The Story behind … Blind Faith – Blind Faith


Es waren keine schönen Tage, als am 19. August 1939 der kleine Peter Edward Baker in Lewisham, einem Stadtteil im Süd-Osten Londons auf die Welt kam. Drei Wochen später erklärte England Deutschland den Krieg, als Antwort auf Hitlers Überfall auf Polen. An eine normale frühe Kindheit war nicht zu denken, denn schon ein Jahr später wurde London und Umgebung von der deutschen Luftwaffe bombardiert. Aufgrund seiner roten Haare wurde der kleine Peter von allen Ginger genannt. Unser zweiter Protagonist hatte mehr Glück, denn der kleine Eric Patrick Clapton kam erst in den letzten Kriegstagen in Ripley auf die Welt, einer kleinen Gemeinde im süd-westlichen Umland von London, und in England gab es am 30. März 1945 nur noch vereinzelte Fernwaffenangriffe. Richard Roman Grechko hatte es dagegen schon besser, denn im französischen Bordeaux war an Allerheiligen, dem 1. November 1946, seinem Geburtstag, schon zwei Jahre Ruhe und Wiederaufbau war angesagt. Als Nachzügler erblickte die letzte Hauptperson unserer Geschichte, Stephen Lawrence Winwood in Handsworth, einem Stadtteil im Norden von Birmingham das Licht der Welt. Alle vier Buben verlebten eine glückliche Kindheit im Nachkriegs-England. Während drei unser Protagonisten Mitte der 50er Jahre noch an Schule und Fußball dachten, spielte der bereits 17-jährige Ginger bereits mit Bob Wallis in dessen The Storyville Jazz Band mit der 56/57 auch schon erste Aufnahmen gemacht wurden. Kurz danach trommelte Baker beim großen Mr. Acker Bilk in dessen Combo, der Paramount Jazzband. Nach diesem kurzen Intermezzo machte Baker erste Aufnahmen mit Terry Lightfoot die mit dem Album Tradition in Colour 1958 auch in den Handel kamen.

Anfang der 60er Jahre gründete der spätere Sänger von Manfred Mann, Paul Pond, besser bekannt unter dem Namen Paul Jones seine erste Band The Roosters in der ein gewisser Lewis Brian Hopkin Jones die Gitarre spielte. Zur gleichen Zeit spielte der erst 14-jährige Stephen Winwood zuerst in der Tanzband seiner Vaters und stieg dann bei der Muff Woody Jazz Band seines großen Bruders Muff Winwood mit ein, wo er Blues- und Rhythm-&-Blues-Elemente mit einbrachte. Diese Musikstile waren Anfang der Sixties bei den Jugendlichen voll im Trend, so dass der bereits erwähnte Lewis Brian Hopkin Jones Anfang 1962 beim großen Vater des englischen Blues, Alexis Korner und dessen Blues Incorporated ab und zu mitspielten durfte, in der ein gewisser Charles Robert Watts an den Drums saß. Alexis Korner, ein englischer Musiker mit griechisch-österreichischen Wurzeln hatte ein großes Herz für den musikalischen Nachwuchs, und ließ immer wieder junge Musiker als Gäste in seiner Band mitspielen, so auch die jungen Michael Philip Jagger und Keith Richards, wo sie Lewis und Watts kennenlernten. Es dauerte nicht lange, und Lewis, Jagger und Richards gründeten ihre eigene Band die nach einem Song vom großen Vorbild Muddy Waters, Rolling Stones nannten, anfangs noch Rollin‘ Stones geschrieben. Gleichzeitig gabs noch zwei weitere Umbenennungen … Lewis Brian Hopkin Jones nannte sich zu Blues Incorporated Zeiten erst Elmo Lewis, strich dann zwei Teile aus seinem Namen und nannte sich fortan nur noch Brian Jones. Die Stones Jungs überredeten Korners festen Schlagzeuger Watts, bei ihrer neuen Band fest einzusteigen, so dass im Januar 1963 der Rotschopf Ginger Baker als Ersatz bei der Blues Incorporated einstieg. Gleichzeitig wurde der Gitarrenposten bei The Roosters frei, weil deren Gitarrist ja grad die Rolling Stones mitgegründet hatte und Eric Clapton übernahm den Job.

Umbesetzungen und Neugründungen gabs zu dieser Zeit en masse. Neue Bands schossen wie Pilze aus dem Boden. Drummer Baker und Saxofonist Graham Bond verließen Alexis Korner und gründeten zusammen mit Jack Bruce am Bass, John McLaughlin an der Gitarre, und Dick Heckstall-Smith am Saxofon die Graham Bond Organization, die 1965 zwei sensationelle Alben herausbrachte. Ebenfalls im selben Jahr 1963 rief der Waliser Spencer David Nelson Davis zusammen mit dem Schlagzeuger Peter York und den beiden Winwood Brüdern Muff und Steve auf Anraten von Alexis Korner die Spencer Davis Group ins Leben. Gleichzeitig stieg der 18-jährige Clapton bei The Roosters schon wieder aus und im Oktober 63 bei den Yardbirds ein, wo er bis März 1965 blieb. Im Jahr 65 taucht jetzt auch die letzte unserer Hauptpersonen auf der musikalischen Bildfläche auf. Der Gitarrist John „Charlie“ Whitney gründete 1962 eine Rock’n’Roll Band namens The Farinas, und zu denen gesellten sich 1965/66 der Bassist Rick Grechko und der Sänger Roger Chapman. Zwei Jahre später benannten sich The Farinas um in Family. Eric Clapton wechselte im April 65 zu John Mayall und seinen Bluesbreakers, wo er bis zum Juli 1967 spielte. Ein kurzes Zwischenspiel erlebten Clapton und Winwood im März 1966 als beide zusammen mit Paul Jones, Pete York und Ben Palmer im kurzlebigen Spaßprojekt Eric Clapton And The Powerhouse spielten. Als einzige musikalischen Ergüsse sind drei Bluesklassiker auf der What’s shakin‘ Compilation von 1966 auf dem Elektra Label. Clapton und Baker stiegen aus ihren Bands Bluesbreakers und Graham Bond Organization im Juni 1966 aus und gründeten zusammen mit dem Organization Kollegen Jack Bruce auf Anratens von Claptons Manager Robert Stigwood die Gruppe Cream. Cream gelten als die erste Supergroup der Rockgeschichte und veröffentlichten in ihrer nur etwas über zwei Jahre dauernden Karriere bis zum 26. November 1968 die drei legendären Alben Fresh Cream (1966), Disraeli Gears (1967) und Wheels of Fire (1968). Die letzten Alben Goodbye und Live erschienen erst nach der Auflösung von Cream. Steve Winwood stieg nach einigen großen Hits im Januar 1967 bei der Spencer Davis Group aus, weil er ein neues Projekt in der Spur hatte. Zusammen mit Jim Capaldi, Chris Wood und Dave Mason gründete Winwood die Band Traffic, mit der er bis Januar 1969 zwei hervorragende Alben, Mr. Fantasy (1967) und Traffic (1968) auf dem Island Label herausbrachte. Aufgrund von Spannungen über die musikalische Ausrichtung der Band zwischen Winwood und Mason, stieg Winwood im Januar 69 aus der Band aus.

Die beiden Kumpel Clapton und Winwood jammten in Claptons Wohnzimmer, und der anwesende Robert Stigwood, Claptons Manager, riet ihnen zu einer neuen gemeinsamen Band. Zusammen mit Rick Grech von Family und Ginger Baker riefen sie im Februar 1969 die neue Formation Blind Faith, zu deutsch „Blindes Vertrauen“ ins Leben. Mit Polydor hatte Stigwood auch ein Label parat, auf dem ein gemeinsames Album erscheinen sollte. Am 7. Juni 1969 spielten Blind Faith ihr erstes Konzert im Londoner Hyde Park. Auf Wunsch der Band mit freiem Eintritt. Im Juli war es dann soweit und mit der Katalognummer 583 059 erschien das Album auf dem englischen Markt. Das kontroverse Cover zeigt ein 11-jähriges Mädchen mit nacktem Oberkörper, welches ein glänzendes Raumschiff in den Händen hält. Für Artwork und Fotografien zeigte sich der New Yorker Robert Emett „Bob“ Seidemann verantwortlich. An den Reglern im Studio saß der Produzent Jimmy Miller, als Executive Producers zeigten sich Robert Stigwood und Chris Blackwell verantwortlich. Das für die deutsche Veröffentlichung gewählte Covermotiv zeigt anstelle des halbnacktem Mädchens lediglich eine gelb/rote Bandfotografie auf schwarzem Hintergrund. Das englische Covermotiv war den Deutschen dann doch zu anstössig.

Los geht’s mit einem prägnanten Riff, welches Gitarre und Bass im Gleichlaut spielen. Winwood spielt hier neben Clapton ebenfalls Gitarre. Grech lässt seinem Bass freien Lauf und spielt ein paar sehr schöne Auf- und Abläufe. Baker setzt seine beiden Hänge-Toms und seine beiden Stand-Toms in kleinen Läufen ein. Das bemerkenswerte an „Had to cry today“ sind die beiden Gitarren. Beide spielen einen ähnlichen Solopart und das gleichzeitig! Sie umkreisen sich und fast meint man, der eine lässt bewusst eine Lücke, damit der zweite seine Akzente mitten hinein pflanzen kann. Bluesrock der filigranen Art. Die flehende Stimme von Steve Winwood schwebt fast über dem erdigen bluesigen Fundament. Ein so grandioses Zusammenspiel zweier Gitarren hört man sonst fast nur bei Wishbone Ash. Ebenso wie der erste Song, stammt auch das folgende, folkige „Can’t find my Way home“ aus der Feder von Steve Winwood. Das ist Folkrock der Extraklasse. Die hohe Stimmlage von Winwood passt bestens zu diesem fast zarten Song, der aber trotzdem eine ruhige Kraft ausstrahlt. Grech und Baker halten sich hier merklich zurück und lassen die Gitarren perlen. Der einzige Song, der nicht aus der Feder der beteiligten Musiker stammt, ist jetzt an der Reihe. „Well alright“ stammt im Original von Buddy Holly und wurde 1958 erstmalig als Rückseite einer Single veröffentlicht. Während Holly seinen Song noch etwas ruhig und spartanisch hielt, lebt die Blind Faith Version vom Pianospiel von Winwood und schiebt mächtig an. Besonders Ginger Baker gibt hier richtig Gas. Für einen lässigen Groove sorgt der Bass von Grech. Nach knapp drei Minuten kommt ein kurzer Break and anschließend zeigt Winwood in einem eineinhalb Minuten langen Piano-Solo wo der Bartl den Most holt und gibt Vollgas. Der letzte Song auf der ersten Seite der Platte ist „Presence of the Lord“, geschrieben von Eric Clapton. Da Steve Winwood laut der Meinung von Clapton der viel bessere Sänger war, übernahm Winwood den Leadgesang bei Claptons Song. Zweieinhalb Minuten schwelgt man bei wunderbaren Harmonien ehe ein gut eine Minute langer Zwischenpart kommt, bei dem Clapton mit Distortion und Wah-Wah Pedal mal seine Gitarrero-Muskeln spielen lässt ehe die letzten gut 80 Sekunden wieder in den anfänglichen Harmonie Teil zurückfinden.

Seite Zwei beginnt trocken und erdig. „Sea of Joy“ stammt wieder von Winwood. Grech lässt seine vier dicken Saiten beben und spielt gemeinsam mit Claptons Gitarre ein rockiges Riff ehe es wieder ruhiger wird. Winwood sitzt hier an der Schweineorgel und der Sound der Hammond sorgt für einen erdigen Floor, auf dem der Bass dahin galoppiert und Erics Stratocaster singt. Gegen Mitte des Songs kommt eine Violine ins Spiel die von Rick Grech gespielt wird. Das abschließende „Do what you like“ dauert über 15 Minuten und der Name ist Programm. Fast als ob Komponist Ginger Baker jedem zugerufen hat – Spielt eure Solo-Parts und „Macht was euch gefällt“ – „Do what you like“ eben…. Winwoods Hammond Orgel macht den Anfang ehe die singende Gitarre von Clapton diese ablöst. Besonders das swingende Schlagzeugspiel im schrägen 5/4 Takt mit Off-Beat Rhythmik von Baker lässt den Song dahin grooven. Grech darf in einem langen Basssolo zeigen was er kann, hält sich aber trotzdem merklich zurück und begleitet Bakers Groove. Ginger Baker zeigt anschließend vier Minuten lang wie rockig ein Jazz Solo auf den Drums klingen kann. Ein besonderes Markenzeichen Bakers, das Spiel auf den Toms kommt hier deutlich zum Tragen. Baker war einer der ersten Schlagzeuger, der mit zwei Bassdrums spielte. Ein Jazz-Set besteht üblicherweise aus einer Bassdrum, einem Hänge-Tom und einer Stand-Tom plus Becken. Baker kombinierte zwei komplette Sets zu einem, um seinem jazzigen Spiel den nötigen Punch im Rock-Business zu verleihen. Das Solo endet in einer Kakophonie, ehe ein paar kräftige Schläge auf die Toms für eine gute Minute den Song wieder in den Anfangsgroove zurückkehren lassen, ehe er mit allerlei schrägen Tönen ausfadet.
Das Album besteht (leider) nur aus sechs Songs – aber sechs Songs für die Ewigkeit.

Die vier Musiker hatten einen so legendären Ruf, dass von diesem Meisterwerk in der ersten Woche an die 400.000 Stück verkauft wurden. Sofort nach der Veröffentlichung ging Blind Faith auf Tournee durch Amerika und Skandinavien. Als Vorgruppen waren Free und Delaney & Bonnie mit dabei. Leider hatte Blind Faith nur ein halbes Jahr Bestand, denn die musikalischen Vorstellungen der vier Bandmitglieder waren zu unterschiedlich. Sie ließen sich auf Dauer nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, und Spannungen waren an der Tagesordnung innerhalb der Band. Schon im September 1969 erfolgte die Auflösung von Blind Faith. Der Ruf der Musiker war so groß, dass alle vier sofort wieder beschäftigt waren. Sofort nach der Auflösung gründete Ginger Baker seine eigene Band Ginger Bakers Airforce mit der er 1970 zwei hervorragende Platten rausbrachte. Rick Grech spielte auf beiden Platten mit, Steve Winwood nur auf der ersten, denn er wollte eigentlich ein Soloalbum namens Mad Shadows rausbringen. Er holte sich als Verstärkung Jim Capaldi und Chris Wood dazu, seine alten Traffic Mitstreiter, was dazu führte, dass ein neues Traffic Album namens John Barleycorn Must Die an der Start gebracht wurde. Eric Clapton verlegte nach dem Zerfall seinen Wohnsitz nach New York und war erst für kurze Zeit in John Lennons Plastic Ono Band und tourte anschließend mit Delaney & Bonnie. In der Zeit entstand auch Claptons erste Solo-LP. Mit drei Musikern von Delaney & Bonnie gründete er anschließend Derek and the Dominos, was im Album Layla and other assorted Love Songs mündete. Als Gastmusiker spielte Duane Allman von den Allman Brothers mit, was dem Album bestens bekam. George Harrison holte Clapton in seine All-Star Band für das Concert for Bangladesh, nachdem die Zusammenarbeit der beiden ja schon bei den Beatles und dem Song „While my Guitar gently weeps“ hervorragend harmoniert hatte, wo Clapton die Leadgitarre spielte. In dieser Zeit wurde Eric Clapton heroinabhängig.

Winwood tourte 1970 mit Traffic durch Schweden und lockte Jim Gordon, den Drummer von Derek And The Dominos zu Traffic. Den ghanaischen Percussionisten Reebop Kwakuh Bah lernten sie auf der Tournee kennen und integrierten ihn gleich in die Band. Ginger Baker ging einen anderen Weg. Seine Airforce bestand aus zwei Schlagzeugern und einem Percussionisten und mit dieser offenen Formation wollte Baker weiter experimentieren. Er zog ins afrikanische Nigeria, wo er mit Fela Ransome Kuti, dem Begründer des Afro-Beats, in ihrem gemeinsamen Africa 70 Projekt afrikanische und arabische Rhythmen mit westlicher Rockmusik kreuzte. Steve Winwood spielte weiterhin mit Traffic mit verschiedensten Musikern. Baker spielte 1972 neben dem Africa 70 Projekt seine erste Solo-LP namens Stratovarius ein. Clapton war durch seine Heroinsucht von Selbstzweifeln gequält und wollte eigentlich gar nicht mehr spielen. Pete Townsend, der mit ihm gut befreundete Gitarrist von The Who wollte seinem Freund helfen, und veranstaltete für Clapton ein Konzert mit vielen Freunden. Unter dem Namen Eric Clapton And The Palpitations spielten die Freunde zwei Konzerte im Rainbow Theater welche auf Platte dann unter dem Namen Rainbow Concert herauskam. The Palpitations bestanden aus Pete Townsend, Ronnie Wood von den Faces, Rick Grech, Steve Winwood, Jim Capaldi, Jim Karstein und Reebop Kwakuh Bah. Winwood spielte zu dieser Zeit neben Traffic bei Third World, seinem kurzlebigen Projekt mit afrikanischen Klängen, zusammen mit Musikern von Ginger Bakers Airforce und Osibisa. Die Studioaufnahmen sind auf der LP Aiye Keta zu hören. Gleichzeitig begleitete er zusammen mit Rick Grech den amerikanischen Jazz- und Funk-Saxofonisten Eddie Harris bei den Aufnahmen zu dessen LP E.H. in the U.K. Gleichzeitig spielte Grech kurze Zeit bei der ehemaligen Begleitband von Buddy Holly, den Crickets mit, mit denen er das Album Remnants rausbrachte.

Ginger Baker gründete nach seinem afrikanischen Abenteuer mit den Gurvitz Brüdern Adrian und Paul die Baker Gurvitz Army. Die beiden Brüder hatten zuvor in ihren Bands The Gun und Three Man Army gespielt. Die Baker Gurvitz Army spielte in den Jahren 1975 und 76 drei hervorragende Rockplatten mit progressiven Einschlag ein. 1975 wurde eine neue Supergroup zusammengestellt. Ray Kennedy (ex Group Therapy), Barry Goldberg und Mike Bloomfield (beide ex Electric Flag) firmierten unter dem Banner KGB. Rick Grech bildete zusammen mit Carmine Appice (Vanilla Fudge) die Rhythmus-Sektion. KGB brachte zwei Alben heraus. Anschließend spielte Grech bei der Square Dancing Machine, einem Projekt, welches aus The Lentones entstanden war. Steve Winwood machte nach dem Traffic Split 1975 in seinem Heimstudio erste Aufnahmen für sein Solo-Debüt. 1976 machte er kurzfristig beim GO Projekt des japanischen Musikers Stomu Yamashta mit. Die erste LP GO und die Live-LP GO live in Paris vom Dezember 76 sind zwei hervorragende Platten. Die beteiligten Musikernamen Klaus Schulze (Tangerine Dream, Ash Ra Temple), Michael Shrieve (Santana), Pat Thrall und Al Di Meola sprechen Bände. 1977 spielte Grech auf dem Album Ginger Baker And Friends mit, und zog sich dann weitgehend aus dem Musikbusiness zurück. Zur gleichen Zeit brachte Steve Winwood sein erstes selbstbetiteltes Solo-Album heraus. Ginger Baker stieg Ende der 70er bei der Spacerock Band Hawkwind ein was mit dem Album Levitation von 1980 auch musikalische Früchte trug. Aufgrund persönlicher und musikalischer Differenzen bleib es aber nur bei dem einen Versuch.

Am 17. März 1990 ist Rick Grech einen einsamen Tod gestorben, angeblich wegen Leber- und Nierenversagen, oder wie andere Quellen verlauten ließen an einer Hirnblutung. Zuvor hatte er als Teppichverkäufer in Leicester gearbeitet. Im selben Jahr stieg Baker für ein Album bei der amerikanischen Stoner-Rockband Masters of Reality ein. Die Frucht dieser Zusammenarbeit kam 1992 in die Läden und trug den Namen Sunrise of the Sufferbus als Albumtitel. 1993 wollte der Gitarrist Gary Moore zusammen mit Jack Bruce und dem Drummer Gary Husband von Level 42 ein Solo-Album einspielen. Nachdem zwei Songs aufgenommen waren, hatte Husband aber keine Zeit mehr für Moores Albumprojekt, und so rief Bruce seinen alten Kumpel Ginger Baker zu Hilfe. Nachdem jetzt 2/3 von Cream wieder zusammen waren, wurde aus dem Soloprojekt eine neue Supergroup namens BBM, nach den Anfangsbuchstaben betitelt. Dieses Powertrio spielte das Album Around the next Dream ein, welches 94 in die Läden kam. Steve Winwood und Jim Capaldi waren mit ihren Solo Projekten ziemlich erfolgreich, trotzdem reformierten sie Anfang 1994 ihre alte Band Traffic wieder. Far from Home hieß das Album, welches im Juli 94 auf den Markt kam. Als Band stand der Name Traffic auf dem Cover, obwohl außer den Drums von Capaldi alle anderen Instrumente einzig und allein von Winwood eingespielt wurden. Dies war eines der letzten gemeinsamen Projekte im Umfeld der Musiker von Blind Faith, wenn man von gelegentlichen Gastauftritten untereinander mal absieht. Nachdem Ginger Baker sich 2016 einer Operation am offenen Herzen unterziehen musste und er außerdem an COPD erkrankt war, war er gesundheitlich stark angeschlagen. Am 6. Oktober 2019 machte sein geschwächter Körper nicht mehr mit, und er verstarb in einem Krankenhaus in Süd-Ost-England. Sowohl Winwood als auch Clapton sind musikalisch immer noch gut beschäftigt, bringen neue Platten unters Volk oder spielen Konzerte, solo oder auch immer wieder zusammen.

Das selbstbetitelte Album von Blind Faith ist meines Erachtens eines der größten und besten Albums der kompletten Musikgeschichte. Viele junge Musikfans können leider nicht mal mit dem Namen Blind Faith was anfangen, geschweige denn mit dem Album. Die hervorragende Qualität der vier beteiligten Musiker fand mit dem Album einen gemeinsamen Nenner. Sowohl mit den Gesangsparts von Steve Winwood, der mit seiner fast flehenden Stimme das I-Tüpfelchen auf das grandiose Zusammenspiel der Instrumente setzt, als auch den grandiosen Gitarrenparts von Winwood und Clapton, die sich in teilweise gemeinsam gespielten Soli umkreisen und jeder auf eine Lücke vom anderen wartet, in dem er dann seine Akzente hineinbaut. Das teilweise sehr unaufgeregte Bassspiel von Rick Grech passt hervorragend zum prägnanten Schlagzeugspiel von Ginger Baker, der aus dem Jazz kommend, sehr viel mit den Becken und Toms arbeitet. Baker und Grech bildeten den perfekten Boden für die Virtuositäten von Winwood und Clapton. Das Album vereint Blues, Pop, Folk und Rock zu einem Meilenstein der Musikgeschichte. Auch top erhaltene Erstpressungen sind heute noch für relativ normales Geld zu bekommen. Mein Aufruf an alle interessierten Leser dieser Story – Besorgt euch ein Exemplar des Albums und hört es euch einige Male hintereinander an! Ihr werdet süchtig nach diesem Meisterwerk werden.

Blind Faith – Blind Faith
A1 – Had to cry today
A2 – Can‘ find my Way home
A3 – Well all right
A4 – Presence of the Lord
B1 – Sea of Joy
B2 – Do what you like

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