Millie Calloway muss zur Finanzierung ihres Studiums nebenbei arbeiten. Als sie ihren Job verliert, sucht sie verzweifelt Ersatz und erhält einen Anruf von Douglas Garrick. Er wirkt nett, ist aber streng und scheint in Geld zu schwimmen. Während Millie zwar den Haushalt in Ordnung halten und kochen darf, ist es ihr untersagt, mit seiner Frau Wendy zu sprechen. Doch als sie Blut auf deren Kleidung sieht und sie durch die Zimmertüre hindurch weinen hört, widersetzt sich Millie und will der Frau um jeden Preis helfen. Doch stimmt das auch, was Wendy ihr erzählt hat?
Freida McFadden hat mir ihrer Housemaid-Reihe eine spannende Figur entwickelt. Millie, die man im ersten Band Wenn sie wüsste kennenlernt, saß bereits als Jugendliche im Gefängnis. Sie hat den Vergewaltiger ihrer Freundin getötet. Notwehr, Selbstjustiz, Rache? Es ist die Tat, die Millies Leben diktiert und ihr viele Steine in den Weg legt. Einen Job zu finden, ist nicht einfach, denn den Backgroundcheck übersteht sie nicht. Dass ein reicher Firmenboss wie Douglas Garrick sie einfach so einstellt, erscheint ihr zwar seltsam, aber auch wie ein Sechser im Lotto. Denn Garrick bezahlt sie gut und das Geld kann sie dringend gebrauchen.
Als Leser, der den ersten Teil gelesen hat, vermisst man Enzo, denn man hatte ihn als Beschützer und Pendant zu Millie erwartet, doch die Beziehung zerbrach, als Enzo nach Italien zu seiner kranken Mutter gehen musste.
Schnell wird klar, dass im Hause Garrick irgendetwas nicht stimmt. Und natürlich kann Millie das nicht auf sich beruhen lassen. Sie setzt ihre Beziehung aufs Spiel und ihren Job, um der armen Wendy zu helfen, die scheinbar von ihrem herrischen Ehemann misshandelt wird. Was nicht ganz zusammenpassen möchte, ist Millies Schweigen gegenüber ihrem Freund und das komische Verhalten, dass sie selbst an den Tag legt. Sie sagt Verabredungen ab, lässt Brock einfach sitzen im Restaurant und findet flüchtige Ausreden. Dass Brock nicht die Wahrheit über ihre Vergangenheit kennt und Millie befürchten muss, dass er als Patentanwalt auch wenig Verständnis für einen Mord haben wird, ist dabei nur die halbe Wahrheit. Aber neben den privaten Problemen bleibt die Frage, was ist mit Wendy und wie kann Millie ihr helfen?
Wie bereits im ersten Band, baut McFadden ganz langsam ihren Plot auf. Sie erzählt von Leben und Sorgen, vom Helfen und Zusehen, von Plänen und Rückschlägen. Dabei bringt sie durch eine Vorlesung, die Millie besucht, jede Menge Sozialkritik ein. Wenn man sieht, dass ein Mensch in Not ist, wie viele Menschen helfen und wie viele Menschen gehen vorbei und sehen weg? Und was würden wir selbst tun?
Man muss die Bücher nicht in der Reihenfolge lesen, aber es schadet nicht, weil man dann doch den ein oder anderen Zusammenhang hat und Hinweis versteht. Nur so versteht man auch wirklich, wie Millie überhaupt zu den Garricks kommt. Einzig die Zeitspanne zwischen Band 1 und Band 2 erscheint etwas zu groß. Hätte man dazwischen nicht noch einen spannenden Band einfügen können?
Das Hörbuch wird von Leonie Landa und Vanida Karun gelesen. Im Grunde könnte man meinen, dass es nichts ausmacht, ob eine oder zwei Personen lesen, aber diese Abwechslung macht die Struktur des Buches deutlich. Darin werden die Perspektiven gewechselt, was noch einmal deutlicher beim Hörbuch hervortritt. Die beiden ähneln sich stimmlich, so dass man zwar einen Unterschied hören kann, aber nicht gestört davon ist, dass eine andere Stimme auftaucht.
Sie kann dich hören ist der perfekte Lesetipp für den Frühling und die ersten Sonnenstrahlen – oder das Hörbuch für den Frühjahrsputz.
4/5
—
Freida McFadden – Sie kann dich hören
Heyne Verlag, 2024
368 Seiten
Paperback: 16 €
Hörbuch von Random House Audio: 436 min – 9,95 €
