Heinz Strunk – Das Teemännchen


Von einem, der mit offenen Augen durch die Welt ging und die kleinen Geschichten, die kleinen Gesten, die großen Gefühle festhielt. Im Kurzgeschichtenband Das Teemännchen läuft Strunk einmal mehr zur Höchstform auf. Er beobachtet Menschen und ihre Schicksale, lässt Emotionen lebendig werden und beschreibt Wut, Hass, Trauer, Liebe, Hoffnung, Verzweiflung, Freude und vieles mehr in 50 Kurzgeschichten, die manchmal nicht mal eine Seite füllen.

Da geht es um das verpasste Leben unter den Schrecken der DDR, um rebellierende Kleinfahrzeuge und den jahrelang angestauten Hass eines Paares, das aus Bequemlichkeit, aus Gewohnheit, aus Perspektivlosigkeit zusammenbleibt und all die angestauten Emotionen bei einer einzigen Autofahrt so richtig eskalieren lassen. Manchmal erkennt man jemanden wieder. Die Nachbarin, den Mann von gegenüber, auf den die Erzählung so gut passt – und der damit doch nicht gemeint ist.

Strunk malt schnörkellose Wortbilder und findet immer wieder einen Aufhänger, immer wieder eine kleine Absurdität, sei es aus dem Alltag gegriffen oder aus dem Wahn, provoziert durch ein enges, starr vorgegebenes Lebensmodell. Er vermenschlicht Maschinen und macht Personen zu willenlosen Robotern.

Ein gelungenes Buch, das einem jedes Mal die Möglichkeit gibt, auch zwischendurch noch schnell eine Geschichte zu lesen, bevor man sich selbst in die Welt begibt und seine eigenen Beobachtungen macht und Storys sammelt. Durch und durch gelungen!

5/5

Heinz Strunk – Das Teemännchen
Rowohlt, 2018
208 Seiten
Hardcover: 20,00 €
Das Buch bei Rowohlt

 

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