Film: The Professor


Als Richard erfährt, dass er unheilbar krank ist, denkt er über sein Leben nach und stellt es für die letzten Tage, die ihm noch bleiben, noch einmal auf den Kopf. Nach Wut und Verzweiflung akzeptiert er sein Schicksal und tut das, was er vorher nie getan hätte – und sagt damit auf Wiedersehen zum Leben und zu den Menschen, die ihm etwas bedeutet haben…

Johnny Depp spielt in der Hauptrolle den todkranken Professor. Er verkörpert authentisch den Verfall des Mannes, der noch einmal etwas erleben will. So betrügt er seine Frau, gesteht ihr ihre Affäre mit seinem Boss zu und traut sich Dinge, der er in dem Leben vor der Diagnose niemals getan hätte. Dabei erkennt er, dass er in engen Fesseln gefangen ist, auferlegt von der Gesellschaft, die glaubt, ewig zu leben. Was er in den wenigen Wochen lernt, hätte sein ganzes Dasein verändern können, wenn er früher entsprechend gehandelt hätte.

Den verbleibenden Studenten seines Seminars möchte er genau das beibringen. Auch auf die Affäre seiner Frau reagiert er anders, als er es vermutlich vor der Diagnose getan hätte. Es gab schöne Jahre in der Ehe, warum sollte er sich also aufregen und alles wegschmeißen. „Liebe ist nicht endgültig“, referiert eine Studentin und fasst damit – unwissentlich – die Ehe des Professors zusammen und erklärt dem Zuschauer, woran es sich festzuhalten lohnt. Daran schließt sich der Appell des Professors an, etwas aus dem Leben zu machen, sich etwas zu verdienen, aber auch etwas zurückzugeben, zu kämpfen und nicht in Mittelmäßigkeit zu versinken. „Ihr habt eine Chance, nur eine beschissene Chance, verpasst nicht einen Moment von ihr.“

Richard says goodbye lautet der Originaltitel des Films und es ist ein langer Abschied, der für andere ein Neubeginn ist. Mit seiner Ansprache will Richard seinen Studenten – an anderen Stellen des Films auch seiner Tochter und Freunden – Mut machen und sie dazu auffordern, das zu tun, was er nie getan hat.

The Professor ist die Verbindung des mittelalterlichen „Memento mori“-Gedankens (ohne diesen auf das Jenseits zu beziehen) und im Kern wie Der Club der Toten Dichter. Es geht um das Leben und das Sterben, um verpasste Chancen, um Konventionen und ungeschriebene Regeln, denen man sich unterwirft. Am Ende erst, wenn es zu spät ist, stellt man fest, dass das Leben so viel mehr hätte sein können, hätte man seine Chance genutzt.

Brillant spielt Charakterdarsteller Johnny Depp die Hauptrolle des Sterbenden, an seiner Seite Rosemarie DeWitt als Veronica, Danny Huston als Peter, sein bester Freund. Regisseur Wayne Roberts bleibt seinem Grundthema damit treu. Bereits sein erster Film, Katie says goodbye, handelt von Träumen, Ausbruch aus festgefahrenen Mustern und dem Genießen des Lebens. Am Ende bleibt der Zuschauer nach schwerer Kost schweigend zurück. Der Film nimmt mit, bringt zum Nachdenken und hat eine klare, ehrliche, tolle Botschaft: „Glaubt mir, zu leben ist ganz einfach toll.“

5/5

The Professor (OT: Richard Says Goodbye)
USA, 2018
Dauer: 90 Minuten
FSK 12
Regie: Wayne Roberts
Darsteller: Johnny Depp, Zoey Deutch, Danny Huston, Rosemarie DeWitt, Siobhan Fallon Hogan, Linda Emond u.a.

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