Buch: Catherine Shepherd – Die Unterkunft


Für Ella ist die kleine Wohnung in der Villa der Herzogs ein wahrer Glücksgriff. Als Unterschlupf soll sie ihr dienen und alles, was sie dafür tun muss neben der Miete, ist die Versorgung des Gemüsebeetes. Ella findet das angepflanzte Gemüse seltsam, aber Geschmack ist bekanntlich verschieden. Das Ehepaar Herzog lebt harmonisch zusammen und ist sehr erfolgreich. Doch in der Fassade gibt es bald Risse…

Shepherd hat mit Die Unterkunft einen spannenden Kurzthriller entworfen. Gekonnt schafft sie es, auf wenigen Seiten eine düstere Atmosphäre aufzubauen und den Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Der erfährt nicht viel, weder von Ella noch vom Ehepaar Herzog. Kleine Brocken aus den Lebensgeschichten und den aktuellen Lebenssituationen werden hingeworfen. Wohin die Lesereise aber geht, ist vollkommen unklar. Man spürt aber, dass etwas schwelt, etwas passieren wird. Ein Mord? Gibt es die Leichen im Keller oder in diesem Fall im Gemüsebeet? Doch das würde sicherlich bald auffallen, denn Ella darf den Keller betreten und der ist zwar muffig, unterscheidet sich aber nicht von gewöhnlichen Kellerräumen. Was ist es also dann?

Da die Protagonistin selbst etwas zu verbergen hat, wartet der Leser darauf, dass sich die Geschichte bald wendet und die Beobachterin Ella zur Täterin wird. Doch man muss warten – und kann vor Spannung das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Gerade mal 103 Seiten hat das Kurzwerk, wirkt aber wie ein abendfüllender Krimi im Fernsehen, den man nicht abschalten kann und will – und bei dem man gerne die Lichter im Haus einschaltet.

Voller Spannung erschafft Shepherd hier eine eigene Welt voller Geheimnisse, die am Ende ganz anders ist, als man erwartet.


5/5
Catherine Shepard – Die Unterkunft
Kindle, Mai 2024
103 Seiten

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