Krimidinner: Viva la muerte – Arget – 02.02.2018


„Krimi-Theater für Geniesser“ heißt es auf der Homepage von Zimt & Zyankali. Geboten wird ein amüsantes Krimi-Dinner, das einen langen und lustigen Abend verspricht.

Wir haben uns das Ganze angesehen und sind ohne Erwartungen in den Landgasthof Schmuck nach Arget gefahren. Die Geschichte ist einfach: Ein berühmter Torrero möchte noch einmal in den Kampf gegen einen prächtigen Stier ziehen. Seine Frau befeuert seine Pläne, das Hausmädchen schwärmt ohnehin leidenschaftlich für Männer und hat ein Verhältnis mit dem Bruder des Torreros. Dessen Sohn allerdings ist Künstler, wohnt noch zu Hause, mag von all dem gar nichts wissen und ist begeistert von der Sängerin, die jedem schöne Augen macht. Viva la muerte lässt natürlich auch einige sterben, sonst wäre es ja kein Krimi, aber wer ist denn nun tot und wer der Mörder und was haben der Pfarrer, der Arzt, der Multimillionär und die Umweltaktivistin damit zu tun? Das wird nicht verraten. Aber die letztgenannten Personen haben eines gemeinsam: Sie sind keine Schauspieler, sondern Freiwillige aus dem Publikum. Man kann sich beim Kartenkauf für eine Rolle bewerben, werden nicht alle besetzt, wird kurzerhand vor Beginn des Theaters im Publikum nach Freiwilligen gesucht. Die Rollen kann man gestalten, wie man möchte und da man gar nicht weiß, wer da nun mitspielt, ist es eine tolle Überraschung, die auch verdeckte Talente enthüllt.

Zwischen den Szenen gibt es ein viergängiges Menü. Das ist zwar nicht Spanisch, aber trotzdem ganz gut. Nun überlegt man natürlich, inwiefern man das Essen und die Lokalität bewertet, denn eigentlich soll es hier um Viva la muerte gehen – und deshalb konzentrieren wir uns auch genau darauf und nicht auf den Landgasthof Schmuck in Arget, der sich an diesem Abend nicht mit Ruhm bekleckert.

Aber zurück zum eigentlichen Sinn des Abends. Die Truppe hat in dieser Form noch nicht zusammen gespielt, alsoa uch nicht geprobt, erfahren wir später. Davon merkt man aber null. Die Schauspieler verstehen was von ihrem Handwerk. Sängerin und Schauspielerin Doris S. Langara verzaubert mit einer fantastischen Stimme. Da ist es kein Wunder, dass die „Königin der Nacht“ eine ihrer liebsten Rollen ist. Gesanglich stellt sie das Team in den Schatten und spielt ihre Rolle als Carina arrogant, verführerisch und vor allem sehr überzeugend. Dolores ist die Ehefrau, deren Augen gerne mal eifersüchtig glühen. Marja Krings scharwenzelt um den Multimillionär herum, ereifert sich ob der Nebenbuhlerin und verteilt gerne die ein oder andere Spitze. Sarah Elena Timpe spielt Monica, das Dienstmädchen, und die Kommissarin. Aufgeweckt, ein bisschen dumm und mit großen Kulleraugen. So unschuldig und lebensfroh, dass es eine wahre Freude ist. Ihre Mimik ist brillant. Dass sie auch anders kann, erfährt das Publikum gegen Ende des Stücks. Da wird noch mal ein ganz anderer Charakterzug ausgepackt. Wenn man Abneigung förmlich spüren will: Vedran Lovric alias Jóse steht gerne am Rand vor seinen Bildern und motzt sich durch das Stück. Der erfolglose Sohn ist ein bisschen zerfressen von Hass, Neid und Missgunst und traut dem ganzen Jubel um den bevorstehenden Kampf nicht. Diese Emotionen werden klasse rübergebracht. Paco wird von Schauspieler und Autor des Stücks Markus Menzel dargestellt. Er ist der Bruder des Torreros Salvador und ein kleines Fähnchen im Wind, solange er gut dabei wegkommt. Salvatore Pascale spielt Salvador und den Kommissar Pequeno. Als Torrero ist er der stolze Mann, der sich gerne feiern lässt und die Frauen über alles liebt. Als Kommissar hingegen erinnert er ein wenig an Columbo und Clouseau. Wenn es irgendwann mal ein Stück gibt, das sich um eben diesen Kommissar dreht, bin ich Dauergast. Genial gespielt, mit viel Charme und einer gehörigen Portion Humor.

Das Publikum darf mitsingen, mitgestalten, wird einbezogen. Was gar nicht klappt, ist das Hufe scharren und Schnauben des Stiers. Stattdessen wird kräftig Olé gerufen. Dann werden Zettel ausgeteilt und das Publikum darf kreativ sein. Wie ist das denn nun? Wer ist der Mörder – oder gab es gar keinen Mord? Die Zettel werden eingesammelt und schließlich wird der Gewinner gezogen. Eine Flasche Stierblut … äh … Rotwein gibt es als Belohnung.

Der Abend war lang, aber die Zeit verflog trotzdem ziemlich schnell. So ein Krimidinner ist unterhaltsam und ein tolles Geschenk. Zimt und Zyankali bieten derzeit drei Stücke an, entführen nach Spanien, Italien und Russland. Die Termine und Orte findet ihr auf der Homepage, außerdem kann man das Ensemble mieten.

5/5 (wobei ausdrücklich nicht Essen und Location bewertet werden!)

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