CD: He Is Legend – Few


I am Legend kennt jeder spätestens seit der Verfilmung mit Will Smith. Dass dahinter ein Buch von Richard Matheson steht, das noch ein bisschen mehr Tiefe hat, wissen weniger Leute. He Is Legend ist eine Band aus Wilmington, North Carolina, USA, deren Bandname auf dieses Buch als kleine Hommage zurückzuführen ist. Die Gründungsmitglieder hatten schon immer Musik gemacht, 2003 formierte sich dann die Gruppe und deckte im Laufe der Jahre eine musikalische Bandbreite von Metalcore, Sludge Metal, Southern Rock bis hin zu Hard Rock ab. Aktuell werden sie als Post-Hardrock gehandelt. So viel zur Theorie, kommen wir zur Praxis. He Is Legend waren Anfang Mai auf Deutschlandtour und haben ihr neues Album Few präsentiert. Das fünfte Studioalbum soll an das anknüpfen, was man aufgrund der vorangehenden Scheibe Heavy Fruit erwartet: Gediegenen Hardrock, manchmal ein bisschen soft, aber im Großen und Ganzen doch eine hörbare Mischung.

„Air Raid“ ist noch ein ruhiges Midtempo, das auch nicht ausbricht und dafür im krassen Gegensatz zum Beginn von „Sand“ steht, das erheblich kraftvoller startet, dann aber ins Ruhigere abdriftet. Die Nummer ist auch recht kurz mit gerade mal zweieinhalb Minuten Länge. Im Übrigen haben es drei Songs auf die Scheibe geschafft, die weniger als drei Minuten lang sind. Das ist recht selten heutzutage. „Beaufort“ bietet auch keine Überraschung, dafür beginnt aber das darauffolgende „Silent Gold“ viel ruhiger, gelassener, fast schon melancholisch. Es ist die ruhige Nummer, die zwar zum Refrain hin etwas stärker in die Saiten greift, aber nicht weiter ausbricht. Wenn man sich mal den Spaß erlaubt und „Silent Gold“, „Alley Cat“ und „Jordan“ etwa bei der Hälfte der Songs hintereinander anspielt, kann man gar nicht erkennen, dass es sich um drei verschiedene Nummern handelt. Ist das jetzt gut oder schlecht? Nun, es bietet keine Abwechslung und stellt keinen aufregenden Ausbruch dar, den manche Hörer vielleicht wünschen. Allerdings zeigt das auch, dass He Is Legend stets ihren Stil komplett beibehalten und wenn man einmal Gefallen an dem Sound gefunden hat, dann mag man fast jede Nummer und hat keine Enttäuschung zu erwarten. Das ist nicht zwingend negativ zu bewerten. „Call Ins“ ist ein langsamer Track, der fast schon depressiv erscheint. Jedes Album braucht irgendwie seine Ballade, bitteschön, hier ist sie. „Eastern Locust“ fängt auch im gleiche Stil an und man denkt fast, dass hier auch alles ruhig bleibt, aber der Song bricht aus und ist dann doch recht kraftvoll. „Fritz The Dog“ tanzt. Ja, die Musik springt und ist verspielt, eine Art Antipode zum Text, aber genau das macht Spaß. „The Vampyre“ geht dann wieder einen härteren Weg. „The Garden“ bildet nicht nur den Abschluss und längsten Track, er ist auch abwechslungsreich und springt zwischen, Elektronik, typischen Rockelementen und dem letzten Versuch, hart zu erscheinen, hin und her.

Alles in allem ist Few kein schlechtes Album. Hardrock in seiner zahmen Form, die ich nur als Rock beschreiben würde. Ein durchgängiges Midtempo, das keinerlei nennenswerte Überraschungen bietet und fast schon langweilig dahintröpfelt. Ich bin etwas unschlüssig, wie ich die Scheibe zu beurteilen habe. Sie reißt mich nicht vom Hocker, weil mir die wirklich Härte fehlt, es könnte mehr Abwechslung drinnen sein und ein bisschen mehr Seele bieten. Der Vorgänger Heavy Fruit war kraftvoller und hat mir erheblich besser gefallen.

2,5/5

He is Legend – Few
Spinefarm Records, 2017
CD: 13,99 €

Tracklisting:
Air Raid
Sand
Beaufort
Silent Gold
Alley Cat
Jordan
Gold Dust
Calls Ins
Eastern Locust
Fritz the Dog
The Vampyre
The Garden

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