The Story behind … Galadriel – Same


An das andere Ende der Welt, genauer gesagt nach Australien führt uns ein geniales, aber unbekanntes Album mit Blues-Rock Sound. Ausgangspunkt waren die Rockgruppen House of Bricks und Samael Lilith aus Sydney. Die House of Bricks-Mitglieder Daryl Braithwaite am Gesang, Garry Adams an der Gitarre, Schlagzeuger Doug Bligh und Bruce Worrall am Bass trennten sich 1969 aufgrund musikalischer Differenzen. Braithwaite und Worrall gingen erst zu Samael Lilith und bald darauf zur Band Sherbet, die sich Anfang des gleichen Jahres neu gebildet hatten. In den sechziger Jahren bestand das Repertoire der meisten Bands aus Coverversionen bekannter Hits. Adams und Bligh wollten aber eigenes Material schreiben und spielen und gründeten zusammen mit dem Samael Lilith-Bassisten und Flötisten Mick Parker, dem Gitarristen Gary Lothian, der vorher ein Jahr lang bei Elliot Gordon Union gespielt hatte, und dem Sänger John „Spider“ Sholtens die Band Galadriel. Ihren Namen hatte die Formation aus dem Buch The Lord of the Rings von J.R.R. Tolkien. Galadriel war dort die mystische Elbenkönigin, die mit ihrem Gatten Celeborn in Lorien lebt. Es dauerte nicht lange und Galadriel machte sich einen Namen in der Progressivszene und spielte oft in der Sydneyer Diskothek Joseph’s Coat. Sie teilten sich dort und auf anderen diversen Bühnen der Gegend oftmals die Bühnen mit anderen aufstrebenden progressiven Gruppen der Stadt. Kahvas Jute, Blackfeather oder Spectrum, um nur einige zu nennen. Mitte 1970 war es dann endlich soweit. Galadriel unterzeichneten ihren ersten Plattenvertrag bei Gus McNeils Cellar Music Verlag. Der Verlag hatte auch Mike Rudd’s Spectrum und Greg Quill’s Country Radio im Portfolio. Im Oktober 1970 fand sich die Band in den United Sound Studios in Sydney ein um Plattenaufnahmen zu machen. Unter der Regie des amerikanischen Produzenten und Aufnahmeleiters Tom Lubin spielte die Band zehn eigene Songs ein. Martin Erdman spielte mit seinem unabhängigen Label Du Monde von den späten 60ern bis Mitte der 70er Jahre eine große Rolle in der Musikszene rund um Sydney. Erdman zögerte nicht lange als er die Chance bekam, eine Single der angesagten Band herauszubringen. Mit der Katalognummer DMK-4110 kam in Februar 71 „Lady was a Thief“ mit der Rückseite „Girl of Seventeen“ auf den Markt. Der Interpretenname Galadriel war auf den Labels falsch geschrieben. Dort stand Galadriol zu lesen. Verkaufstechnisch war die Single nicht gerade der Renner. Mehrere Wochen lag die Single wie Blei in den Regalen während die Band aber live begehrt war. Im gleichen Jahr wurde in Europa die Polygram gegründet. Dieser Medienkonzern war ein Projekt bei dem die niederländische Philips Phonographische Industrie (PPI) und die Deutsche Grammophon Gesellschaft  (DGG)  zu jeweils 50% der Firmenanteile hielten. Diese neue Polygram streckte ihre Finger weltweit nach Gruppen aus, die einigermaßen Erfolg versprachen. Als ersten Rock-Act des australischen Kontinents signte die Polygram die Band Galadriel für ihr Label Polydor. Im Mai 1971 wurde dann zeitgleich sowohl die zweite Single der Band „Standing in the Rain“ / „Working“ mit der Nummer 2079 001 und die selbstbetitelte LP mit der Katalognummer 2907 001 veröffentlicht.

Die LP beginnt mit dem Gitarrenintro zu „Amble on“, einem stampfenden Beat-Track, der noch viel Sixties-Flair beinhaltet. Das Ganze mit einem harten bluesigem Touch versehen und die Post geht schon zu Anfang ab. Santana-artige Klänge bilden den Anfang zu „Such a Fool“, dem zweiten Song der Platte. Für den typischen Stil der Band ein erstaunlich ruhig gehaltener Song mit schöner Percussion. Mit einem schwerfälligen Basslauf beginnt „Girl of Seventeen“. Auf dem Track kommt die rauchige Stimme von Spider Sholtens super zur Geltung. Der bluesige Track ist der Anspielfavorit auf dem Longplayer. Jethro-Tull-artige Flötenklänge bilden den Einstieg zu „She left her Love at Home“. Gemischt mit den Geigenklängen klingt das sehr gut. Hat fast einen Touch von Curved Air. „Working“ beginnt mit einem treibenden Groove, der die komplette Nummer durchzieht, nur von einem kurzen Gitarrensolo untermalt. Akustische Gitarrenklänge beginnen einen relativ ruhigen psychedelischen Folksong namens „Standing in the Rain“, der von der Stimme Sholtens und dem Hauptinstrument Flöte lebt. Ebenso ruhig und akustisch gehalten beginnt „Mind Games“. Ein Mid-Tempo Song, der sich eine knappe Minute ruhig groovend aufbaut, ehe er kurz treibender wird, um dann wieder in den ruhigen Strophenpart zurück zu kehren. Dieser Wechsel von ruhiger Strophe und treibendem Refrain zieht sich durch das ganze Lied. Bei „Lady was a Thief“ taucht man ein in einen Country/Americana Stil, der sich aber sehr gut ins Gesamtbild der LP einfügt. Er ist etwas schneller gehalten und nicht so schnulzig süßlich, wie so viele Countrysongs. Brandungsrauschen und eine leise Basslinie, so beginnt der vorletzte Song der Platte. „One Day in Paradise“ ist schön im Stil von David La Flammes It’s a Beautiful Day gehalten. Progressivität, die aber nicht in das zu Harte abfällt, sondern sich eine spielerische Leichtigkeit bewahrt. Eine ruhige akustische Gitarre, die nach einer guten halben Minute von einer Flöte begleitet wird. Ein schöner folkiger Instrumental-Track bildet den Schluss der LP. „Things to come“ heißt das Werk und dauert leider nur knapp eineinhalb Minuten.

Erstaunlicherweise wurde die LP außer in Australien nur noch in Deutschland mit der Nummer 2480 059 veröffentlicht. Gewissen Quellen zufolge kam die LP in Deutschland nie in die Plattenläden, sondern wurde nur angepresst und teilweise an Journalisten und Radiostationen verteilt. Polydor fehlte natürlich jede Erfahrung auf dem australischen Kontinent und so verschwanden Single und LP nach einiger Zeit in der Versenkung. Kurz nach dem Release der Single verließ Bassist Mick Parker die Band. Von der Band Gutbucket kam Bruce Belbin und übernahm den vakanten Basspart. Für die Flöte kam Dave Allen in die Band. Galadriel bereitete sich Ende 1971 auf die Aufnahmen zur zweite LP vor und probten neue Stücke. „In the Night“, „Song for your Reason“, welche live dargeboten immer ein epischer Höhepunkt ihrer Konzerte waren, sowie eine ihrer kommerziellsten Songs „Poor Boy“ waren fest eingeplant für die Platte, „Poor Boy“ als eventuelle Singleauskopplung. Leider wurden die Aufnahmen zur zweiten LP niemals aufgezeichnet. Laut den Erinnerungen von Dave Allen war geplant, die Platte live auf einem Festival aufzuzeichnen. Verträge wurden ausgearbeitet und die Band probte, um das neue Material einzuspielen. Leider gab es einen großen Streit zwischen den beiden Songwritern der Band, Spider Sholtens und Gary Adams und mit einem Knall verabschiedete sich Galadriel von der Bildfläche. Anders als verschiedenen Gerüchten zufolge existierten niemals Aufnahmen der neuen Songs.

Doug Bligh und Gary Adams gingen zu Clik, der Band von Mario Millo. Millo spielte nach The Clik bei der  symphonischen Rockband Sebastian Hardie, die sich später unter dem Namen Windchase dem progressiven Rock zu wandten. Dort spielte er wieder mit Doug Bligh zusammen. Windchase spielte leider nur die einzige LP Symphinity  (Infinity Records, 1977) ein. Nachdem Mick Parker Galadriel verlassen hatte, ging er zu Jel Elliff, wo er aber nur einige Monate spielte. Er beendete dann sein Studium der Flöte am Sydney Konservatorium als sein Flötenlehrer Peter Richardson starb. Nachdem er nach Coffs Harbour gezogen war, gründete er dort einige lokale akustische Bands. Er tourte zusammen mit einem Busking-Trio auf einem alten Bus quer durch New South Wales. Mit Neil Dreamer and The Nightmares und No Thongs hat er Songs aufgenommen. In Adelaide war er für Entwicklung der Busking-Szene mitverantwortlich, ehe er 1980 bei der Tallowood Bush Band einstieg, die teilweise heute noch spielen. Mick Parker ist heute DVD-Produzent. Gary Lothian hat über zehn Jahre bei der Cyril B. Bunter Band gespielt, einem beliebten Rhythm’n’Blues Act aus Sydney. Außerdem war er Teil des Boogie Duos Swamphouse.

Die einzige LP der australischen Formation Galadriel ist heute bei Sammlern sehr gesucht und ein Kleinod in jeder Sammlung von progressiven Blues-Rock.

Galadriel – Same
1971 – Polydor – 2907 001

 

 

 

 

Tracklisting:
A1 – Amble on
A2 – Such a Fool
A3 – Girl of Seventeen
A4 – She left her Love at Home
A5 – Working
B1 – Standing in the Rain
B2 – Mind Games
B3 – Lady was a Thief
B4 – One Day to Paradise
B5 – Things to come

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