Das Wiedersehen von alten Freunden in den Stockholmer Schären endet in einer Katastrophe. In der Luxusvilla werden alte Geschäfte diskutiert, Verletzungen aufgearbeitet und Eitelkeiten geschürt. Doch einer ist nicht dabei, denn Theo hatte auf dem Weg dorthin einen Unfall. Und dann taucht eine Eishockeyfigur auf und das Licht geht aus. Hat der Besitzer der Insel, Morgan, das alles geplant oder treibt einer Eindringling sein Unwesen und möchte Rache für die Vergangenheit?
Mit Die Party. Gefangen mit einem Mörder legt Martin Österdahl einen atmosphärisch dichten Thriller vor, der geschickt mit den Erwartungen seiner Leserinnen und Leser spielt. Was zunächst wie ein klassisches „Whodunit“-Szenario klingt – eine luxuriöse Feier auf einer abgeschiedenen Insel, ein Sturm, der alle von der Außenwelt abschneidet, und ein Mord – entfaltet sich schnell zu einem vielschichtigen Psychospiel über Schuld, Verdrängung und die Macht der Vergangenheit.
Schon die Grundstimmung des Romans zieht einen in den Bann: Man meint förmlich, den Sturm zu hören, den Regen auf das Dach prasseln zu spüren und das Salz des Meeres in der Luft zu schmecken. Österdahl versteht es meisterhaft, Atmosphäre zu erzeugen. Seine Beschreibungen sind so eindringlich, dass man sich selbst als einer der Gäste auf der Insel wähnt – eingeschlossen, verunsichert, und immer auf der Hut, was als Nächstes geschehen könnte. Dieses intensive Gefühl der Unmittelbarkeit gehört zu den größten Stärken des Buches.
Besonders spannend ist der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Österdahl nutzt die Rückblicke nicht bloß als ergänzende Hintergrundinformation, sondern als zentrales Element des Spannungsaufbaus. Stück für Stück enthüllt sich, dass jeder der Anwesenden ein dunkles Geheimnis mit sich trägt – und dass die Verbindung zwischen ihnen viel tiefer reicht, als es zunächst scheint. Der Autor versteht es, die Puzzleteile so anzuordnen, dass man bis zum Schluss nicht sicher ist, wem man trauen kann. Jede Enthüllung wirft neue Fragen auf, jede vermeintliche Antwort öffnet ein weiteres Rätsel.
Gerade diese überraschenden Wendungen machen Die Party zu einem echten Pageturner. Kaum glaubt man, das Muster erkannt zu haben, reißt Österdahl den Boden unter den Füßen weg und lenkt die Geschichte in eine völlig neue Richtung. Dabei bleibt er stets psychologisch glaubwürdig: Die Motive der Figuren sind vielschichtig, ihre Handlungen oft moralisch ambivalent. Das Ergebnis ist ein Thriller, der nicht nur Spannung bietet, sondern auch zum Nachdenken anregt – über Verantwortung, über Schuld und darüber, wie weit man gehen würde, um die eigene Wahrheit zu schützen.
Etwas schwächer wirkt dagegen das Spiel, das der Gastgeber Morgan sich für seine Gäste ausgedacht hat – ein angeblich harmloses Gesellschaftsspiel, das sich im Laufe des Abends in eine gefährliche Dynamik verwandelt. Die Idee hat Potenzial, doch ihre Umsetzung bleibt etwas unklar. Man versteht nicht ganz, warum Österdahl diesem Spiel so viel Raum gibt, zumal seine Regeln und sein Zweck nie wirklich nachvollziehbar werden. Es wirkt, als habe der Autor hier eine zusätzliche Ebene schaffen wollen, um die psychologische Spannung zu verstärken, doch der Effekt bleibt begrenzt. Das Spiel erscheint eher als erzählerischer Vorwand, um die Figuren zu charakterisieren, ohne dass es eine tiefere Bedeutung entwickelt.
Davon abgesehen überzeugt der Roman jedoch auf ganzer Linie. Die Charaktere sind vielschichtig gezeichnet – keine bloßen Archetypen, sondern Menschen mit Brüchen, Ängsten und Widersprüchen. Besonders stark sind die Passagen, in denen Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen, und man als Leser das Gefühl hat, dass die Insel selbst zu einem Spiegel der verdrängten Schuld wird. Österdahl nutzt diese symbolische Ebene subtil, ohne je zu übertreiben.
Am Ende fügt sich alles zu einem schlüssigen, aber unerwarteten Gesamtbild zusammen. Die finale Wendung überrascht, ohne konstruiert zu wirken, und verleiht dem Buch einen intensiven Nachhall. Die Party. Gefangen mit einem Mörder ist kein reiner Krimi, sondern ein psychologisch raffinierter Thriller, der das klassische Motiv des „geschlossenen Raums“ modern interpretiert.
Fazit: Martin Österdahl gelingt ein atmosphärisch starker, vielschichtiger Thriller mit beeindruckenden Wendungen und einer beklemmenden Intensität. Trotz kleiner Schwächen – insbesondere beim unmotivierten „Spiel des Gastgebers“ – bleibt Die Party ein fesselndes Leseerlebnis, das man kaum aus der Hand legen kann. Wer Geschichten liebt, in denen Vergangenheit und Gegenwart sich zu einem gefährlichen Geflecht verweben, wird dieses Buch mit Begeisterung verschlingen.
4/5
—
Martin Österdahl – Die Party. Gefangen mit einem Mörder…
Blanvalet, 2025
352 Seiten
Taschenbuch, 16 €
