Fury in the Slaughterhouse – Live & Acoustic – Circus Krone München


Fury in the Slaughterhouse – Die Hannoveraner Band war seinerzeit einer meiner Lieblingsbands, hatte ich die Gruppe schon Ende der 80er Jahre das erste Mal live gesehen und seitdem bestimmt an die fünf oder sechs weitere Male. Regelmäßig als Band gibt’s die Truppe nicht mehr, weder im Tonstudio, noch auf der Bühne. Ab und an, wenn man Lust darauf hat, findet sowas wie ein Klassentreffen statt. Jetzt, im Jahre 2017 war’s mal wieder soweit und eine kleine Tour stand an. In München wurde das ehrwürdige Rund des Circus Krone bespielt. Dem Ort, den bereits die Rolling Stones und die Beatles in einen Hexenkessel verwandelt hatten. Die Show war im Nu ausverkauft und da Kyra die Band noch nie live gesehen hatte und ich ihr von ihnen vorgeschwärmt hatte, gingen wir natürlich hin. Ein großes Bühnenbild oder LED-Screens gab’s nicht, stattdessen einen fast intim anmutenden Aufbau der Stage. Pünktlich um 20:00 Uhr ging das Licht aus und die ersten Töne erklangen. Von Anfang an wurde die Band gefeiert. Leider gab es für mich keinen Grund zu klatschen. Was ich da aus den Lautsprechern vernehmen musste, hatte wenig bis fast gar nichts mehr mit den alten Furys gemeinsam. Zahnlos zahm und mit gebremsten Schaum wirkte die Truppe. Sicherlich war ein Teil davon dem Tourmotto „Acoustic“ geschuldet – aber gleich so brav ? Der Großteil des Publikums bestand aus gesetzten, braven Semestern zwischen 30 und 50, die vielleicht die Radiohits aus den 90ern miterlebt hatten. Mädels, die ihre Männer daheim gelassen hatten, um allein mit den Freundinnen mal wieder einen draufzumachen, anstatt sich wie üblich zum Kaffeekränzchen zu treffen. Sicherlich waren auch genügend männliche Personen anwesend, die aber saßen artig neben ihren Mädels und applaudierten brav mit, während die weibliche Fraktion nahezu jedes Lied fast ekstatisch (manchmal sogar im Takt) mitklatschte. So gut wie alle bekannten Hits aus den letzten 30 Jahren wurden dargeboten. Den ersten bekannten Kracher „Dancing in the Sunshine of the Dark“, der im Jahre 1995 überall für volle Tanzflächen gesorgt hatte, erkannte man kaum wieder. Langsam dahingeschrammelt musste man schon Text oder zumindest den Refrain kennen, um zu erkennen, was da gespielt wurde. Ein erstes Highlight (vor allem für die Mitklatschmädels) war „When I’m dead and gone“. Was wurde die Band da gefeiert. Bezeichnend ist, dass es ausgerechnet eine Coverversion sein musste, die die Fans zum Toben brachte. Bereits 1970 war der Song fast gleich klingend auf der ersten LP von McGuinness Flint drauf und seitdem überall bekannt. Musikalisches Können konnte man der Band wahrlich nicht absprechen. Da standen Vollprofis auf der Bühne, die ihr Handwerk beziehungsweise ihre Instrumente meisterhaft beherrschten. Von den Gründungsmitgliedern sind immer noch vier aktiv dabei. Sänger Kai Wingenfelders Stimme klang brillant wie eh und je, auch wenn er manchmal die höheren Passagen eine Oktave tiefer sang als früher. Die Gitarristen Thorsten Wingenfelder und Christof Stein-Schneider waren jeder Kritik erhaben und Drummer Rainer Schumann sorgte für den perfekten Beat. Bassist Christian Decker und Gero Drnek sind auch schon 21 bzw. 28 Jahren fest in der Band und erledigten ihren Job souverän. Neu mit dabei sind Martin Huch an Gitarre und Pedal-Steel-Gitarre, sowie die Multiinstrumentalistin Anne de Wolff an Geige, Cello, Posaune und noch einiges mehr. Die beiden sind erfrischend gut. Kai erzählte kleine Anekdoten zwischen den Songs, so auch als er auf „sein“ Lieblingslied von Fury zu sprechen kommt. „Every Generation got its own Disease“. Dieser Song war seinerzeit auch einer meiner persönlichen Alltime-Favoriten, den ich als DJ jede Woche auflegte. In seiner jetzigen Fassung wäre der Track bei mir durchgefallen. Dahinschleppend und fast öde … Furys, was macht ihr da? Der wahrscheinlich größte Hit der Band, „Radio Orchid“ vom 93er Mono-Album wurde damals unsäglich remixt von MousseT. Der Bayerische Rundfunk daddelte diesen Remixmüll damals rauf und runter. Zu allem Unglück spielen Fury heute ausgerechnet diese unmögliche Weichspüler-Mistversion dieses eigentlich grandiosen Songs. Fast wäre ich an dieser Stelle gegangen. „Won’t forget these Days“, „Trapped today, trapped tomorrow“, „Seconds to fall“, „Milk and Honey“, „Bar des Boulistes“ … alle Songs, die den Ruf der Furys zementiert hatten, wurden gespielt und gefeiert. Sogar zwei weitere Coverversionen, die es eigentlich nicht gebraucht hätte … „Boys don’t cry“ von The Cure, und „It’s a long Way to the Top“ von AC/DC in einer abgespeckten, langsamen Hillbillyversion. Warum, frage ich mich, wenn man solch unbekannte Perlen wie „Anthem of the handsome Ransom“, „Riding on a dead Horse“, „Drug addicted in the Jailhouse“ stattdessen spielen könnte? Warum nur weichgespült, anstatt mit dem Drive der früheren Jahre, den ich schätzen und lieben gelernt hatte? Früher zum Niederknien und jetzt fast zum Davonlaufen. Bereits kurz vor Schluss hielt uns nichts mehr auf den Sitzen und wir verließen vorzeitig die Halle. Das war mit ziemlicher Sicherheit mein letztes Fury in the Slaughterhouse Konzert. Das Feuer ist ausgebrannt.

8 Kommentare

  1. An alle meine Kommentatoren, die meinen, ich hätte den Sinn und Zweck einer akustischen Tour nicht verstanden.

    Ich kann sehr wohl abschätzen, was eine Acoustic Tour und was eine „normal“ gespielte Tour unterscheidet. Ich gehe seit 1980 auf Konzerte und hab bei meinen circa 1500 erlebten Konzerten auch viele unplugged oder akustische Konzerte erlebt. Ich hab in all den Jahren viele akustische Shows erlebt, bei denen viel mehr Drive drin war. Seien es jetzt komplett kleine Konzerte mit unbekannten Bands, als auch große Namen bei riesigen Festivals. Beim Münchner Fury Konzert hat mir der Biss komplett gefehlt, den ich aber schon oft erlebt hatte. Da war meiner Meinung nach kein Druck drin, teilweise weichgespült. Ich kann mich eigentlich als Fury-Fan bezeichnen, habe ich doch alle Platten in der Sammlung stehen. Am Können der Band hab ich ja rein gar nichts auszusetzen … nur eben am nicht vorhandenen Punch, den es sehr wohl gibt bei akustischen Konzerten.
    Gott sei Dank lässt sich über Geschmack ja nicht streiten und jeder kann seine Meinung kundtun, wie es ihm gefällt. Wenn es euch gefallen hat, ist das doch super. Mir hat es das eben nicht.

  2. Dein Ernst? Was für’n Unsinn! Wem nicht von vornherein klar war, dass die little big world eine extra arrangierte akustische Reise mit den furys ist, der sollte vielleicht auch keine Kritik dazu schreiben! Thema verfehlt! Zum Glück hat’s den Fans sehr gefallen und wie Kai gestern so schön sagte, wer keinen Spass hatte der ist dummdummdummdidummdummdumm…

  3. Da hat wohl einer seine Hausaufgaben nicht gemacht und vergleicht nun Äpfel mit Birnen , wie uninformiert kann man nur sein und dann noch so nen Schwachsinn von sich geben ? Vielleicht wäre Wassertropfen an nem sonnigen Tag der richtige Job bei soviel Dummheit!

  4. … wenn man burger und currywurst möchte …, aber in eine eisdiele stapft … – dann muss man sich nicht wundern, dass die burger und die currywurst nicht nur anders aussehen, sondern auch anders schmecken!!! SUCHE DEN FEHLER! sehr fragwürdig allerdings ist, warum „sich so unwissende und blöde menschen“ dann auch noch dazu erdreisten dürfen den „eisdielen-inhaber“ fälschlich öffentlich anzuprangern …

  5. Ähm, mitbekommen, dass es im Sommer eine Open air Tour gab? Und da auch laut und in Original Version gespielt wurde? Und jetzt halt akustisch und bei arrangiert? Anscheinend nicht…

  6. Normalerweise ignoriere ich ja so ein Geschreibsel. ABER…
    Wir waren dieses Jahr in Hannover,Trier und Ulm auf wirklich sehr guten Fury Konzerten, die genau so waren wie gewünscht (mit Strom und ordentlich Bumms) Die Tour hast Du wohl verpasst !! Im Circus Krone war eines der besonderen Akustik Konzerte. Natürlich klingen umarangierte „unplugged“ Stücke anders als die Orginalversion. Aber das ist Dir wohl als einzigem im guten alten Krone Bau entgangen..
    Gehe auch seit mitte der 80er auf Konzerte (erstes mal Fury 1990) aber noch nie war eine Konzertkritik so am Thema vorbei. Das Konzert war sensationell und Freue mich auch das naechste Fury Konzert… Aber auch da gerne wieder mit mehr Strom..

  7. Vielleicht hättest du dann doch lieber zu einem Open Air im Sommer gehen sollen – der Sinn dieser und eigentlich jeder Akustik-Tour ist ja eben genau, nicht alles wie immer zu machen, sondern andere Seiten und Facetten der Songs zu zeigen.

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