CD: Eldingar – Maenads


Die Griechen kommen! Mit ihrem Debütalbum Maenads wollen Stavros Londos und Andreas Simitzis ein neues Kapitel im Black Metal aufschlagen. Ihr Erstling umfasst zehn Songs und ist laut eigener Angaben eine Mischung aus Folk, Thrash und Death Metal und müsste all denen gefallen, die Varathron, Necromantia oder Rotting Christ hören. Doch bevor wir in das Album einsteigen, muss ein bisschen am Titel rumgedoktert werden, der braucht nämlich eine Erklärung, wie wir finden.

Maenads sind die Mänaden aus der griechischen Mythologie, das liegt natürlich bei der Herkunft der Band auf der Hand. Der Begriff bezeichnet sowohl reale als auch mythische Anhängerinnen des Gottes Dionysos, seines Zeichens Gott des Weines und der Freude, aber auch des Wahnsinns und der Ekstase – und da kommen wir der Sache schon ziemlich nahe. Ohne reinzuhören, lässt das Album einen ziemlichen Kracher vermuten, bei dem man sich durchaus in den Wahn headbangen kann. Hält der Titel aber, was man hineininterpretiert?

„Eldingar – Maenads Crave“ beginnt erst etwas langsam und legt dann mit Growling, getriggertem Schlagzeug und fetter Gitarre los. Doch diese schnellen Einschübe halten sich nicht und werden immer wieder durch langsame Passagen ersetzt. Es gibt Abwechslung in den fast sieben Minuten, die der Song dauert, die man nicht erwartet. Zieht nicht unbedingt mit, macht aber sehr neugierig. Man bekommt beim Zuhören ein bisschen den Eindruck, als hätte man alle Stile gleich in den ersten Song einbringen wollen, was etwas überfrachtet wirkt, aber es gibt daraufhin wieder diese Passage mit einem sehr schönen Riff, dann geradezu kultischen Sprechgesang – man kann es nicht schönreden, man kann aber auch nicht sagen, dass es eine schlechte Nummer ist. Noch ist man ambivalent und gespannt, wie sich das Album entwickelt. „Height“ lässt einen kurz nachsehen, ob man sich total verklickt hat und auf eine andere Band gestoßen ist. Den ruhigen Anfang kann man auch am griechischen Strand im Urlaub spielen und darauf warten, dass Mänaden einem den Kopf verdrehen. Hier soll vermutlich das Folkelement ausgespielt werden, aber es lässt einen sehr erstaunt und fragend zurück, als zweite Nummer? Warum macht man sowas? Wenn der Anfang ganz gut war, ist das hier ein so krasser Bruch, dass man nur schwer weiterhören möchte. „Height of the Moon“ präsentiert ebenfalls ein langes Intro, schwere Gitarren, ein neuerlicher Siebenminüter, der sich nur langsam aufbaut und 1:40 Minuten nur Intro ist. Wenn man das gekürzt hätte und daraus den Einschub als Song 2 auf das Album gebracht hätte, wäre es erheblich stimmiger gewesen. Dann rauscht wieder das getriggerte Schlagzeug durch die Luft. Eintönig, langweilig, notwendig. Es ist eine triviale Thrash-Nummer, die auf so ein Album gehört, aber viel zu lang ist. Es gibt eine Zäsur, die zeigt, wie gut man zwei Teile draus hätte machen können, danach will man auch skippen, ganz unbedingt, weil dann einfach nichts mehr kommen kann, die Nummer ist durch. „Serenity’s Anger“ – schöner Anfang, nettes Riff, ganz feine Melodie, die definitiv vielen gefallen wird. Wer viel Growling hört, wird vom Englischen Text auch viel mehr verstehen, ansonsten helfen sicherlich beigefügte Lyrics, denn es sollen wohl recht gute Geschichten erzählt werden, die sich an der griechischen Mythologie bedienen, aber man versteht halt nix. Schade. Auch hier wieder das Problem, irgendwann ist einfach Schluss, da ist der Song künstlich in die Länge gezogen und die Aufmerksamkeit geht auf Wanderschaft. „Serenity’s“ bildet wieder ein Zwischenstück, angelehnt an Folk, ruhig, Saiteninstrumente, Griechenland, Urlaub, Oliven, Schafskäse und ein guter Wein. Es ist ja nicht schlecht, aber will man das auf so einem Album hören? Man erwartet es nicht, es überrascht, dieses Mal sind es drei Minuten, das ist zu lang, das wird übersprungen, das nimmt die ganze Fahrt und Aggression aus dem Album, da will man nicht mehr, da hat man keinen Bock mehr auf das nächste „Inside Trauma“, das ja im gleichen Stil weitergeht. Und plötzlich fragt man sich, haben sich hier zwei Musikschüler zusammengesetzt und einfach mal ihr Können an den Instrumenten ausprobiert, ein bisschen gejammt, Cello, Zither, Gitarre, Schlagzeug, Mandoline und was auch immer ausprobiert? Die einen Songs für die coolen Freunde aus der Schule, die anderen für die Aufführungen vor den Eltern? Bei Titel 6 ist es aus. Da skipt man nicht mal mehr weiter, da macht man aus und hört sich was anderes an. Diese Genre-Mischungen lassen sich nur schwer bis gar nicht unter einen Hut bringen, sprechen nicht die gleiche Klientel an und driften bald in Belanglosigkeit ab. „Trauma“ schreckt schon ab, wenn man 7:32 Minuten liest und dann wieder ein endloses Intro, das auch keine Power bringt. Die kommt erst nach zwei Minuten, aber wer hört sich das denn noch an? „Hjarta“. Ja was denn nun? Griechisch, Englisch, Isländisch, was seid ihr denn, was wollt ihr, wohin führt der Weg? Bleiben wir mal beim Einfachen, der Übersetzung „Herz“ und halten Eldingar zugute, dass man nach einem zu langen Intro kurzzeitig einen schnellen Herzschlag im Rhythmus erkennen könnte, gepaart mit Angst und Hast – man weiß ja nicht, worum es geht. Man hat auch irgendwann gar keine Lust, sich durch das Internet zu wühlen, um Lyrics zu finden – die Suche bleibt auch erfolglos. Ja, es werden Angst und Schrecken vermittelt, die Nummer ist ganz gut soweit, da will ich nicht zu viel meckern. Aber man hat halt einfach keine Lust mehr. „Alpha Beta“, wieder ruhig, anfangs könnte man noch denken, es ist nur ein Intro zu einem weiteren Thrash-Song, dann aber wird es noch ruhiger, wieder griechische Urlaubsmusik. „Eyelids Heavy in the Storm“ ist dann endlich das Ende einer seltsamen Scheibe. Zehn minütiger Stilmix, ruhig, schnell, langsam, powervoll, Geschrei wechselt mit Sprechgesang. Ein Potpourri sämtlicher verwursteter Stile, leider auch der Song, der reicht, um das Album komplett zusammenzufassen und zu sagen: Man hat es gehört.

Was war das denn? Komplett anders als erwartet, aber leider nicht im positiven Sinn. Das Debüt hätte ein klasse Konzeptalbum werden können, ist aber in sich nicht stimmig. Einzelne Songs sind künstlich in die Länge gezogen und bieten viel zu viel, da hätte man gut teilen können. Andere Nummern sind ein zu krasser Stilbruch, der eher dazu führt, dass man die Lust aufs Weiterhören verliert. Es gibt gute Ansätze, es steckt sicherlich viel Arbeit drinnen, aber leider eine glatte Enttäuschung, die nur dadurch abgefedert wird, dass man sich einzelne Lieder rauspickt und selbst die nicht mal komplett im Player laufen lässt. Das geht besser und wenn Eldingar sich ein bisschen mehr selbst finden und den bunten Stilmix noch mehr zusammenbringen und zu ihrem Stil machen, könnte das erfolgsversprechend sein.

2/5

Edingar – Maenads
Pest Records, 2021
Download: 4,99 €
CD: 8,99 €

Tracklist:
Eldingar – Maenads Crave
Height
Height of the Moon
Serenity’s Anger
Serenity’s
Inside Trauma
Trauma
Hjarta
Alpha Beta
Eyelids Heavy in the Storm

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