CD: Enemy I – Dysphoria


Enemy I ist ein Musikprojekt aus Berlin, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, anders zu sein. Sie lassen sich in kein Genre pressen und machen Musik, die abwechslungsreich ist und ihnen gefällt. Mit dem Debütalbum Dysphoria zeigt das Quintett, was es kann und wie vielseitig es ist.

Wenn man bei den ersten anderthalb Minuten schon denkt: Nee, lass mal stecken, ist das gerne ein schlechtes Zeichen. Nun sind 90 Sekunden aber nicht einmal ansatzweise ausreichend, um ein Album wirklich zu rezensieren und natürlich wurde weitergehört – zum Glück! Mit der Zeit fand ich Gefallen an „Don’t trust“, einem vielseitigen Song, der von der Abwechslung lebt. Zu Beginn ist der Song zu unruhig, da will man zu viel auf einmal, was mir gar nicht gefallen hat. Erst dann beruhigt sich das Stück und findet seine Mitte, die dem Hörer eine gute Rocknummer beschert. „Twinsight“ geht dann auch gleich gut rockig weiter mit einer steten Industrialnote, die im Hintergrund für tanzbaren Rhythmus sorgt. Es gibt sogar einen ruhigen Part in dem sonst so vorwitzigen Song. Man kann sich Enemy I gut auf verschiedenen Festivals vorstellen, auf denen Genres verbunden werden. Da haben Rockfans und Metalheads genauso ihre Freude wie die Industrialtänzer, die ihre Füße nicht stillhalten wollen. Für mich als Gitarrenlover ist natürlich auch was dabei. „The Cage“ ist mit seinem ruhigen Anfang, der Kombination aus Gitarre und Gesang, genau mein Ding. Eine richtige Ballade, die wirklich Spaß macht. Könnte bei mir demnächst in Endlosschleife laufen. 2:48 Minuten ist das nächste Stück kurz. Da fragt man sich, was Enemy I sich hier ausgedacht haben. Um ehrlich zu sein: Etwas Verstörendes. Die elektronische Nummer erinnert an Endzeitfilme, vielleicht auch an Zombiestreifen. Kurz und knackig, da kann man gar nicht viel zu sagen, aber es zeigt, wie abwechslungsreich das Album ist, das gleich schneller weitergeht mit „Placebo God“. Eine metallastige Nummer, die für die Headbanger eine Freude sein dürfte. Sogar Growling hat seinen Einzug gefunden, eine satte Leadgitarre mit gutem Riff. Vielleicht nicht der Song, den man erwartet, aber er passt auf das Album. „Miss Sex“ geht wieder eher in die Industrialrichtung, dadurch ist die Scheibe ziemlich ausgewogen. Hier stört mich ein bisschen dieses Bizarre, ich würde es fast Schizophrene nennen, das sich Melodie bezeichnet. Zwischendurch beruhigt sich das, geht dann aber noch mal los. Zeitweise mag es an den Soundtrack zum Blockbuster Matrix erinnern und an The Prodigy oder einen Marilyn Manson der früheren Jahre. Könnte gut sein, mir persönlich gefällt einfach der Sound dahinter nicht, vielleicht stört die Gitarre? „Without undue delay“ bleibt in dieser Schiene, da erscheint mir die Melodie aber ausgereifter zu sein und daher gefällt mir der Song wieder besser. „A Battlefield“ ist ruhig, so eine Art Gothicbalade, daher tanzbar. Ein düsterer Song, der dem Titel nachkommt. Nicht ganz die Stärke von Manowar mit der Schlachtfeldthematik. „Some exist“ hat ein sehr langes Intro, wieder ein langsamer Song, wir kommen hier wirklich ab von Schnelligkeit und Härte, bedienen das düstere Gothicgenre und bauen eine finstere Stimmung auf, die anhält. Das ist gar nicht mal so schlecht, rundet das Album ab und den Stilmix, den wir hier vorfinden. „Heartbeat decline“ enttäuscht mich. Aus einem ganz einfachen Grund: Der Anfang ist toll – und dann setzt der Gesang ein und es wird ein hibbeliger, schneller Song, bei dem mich der weibliche Gesang nervt. Diesen Part hätte ich nicht gebraucht und für mich zerstört er das Lied, das dann wieder besser wird, bis eben die weibliche Stimme erneut einsetzt. Könnte aber dennoch ein guter Discosong sein, also nicht ganz verrückt machen lassen von meiner Abneigung. Gehen wir weiter zu „Our Demise“, wieder eine Ballade, gitarrenlastig, ja, das könnte gerne der feste Sound von Enemy I sein, denn dieses Rockige mit dem klassischen Trio aus Drums, Bass und Gitarre steht ihnen gut. „Final Cut“ gibt dann wieder einen Mix zum Besten, der stellenweise an Lord of the Lost erinnert. Hier ist mir stellenweise zu viel reingemischt worden, was schade ist, aber trotzdem ist der Song gut geworden. Den Abschluss bildet „Spell Cast“, wieder eine ruhigere Nummer. Nun ja, gegen Ende hin wird die Platte eben bedachter, ruhiger, friedlicher. Das ist nicht schlecht, aber ans Ende würde ich eine Powernummer setzen.

Was bleibt für das Fazit? Eine bunte Mischung Musik. Die Stile sind ineinander verwoben und man kann zwischen Rock, Metal, Industrial und Gothic nicht immer klar unterscheiden. Das macht Enemy I und das Album Dysphoria interessant – oder unhörbar. Der Stilmix ist gewagt, ein komplettes Album draus zu machen, ist ein mutiger Schritt, der genauso in die falsche Richtung hätte gehen können. Dennoch möchte ich Dysphoria nicht verteufeln, sondern den Hörern und Tänzern da draußen ans Herz und auf den Plattenteller legen. Lasst euch drauf ein! Vermutlich wird sich kaum jemand finden, der die ganze Scheibe toll findet, aber einzelne Songs auf jeden Fall. Das breite Spektrum, das abgedeckt wird, sorgt auf jeden Fall dafür, dass es nicht langweilig wird!

4/5

Enemy I – Dysphoria
recordJet, 2017
CD: 11,99 €
Amazon

Tracklisting:
Don’t trust
Twinsight
The Cage
S.a.r.b.
Placebo God
Miss Sex (feat. Klimax)
Without undue delay
A battlefield
Some exist
Heartbeat decline
Our demise
Final Cut
Spell-Cast

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