CD: Plague Called Humanity – Disconnection


Eine Band aus Tschechien, die ihre erste EP auf den Markt geschmissen hat, nennt sich Plague Called Humanity. Der Bandname ist etwas seltsam auf den ersten Blick, macht jedoch immer mehr Sinn, wenn man sich ein bisschen mit den Jungs beschäftigt. Auf Facebook werden als Einflüsse nämlich ausnahmsweise mal keine Bands angegeben, sondern Missstände wie mediale Propaganda, menschliche Dummheit oder politisches Versagen – alles etwas, das die Gesellschaft beeinflusst, vielfach unter dem Deckmantel der Humanität. PCH beschreiben ihre Musik als Mischung aus Cyberpunk und EBM, das trifft das Ganze auch gleich ziemlich gut.

Mit „Plague“ findet die Scheibe Disconnetion ihren Anfang, ein Intro, das noch harmlos und ruhig klingt, noch nichts von der brachialen Cybergewalt in sich hat, mit der die Hörer ab Song Nummer Zwei konfrontiert werden. „Doomed Generation“ hat einen satten Beat und entfaltet sich sofort zu einer guten Tanznummer. Dazu ein dunkler Raum, ein paar Strobos und ab geht die Luzie! Textlich geht es um die Generation Y, die ja immer mehr in aller Munde ist – und das nicht zwingend positiv. Aber PCH sagen, dass diese Generation eine Zukunft hat und sehr wohl etwas zustande bringen kann und wird! Das zeigt schon, dass es hier nicht nur um leere Texte geht, sondern viel Politik und Gesellschaft verflochten wurde. „Mrtvy Svět“ heißt übersetzt Tote Welt. Es ist ein starker Song, nicht nur musikalisch. Es geht um Verbote und falsche Moral, um alternative Fakten und darum, dass die wenigsten wirklich die Wahrheit sehen wollen. Ein starker Text, sehr moralisch, aufrüttelnd. Es lohnt sich wirklich ein Blick drauf. Wer mal so richtig Wut, Hass, Abneigung und Unverständnis rausbrüllen möchte – und dazu noch einen harten Beat wünscht -, der greift einfach zu „The Truth“. Eine starke Nummer, die einen tänzerisch eskalieren lassen kann – ich denke da an Clubs wie das Nerodom in München. Das Lied endet mit dem Aufruf: „Fuck the system, save your life!“ Inhaltlich also durchaus vom Punk angehaucht worden, was aber nicht schadet. Der fünfte Track „Disconnection“ dreht den Blick auf einen selbst. Eine langsamere Nummer im Vergleich zu den vorangehenden Liedern.

Neben den fünf eigenen Songs, gibt es fünf Remixes. Dolls of Pain haben sich „Doomed Generation“ vorgenommen und das ist richtig gut geworden, im bekannten Stil. Der Remix aus der Feder von Qx-Rh85 von „Mrtvy Svět“ gefällt mir persönlich überhaupt nicht. Böse gesagt: Ein DJ spielt an den Reglern und filtert den Gesang ein bisschen raus, der Rest wird verzerrt und gescratcht. Nicht meine Welt. Auch „The Truth“ verliert an Kraft und ist stark auf elektronische Spielereien reduziert. Allerdings von keinen Geringeren als Jerk in the Can und Doug Fury. „Disconnection“ wurde zweimal genutzt. ESA machen eine brachiale Nummer draus, die ein bisschen an Störungen in der Funkfrequenz erinnert. Wobei der Remix von BloodPact Roulette rein instrumental ist und zwischendurch fast schon an schwere Gitarren erinnert.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass bei PCH vor allem die Texte zählen und man sich für diese wirklich ein paar Minuten Zeit nehmen sollte. Hinter dem Projekt steckt eine Menge gesellschaftliche und politische Kritik. Musikalisch macht das Trio seine Sache ziemlich gut. Stellenweise fehlt mir die Industrialnote, die hier sicherlich noch gut reinpassen würde. Als Cyberpunkprojekt jedoch wirklich zu empfehlen und da bleibt zu hoffen, dass bald ein Longplayer folgt.

5/5

Plague Called Humanity – Disconnection
Label: Independent, 2017
Bandcamp: n/a
https://pchband.bandcamp.com/releases

 

Tracklisting:
Plague
Doomed Generation
Mrtvy Svět
The Truth
Disconnection
Doomed Generation (Dolls of Pain Perverse Remix)
Mrtvy Svět (Anarchy and Chaos Remix by Qx-Rh85)
The Truth (Remix by Jerk in the Can and Doug Fury)
Disconnection (Lost connection remix by ESA)
Disconnection (BloodPact roulette)

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