Melanie war drei Jahre alt, als ihr Vater ihre Mutter ermordet hat. Seitdem lebt sie abgeschieden bei Verwandten und das Leben zieht an ihr vorbei. Doch je älter Melanie wird, desto mehr drängt sie in die Freiheit und will den Hunger nach Leben stillen. Aber um leben zu können, muss sie ihren Vater finden, bevor er sie findet…
Man erwartet nun eine spannende Jagd. Der Vater sucht die Tochter, die Tochter sucht den Vater – der aber einigen Vorsprung hat. Dass Melanie unvorsichtig wird, ist eine logische Konsequenz. Wer sein Leben lang eingesperrt war und nichts erleben durfte, der bricht irgendwann aus und möchte als junger Mensch sein Leben endlich genießen. Ob der Vater sie wirklich sucht, bleibt zunächst unklar und wird nur durch Briefe befeuert, die Melanie heimlich liest. Aber so ganz warm wird man nicht. Es gibt zu viele Schauplätze, zu viel Uninteressantes, Geplänkel, das mit dem Plot an sich nichts zu tun hat und nur Seiten füllt. Melanie entpuppt sich schnell an unausgegorenes Kindchen, das zwischen Mut und Angst und unlogischen Taten schwankt, die nicht mal mit der Isolation erklärt werden können. Sie wird schwanger, was auch nicht in die Geschichte passt, verlässt dann den Vater und damit die erste Person, der sie ihr Geheimnis erzählt hat. Szenenwechsel, man verfolgt einen alten Trucker, der seinen Truck verkauft, irgendwas zwischen liebevoller Ehemann und bissiger alter Kauz ist, Zusammenhang? Unklar. Aber die Story ist auch einfach nicht so spannend, dass man das noch herausfinden möchte. Zu viel wird nur zur sinnbefreiten Seitenbefüllung gelabert, Spannung sucht man vergebens, einen sinnvollen roten Faden auch.
Empfehlung? Klar, beste Einschlafhilfe, mehr aber leider auch nicht. Ich hab das Buch abgebrochen nach 1/3, total genervt und enttäuscht, wütend über das Geld, das ich dafür ausgegeben hatte.
1/5
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Michael Kardos – Bevor Du mich findest
Bastei Lübbe, 2017
400 Seiten
7,99 €
