1929 wird Maine von einem grausamen Familienmord erschüttert. Einzig Lenora Hope überlebt und gilt seitdem als Mörderin ihrer Eltern und Schwester. Ihr Suizidversuch in der schicksalshaften Nacht misslang, hinterließ Lenora aber stumm und zwei Schlaganfälle fesseln sie ans Bett. Die junge Kit wird als Pflegerin eingestellt und beginnt nach vorläufiger Abneigung und Angst, eine besondere Beziehung zu Lenora aufzubauen – und langsam kommen ihr Zweifel, was in der verhängnisvollen Nacht 1929 wirklich passiert ist…
Riley Sager hat sich in der Welt der Thriller und Psychothriller einen festen Platz erarbeitet, und mit seinem Buch Hope’s End beweist er erneut, warum seine Werke so hoch geschätzt werden. Dieses Buch ist eine fesselnde Mischung aus Spannung, Geheimnissen, emotionaler Tiefe und einer Prise Nostalgie, die den Leser von der ersten Seite an in ihren Bann zieht.
Hope’s End beginnt mit einer Atmosphäre, die sofort die Neugier weckt. Die Geschichte spielt in einem abgelegenen, scheinbar idyllischen Herrenhaus, das auf den ersten Blick perfekt erscheint, aber bei genauerem Hinsehen eine dunkle Vergangenheit birgt. Riley Sager versteht es meisterhaft, eine dichte, unheilvolle Stimmung aufzubauen, die den Leser sofort in den Bann zieht. Die Beschreibungen der Umgebung sind so lebendig, dass man das knarrende Holz, den kalten Wind und die einsame Atmosphäre förmlich spüren kann.
Was Hope’s End auszeichnet, ist die Art und Weise, wie Sager die Spannung langsam, aber stetig aufbaut. Anfangs wirkt alles noch ruhig, fast friedlich, doch im Hintergrund lauert eine unterschwellige Bedrohung. Mit jedem Kapitel steigert sich die Unsicherheit, und die Geheimnisse, die das Haus umgeben, werden nach und nach enthüllt. Die Handlung ist geschickt konstruiert, sodass der Leser immer wieder auf falsche Fährten geführt wird und nie genau weiß, was als Nächstes passieren wird.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Tiefe der Charaktere. Riley Sager schafft es, den Figuren eine vielschichtige Persönlichkeit zu verleihen, die den Leser emotional berühren. Die Protagonistin, deren Perspektive wir durchgehend erleben, ist eine starke, aber verletzliche Figur, die mit ihrer Vergangenheit und ihren Ängsten kämpft. Ihre Entwicklung im Verlauf der Geschichte ist glaubwürdig und nachvollziehbar. Auch die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet, mit eigenen Motivationen und Geheimnissen, die die Handlung bereichern.
Der Schreibstil von Riley Sager ist flüssig, atmosphärisch und präzise. Er versteht es, die richtige Balance zwischen Beschreibungen und Handlung zu finden, sodass die Geschichte nie langatmig wird. Die Erzähltechnik, bei der die Geschichte aus zwei Perspektiven, nämlich Lenoras und Kits, erzählt wird, ermöglicht es dem Leser, tief in die Gedanken und Gefühle einzutauchen. Zudem ist das Anwesen Hope’s End ein brillant gewähltes Sinnbild für die Familiengeschichte. Und am Ende ist alles doch ganz anders als erwartet.
5/5
—
Riley Sager – Hope’s End. Du kannst niemandem trauen
SAGA-Egmont, 2023
14:41h
