villa und der etwas debilen, magersüchtigen Blondine am Arm. Werden Smartwatches dieses Klischee nun ablösen? Wohl kaum. Bisher sieht es eher so aus, als arbeiteten Unternehmen gegeneinander, als wolle jeder auch ja der Erste sein, wenn es um die kleine, intelligente Uhr geht. Dabei bleibt nur leider meist die Qualität auf der Strecke.

Dass eine Smartwatch noch nicht alles kann, was ein Smartphone bietet, mag für viele Nutzer noch verständlich sein. Dass die Smartwatches aber so unschick sind und dann doch nix können, trifft bei vielen eher auf Unverständnis. Während LG erst im Juli dieses Jahres seine G Watch mit großem Trara auf den Markt gebracht hat, schmissen sie nur zwei Monate später auf der IFA (eigentlich bereits im August 2014 durch eine Pressemitteilung) eine weitere Uhr hinterher in den Rachen der hungrigen Kunden. Die G Watch R ist rund und kann mehr – was nun absolut kein Kunststück ist.

Die G Watch sieht billig aus, fühlt sich ebenso an, korrodiert gerne mal und kann vor allem eins: Nichts. Das Plastikarmband fühlt sich ziemlich eklig an und wird zu einer unangenehmen Belästigung, wenn es mal etwas wärmer ist. Ein sofortiges Schwitzen führt nicht nur zu einem schlechten Gefühl, sondern sorgt bei empfindlicher Haut auch gerne für Ausschlag und heftigen Juckreiz. Das Plastik mag ein nettes Armband für Kinder sein, die viel herumtoben und dann eben auch gerne mal ein solches zu Bruch gehen lassen – hatte ich als Kind auch -, für einen Erwachsenen, der sich mit einer entsprechenden Smartwatch durchaus im Büro und beim Kunden zeigen möchte, ist es ein peinliches No-Go. Das eckige Design könnte man nun als besonderen Schick erkennen, aber leider macht es in der Kombination auch nur den Eindruck einer Spielzeuguhr. Da hilft es auch nicht, dass man ein nettes Bildchen mit Sonne, Bergen und Wiesen präsentiert bekommt – so fein kann auch ein Kind malen, wenn man ihm Wasserfarben gibt.

Die Einrichtung sollte sich einfach gestalten, sorgt aber rasch für Unmut, wenn man sich die entsprechende App herunterlädt und mitgeteilt bekommt, dass man zuerst Google neuinstallieren muss und dann noch mal alles von vorne beginnen darf. Zeit braucht man also auch noch bei der Einrichtung des Zeitmessers, der sich dann aber recht schnell via Bluetooth mit dem Mobiltelefon verbinden lässt. Und dann? Ja, dann kommen recht sinnlose Tipps, irgendwelche Anzeigen und man steht wie der Ochs vorm Berg und muss sich erst mal an eine komplizierte Wisch-Bedienungsart gewöhnen, die noch nicht einmal dauerhaft funktioniert.  Immer wieder wird etwas anderes angezeigt, was man nicht sehen will, verändert man die Einstellungen, ist das zwar schön, interessiert die G Watch nur leider herzlich wenig.

Ganz blöd ist der User ja auch nicht, aber die G Watch ist einfach unbrauchbar. Trotz mehrfachem Versuch, alles richtig einzustellen, weiß man nicht, wie das Wetter in Deutschland ist, dafür aber, dass in London konstant die Sonne scheint, bei tollen 21°C. Jeden Tag und jede Nacht. Mit dem integrierten Schrittzähler kann man auch gleich noch etwas für seine Fitness tun. Wie hier allerdings die Schritte berechnet werden, bleibt unklar. Vom Bett des Testers bis in die Küche sind es keine 1.000 Schritte, auch wenn diese ein Stockwerk tiefer liegt.

Immerhin vibriert die Uhr und zeigt damit an, dass man eine Nachricht empfangen hat oder gerade jemand anruft. Das Gespräch annehmen oder die Nachricht beantworten kann man aber trotzdem nicht, was der G Watch einmal mehr ihren Sinn raubt. Natürlich, ich muss das Telefon nicht immer aus der Handtasche kramen und nachsehen, ob ich im lautlosen Zustand eine Nachricht erhalten habe. Wenn ich dies aber tue, muss ich trotzdem erst das Smartphone in die Hand nehmen, um zu antworten oder – noch wichtiger – das eingehende Gespräch anzunehmen, Dafür finde ich ein Accessoire äußerst sinnfrei.

Als Fazit bleibt ein teurer Schrittmesser, der mir die Uhrzeit und das Wetter in London mitteilen kann, ansonsten aber nicht mal als stylished Accessoire dient. Immerhin soll der Nachfolger, die G Watch R stylischer werden – und eher ein Männer-Gadge als das schlichte Accessoire für Damenhandgelenke. Lieber das Geld noch einige Jahre sparen, bis die Hersteller modische Accessoire mit sinnvollen und umfassenden Funktionen anbieten.

1/5


LG G Watch
199 €
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LG Electronics

Hauptleistungsmerkmale:
CPU: Qualcomm 1,2 GHz Snapdragon 400
Bildschirm: 1,65 Zoll (ca. 4,2 cm), LCD IPS (280 x 280)
Speicher: 4GB eMMC, 512MB RAM
Batterie: 400 mAh
Betriebssystem: Android Wear (kompatibel mit Smartphones mit Android 4.3 oder höher)
Abmessungen: 37,9 x 46,5 x 9,95 mm
Gewicht: 63 g
Verbindungstechnologie: Bluetooth 4.0
Sensoren: 9-Axis (Gyroskop, Beschleunigungsmesser, Kompass)
Farben: Stealth Black, Champagne White
Weitere: Staub- und wasserfest (IP 67)

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