CD: Sunrunner – Sacred Arts Of Navigation


Sunrunner stammen aus Portland, Maine (USA) und haben sich bereits 2008 formiert. Drei Jahre später folgte das Debütalbum des Quartetts. Damit hatten sich die US-Amerikaner einen Platz im unerschöpflichen Rock-Pool gesichert. Nach Eyes of The Master und drei weiteren Studioalben aus den Jahren 2013, 2015 und 2018, folgt nun der nächste Longplayer: Sacred Arts Of Navigation. Thematisch wird der Vorgänger fortgesetzt, der Fortschritt und „primitive menschliche Eigenschaften“ werden einander gegenübergestellt. Das Cover, wieder von Jan Barlow gestaltet, zeigt eine futuristische Großstadt und im Vordergrund einen gepimpten amerikanischen Ureinwohner, der statt Pfeil und Bogen eine automatische Waffe in der Hand hält und ähnlich bekleidet ist wie The Rock in Jumanji. Könnte aus einem Sci-Fi-Streifen kommen, ein bisschen Riddick, ein bisschen Star Trek.

„The Launch“ als Intro ist noch ruhig, Wellenrauschen, leichtes Gitarrenspiel, da fragt man sich noch, wohin das jetzt führt, aber es ist nur der sanfte Einstieg in das Album, führt heran an die Thematik, bereitet den Hörer darauf vor, dass es nicht so ruhig und brav bleiben wird. „Promis Of Gold“ könnte dem Titel nach schon einen ersten Umschwung in der Geschichte andeuten, der Goldrausch, das Streben nach Reichtum, das Schürfen. Vorbei ist es auch mit Ruhe und Wellenrauschen, ein solides Midtempo trabt durch den Song, das zieht sich auch weiterhin durch. „Faraway Worlds“ wartet mit einem sehr langen Intro auf, gute Gitarrenarbeit, das kann man schon mal länger anhören. Man erwartet einen treibenden, peitschenden, etwas schnelleren Rhythmus, wenn man auf die nächste Nummer schaut: „Invisible Demon Of Ideology“ – und man wird auch nicht enttäuscht. Allerdings wird es dann auch wieder etwas langsamer und ruhiger, was vielleicht ein bisschen irritiert. „Where Is My Home“ ist so ein Teil, bei dem man mitwippen muss, ganz gute Nummer. „Acadia Morning Ride“, damit weiß ich nicht recht was anzufangen. Das ist kein Rock, kein Metal, keine Power, ein gefälliges Musikding, das irgendwie an Spanien oder Griechenland erinnert, keine wirkliche Morgenstimmung, ist aber wie eine Zäsur auf der Scheibe. „Obstacle Illusion“ ist nämlich mit richtig Power versehen, da gibt es endlich ein schnelleres Tempo, es wird wirklich mal rockig-metalig, erinnert ein bisschen an die 1980er dieses Genres, gute Nummer, wäre mein Anspieltipp. „Dragonship“, ja, da kommt vielleicht ganz kurz so ein Vikinger-Gefühl auf, Nebelschwaden, die Schiffe nähern sich teils unbemerkt dem Strand, das Unheil droht, das wird durch Bass und Gitarre sehr deutlich. Jetzt nimmt das Album richtig Fahrt auf, wird endlich dem gerecht, was versprochen wird und kriegt den Metalpart ganz gut hin. Die obligatorische Ballade ist auch dabei: „Last Night In Tulum“, sanft, weicher Gesang, spezieller Einsatz der Instrumente, auf das Schlagzeug wurde verzichtet. „No Mess, No Magic“ ist aber schon wieder ganz anders, dunkler, schneller, die üblichen Instrumente, das könnte ein guter Abschluss für das Album sein, aber nein, da kommt noch ein wahres Monster. „Navigating The Apocalypse“ ist knapp zwölfeinhalb Minuten lang, scheint nochmal Revue passieren zu lassen, was man davor gehört hat. Ein langer Abschluss, der aber nochmal alles aus der Band rausholt und zeigt, dass sie mehr als nur einen Stil drauf haben.

Die Vorschusslorbeeren kann ich nicht ganz nachvollziehen. Mir kommen die Metal-Elemente eindeutig zu kurz. Da könnte mehr Power drin sein, oder man sollte diese Metal-Ankündigung einfach weglassen, denn dann wartet man nicht auf das Brachiale, das irgendwie doch nicht kommt. An sich ist das Album ziemlich gelungen, knüpft gut an die Vorgänger an und bietet viel Abwechslung. Man kann die Zeit um sich herum vergessen und sich richtig in die Musik vertiefen, was ein ganz großer Pluspunkt ist.

4/5

Sunrunner – Sacred Arts Of Navigation
Fastball Music, 2022
CD: € 21,35

Tracklist:
1 The Launch
2 Promise Of Gold
3 Faraway Worlds
4 Invisible Demon Of Ideology
5 Where Is My Home
6 Acadia Morning Ride
7 Obstacle Illusion
8 Dragonship
9 Last Night In Tulum
10 No Mess, No Magic
11 Navigating The Apocalypse

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