MOTÖRHEAD – München – Zenith – 10.11.2014


Lemmy … !

War der alte Haudegen Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister letztes Jahr zu krank, um seinen jährlichen München-Pflichtbesuch zu absolvieren, und wurden auch die auf dieses Frühjahr angesetzten Ersatztermine gecancelt, so ließ das schärfste Powerrock-Trio es sich diesen Herbst nicht nehmen, in seinem geliebten Zenith dem Münchner Publikum wieder eine volle Breitseite in die Gehörgänge zu implantieren.

Los ging es aber mit den Berlinern SKEW SISKIN, von deren Gründungsmitgliedern die beiden Protagonisten Nina C. Alice am Gesang und Jim Foxx an den vier Saiten seit 1992 immer noch dabei sind. Leider war das Quartett schon einige Zeit zugange, als wir nach längerer Parkplatzsuche und Einlass-Schlangen die weite Halle betraten. Musikalisch ein krachender Mix aus hartem Rock mit einigen Punkeinflüssen, kam der Vierer sichtlich gut bei den ca. 5000 Anwesenden an. Wenn AC/CD Punk machen würden … so würde es klingen.

Nach einer Umbaupause kamen Musiker auf die Bühne, die nur als Ersatz für den eigentlich für Herbst ´13 geplanten Support Saxon waren, weil eben die Saxonisten alleine auf einer Headliner-Tour durch good old Germany unterwegs sind. Wie MOTÖRHEAD ebenfalls aus dem Vereinigten Königreich stammend und fast genauso lang bestehend, nämlich seit 1976, kam die neben den Sex Pistols legendärste Punkband der Geschichte auf die Münchner Bühnenbretter. THE DAMNED … Zwei der Gründungsmitglieder und „die“ Aushängeschilder der Band, Dave Vanian am Gesang und Captain Sensible (You know …“He said Captain, I said WOT!“ (sic!)) an der Gitarre sind die Eckpfeiler, an denen sich THE DAMNED seit 38 Jahren aufrecht halten. Leider konnten so einige vom mittlerweile an viel mehr Krach gewöhnten Publikum nicht mit dem melodiösen, ja fast etwas braven Punk der Briten warm werden. Seinerzeit 1977, als diese noch vor den Pistols die erste Punksingle der Welt veröffentlichten, war dieser Sound geradezu revolutionär, aber in der heutigen Zeit wirkten die Lieder etwas zahnlos. Sogar ein Keyboard wurde eingesetzt … eigentlich ein Sakrileg der Rebellen von damals, heutzutage auch nicht weiter schlimm. In den End-Siebzigern wäre das Set, das THE DAMNED heute ablieferten mit Sicherheit bestens angekommen, aber bei dem auf Lärm geeichten Publikum kam außer zeitweiligen Jublern leider etwas weniger Stimmung auf, als gewünscht.

Nach wiederum einer kurzen Umbaupause kamen sie endlich. Die legendären Worte, auf die so gut wie alle Anwesenden gewartet hatten. „We´re Motörhead … and we play Rock and Roll“, aus dem Mund des schärfsten Christkindls der westlichen Hemisphäre. Und dann ging es ab, wie eine Stalinorgel an der ehemaligen Ostfront. Eigentlich wurde ja verstärkt das Material des letzten Albums Aftershock erwartet, aber mitnichten. Mit Shoot you in the Back ging’s los und mit Damage Case, Stay clean und Metropolis ging es in gewohnter Vollgasmanier weiter. Lemmy peitschte seinen Rickenbacker wie ein Jockey seinen Renner durch die Annalen der Motörhead-Geschichte. Nach Over the Top gab es erstmal eine kleine Ruhepause für den Chef im Ring. Der Waliser Phil „Wizzö“ Campbell durfte seine Künste an den sechs Saiten zelebrieren und das kam bei den Münchnern sehr gut an. The Chase is better than the Catch gefolgt von Rock it und Suicide wurden dann wieder in voller Trio-Besetzung abgefertigt. Mit dem Live-Debüt von Do you believe und dem Schwermetall-Blues Lost Woman Blues kamen die beiden einzigen Songs vom Aftershock Album zum Zuge. Beim folgenden Mega-Burner Doctor Rock durfte sich der jüngste in der Gruppe, der schwedische Drummer Mikkey Dee an seinen Fellen so richtig austoben. Wie ein Berserker drosch er auf martialische Art auf seine Kessel ein, dass die Drumsticks in Fetzen gingen. Mega Begeisterungsstürme waren die Folge, Drum-Soli ziehen immer, und wenn sie dann auch noch mit aller Gewalt vorgetragen und dabei auch noch extrem perfekt gespielt werden, erst recht. Bei Just `cos you got the Power durften auch Cheffe Lemmy und Wizzö wieder mitmachen und mit Going to Brazil und Killed by Death kamen die richtigen Klassiker zur richtigen Zeit. Den Schlusspunkt des regulären Sets bildete der größte Hit der Band: Ace of Spades dürfte wohl eine der größten Hymnen des Heavy Metal sein, die sogar Nichtmetallern ein Kopfnicken abverlangt. Unter Jubelstürmen verließ das Trio die Stage, aber nur um nach ein paar kurzen Minuten für eine letzte Kanonade an musikalischem Lärm zurückzukommen und die Ohren der Fans mit Overkill zu guter Letzt nochmals so richtig durchzupusten. Knapp eineinhalb Stunden wurden die Münchner beglückt und man kann nur hoffen, dass sich Lemmy wieder soweit erholt, um im kommenden Herbst wieder diese berühmten Worte in den Münchner Nachthimmel zu posaunen. „We´re Motörhead … and we play Rock and Roll!“.

5/5

Setlist:

01 – Shoot you in the Back
02 – Damage Case
03 – Stay clean
04 – Metropolis
05 – Over the Top
06 – Guitar Solo
07 – The Chase is better than the Catch
08 – Rock it
09 – Suicide
10 – Do you believe
11 – Lost Woman Blues
12 – Doctor Rock
13 – Just ´cos you got the Power
14 – Going to Brazil
15 – Killed by Death
16 – Ace of Spades

17 – Overkill

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